Chinesische Exporte erhöhen Druck auf Österreichs Firmen

11.06.2026 • 07:45 Uhr

Österreichs Unternehmen spüren den “zunehmenden Wettbewerbsdruck durch rasch wachsende, preisgünstige und technologisch fortgeschrittene Importe aus China”, heißt es in einer Analyse von Wifo, Lieferketteninstitut ASCII und Produktivitätsrat der OeNB. Das mache Standortverlagerungen und Jobabbau in Österreich wahrscheinlicher. Erfolgversprechend gegen die Konkurrenz aus China seien “offensive” Maßnahmen wie eine Verbreiterung oder qualitative Aufwertung des Produktportfolios.

“Defensive Ansätze” wie geografische Diversifizierung und Stärkung von Kernkompetenzen stoßen hingegen an ihre Grenzen, heißt es laut Aussendung in der Analyse. Besonders stark zugenommen habe der Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter in technologieintensiven Bereichen, wie Datenverarbeitungsgeräten und Elektronik sowie elektrischen Ausrüstungen. Die Marktanteile Chinas haben sich hier zwischen 2007 und 2023 verdreifacht. Bisher hätten sich aber heimische Unternehmen deshalb bei Beschäftigung, Wertschöpfung, Arbeitsproduktivität und Exporten “nicht nachweisbar schlechter” entwickelt.

Wenn Österreichs Unternehmen über Investitionen im Ausland nachdenken, dann vor allem in Ost- und Südosteuropa sowie Südostasien, einschließlich China. Trotz aggressiver Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump sieht nur eine kleine Minderheit die USA als attraktiven Standort. Hauptgründe für den Gang ins Ausland sind niedrigere Personalkosten, gefolgt von Energiepreisen, einem als ungünstig empfundenen regulatorischen Umfeld sowie niedrigeren Steuern und Abgaben im Ausland.

Wettbewerbsdruck aus China steigert Liebäugeln mit dem Ausland

Rund 30 Prozent der Unternehmen erwägen, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern, 35 Prozent wollen “zumindest eine” Unternehmensfunktion ins Ausland verschieben. Unter den besonders stark von chinesischer Konkurrenz betroffenen Firmen liebäugeln sogar über 40 Prozent mit einer Umschichtung der Produktion ins Ausland. In diesen Unternehmen ist auch eine Verlagerung von Produktionsarbeitsplätzen oder der Gesamtbeschäftigung deutlich wahrscheinlicher. Der steigende Wettbewerbsdruck falle mit erhöhter Unsicherheit und schwacher Industriekonjunktur zusammen, was Verlagerungen noch wahrscheinlicher mache, wird Manuel Gruber-Német, Ökonom im Produktivitätsrat, in der Aussendung zitiert.

2025 haben laut Wifo-Konjunkturtest rund 27 Prozent der heimischen Unternehmen neue Produkte oder Dienstleistungen eingeführt. Das ist zwar mehr als im Jahr davor, das Niveau von 2019, vor der Corona-Krise, wurde damit aber noch nicht erreicht, sagte ASCII-Vorstandsmitglied und WIFO-Ökonomin Agnes Kügler. Der Wirtschaft gehe es immer noch nicht so gut, die Unsicherheit sei mit der aktuellen Wirtschaftspolitik von Trump und den Kriegen in der Ukraine und Nahost von Unsicherheit geprägt. Daher seien die Firmen zögerlich bei Investitionen und der Einführung neuer Produkte.