Russland weist Verantwortung für Drohne in Leipzig zurück

07.08.2026 • 19:33 Uhr

Russland hat jegliche Verantwortung für den Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen in scharfem Ton zurückgewiesen. Die russische Botschaft in Berlin zeigte sich in einer am Freitag verbreiteten Erklärung “besorgt über eine neue Welle antirussischer Hysterie in Deutschland”. Die Sprengstoff-Drohne war am Mittwoch am Flughafen Leipzig entdeckt worden. Der Flughafen gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine.

Bei den Mutmaßungen über einen russischen Anschlagsversuch handle es sich um eine “fingierte Provokation, die nur den Interessen des Kiewer Regimes und des militaristischen Flügels des europäischen Polit-Establishments dient”, hieß es in der auf Russisch veröffentlichten Erklärung.

“Die größte Gefahr, der sich Deutschland heute ausgesetzt sieht, besteht nicht in angeblichen ‘hybriden Attacken’ aus Moskau, die es nicht gibt”, schreibt die Botschaft weiter. Die Gefahr bestehe vielmehr “in Politikern, die mit Begeisterung Szenarien für einen baldigen Krieg mit Russland entwickeln und die wollen, dass deutsche Bürger sich daran beteiligen”. Mit solchen Berichten wollten europäische Politiker lediglich ihre Unterstützung für die Ukraine rechtfertigen.

Deutscher Sicherheitsrat tagte

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Freitag mit Teilen der Bundesregierung über den mutmaßlichen Anschlagsversuch mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle beraten. Der Nationale Sicherheitsrat habe sich unter dem Vorsitz des Kanzlers telefonisch “zu dem Ereignis am Flughafen Leipzig/Halle am 4. August 2026 ausgetauscht”, teilte Regierungssprecher Steffen Kornelius in Berlin mit.

Der Kanzler stehe dazu in fortwährendem Austausch mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und anderen Mitgliedern der Bundesregierung, so der Sprecher. Am Dienstagabend war auf dem Gelände des Flughafens die mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden.

Wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Sie wird tätig, wenn es um schwer wiegende Bedrohungen der inneren oder äußeren Sicherheit des Landes geht, etwa Terroranschläge. Dobrindt hatte von einem “hybriden Anschlagsszenario” gesprochen und “fremde Mächte” als Urheber nicht ausgeschlossen. Der Vorfall löste eine breite Debatte über die Drohnenabwehr an kritischer Infrastruktur aus.

SPD-Politiker: Russische Urheberschaft wäre “kriegerischer Akt”

Der SPD-Innenexperte Sebastian Fielder forderte eine scharfe Reaktion der deutschen Regierung, sollte Russland hinter dem Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig stehen. “Entweder war das Russland oder jemand wollte, dass es so aussieht, als wenn es Russland gewesen wäre”, sagte Fielder im ARD-“Morgenmagazin” am Freitag. Sollte Russland dahinter stecken, wäre das “ein kriegerischer Akt”.

Der Vorfall habe “eine heftige Lücke” in der Abwehrfähigkeit gegenüber Drohnen offenbart, sagte Fiedler. Schließlich sei die Drohnenabwehr schon seit mindestens eineinhalb Jahren oder länger “bei Innenministerinnen und Innenministern vom Bund und Ländern das Top-Thema”. Die Politik habe aber hier auch gehandelt, betonte der SPD-Politiker. “Unsere Lernkurve ist sehr, sehr steil.” Doch zeige der Vorfall, dass nun eine “neue Dimension” in der Bedrohung erreicht worden sei.

“Aktion des Busfahrers war sehr gewagt und mutig”

Der CDU-Obmann im Innenausschuss des Bundestages, Detlef Seif, schilderte am Freitag Details zum Hergang. “Ein Busfahrer hat die Drohne im Niedrigflug weggetreten”, sagte Seif der Nachrichtenagentur Reuters. “Diese stürzte dann ab und blieb auf dem Boden liegen. Ob sie flugunfähig war, ist unklar.”

Die Drohne sei mit Explosivmaterial präpariert gewesen. “Die Aktion des Busfahrers war sehr gewagt und mutig, aber auch sehr gefährlich”, sagte der CDU-Politiker. “Eventuell hat der Busfahrer mit seinem Eingreifen das Anschlagsziel verhindert.” Welches Ziel die Drohne gehabt habe sowie die Hintergründe seien jetzt Gegenstand der weiteren Ermittlungen.