Die unheimliche Welt des Herrn Parov Stelar in Gmunden

19.06.2026 • 09:14 Uhr
Die unheimliche Welt des Herrn Parov Stelar in Gmunden

Mit “Leave The Future Behind” tauchen die Salzkammergutfestwochen im Gmundner K-Hof Museum in die unheimliche Welt des Marcus Füreder alias Parov Stelar ein. Düster sind die 38 meist großformatigen Gemälde, die zwischen 2023 und 2025 entstanden und bis 18. August zu sehen sind. Klaus Albrecht Schröder, Ex-Albertina-Chef und Direktor des Wiener Aktionismus Museums, zeigte sich beeindruckt von der “Doppelbegabung”: “Die bildende Kunst von Stelar ist seiner Musik ebenbürtig.”

Dass Stelar, der zu den Pionieren des Electroswing mit Weltkarriere zählt, auch ein Maler ist, weiß man in seiner Heimatstadt Linz spätestens sei 2021. Dort gab er im Francisco Carolinum erstmals mit der Schau “l’ll Be OK Soon” Einblick in sein Schaffen als bildender Künstler. Bis eine halbe Stunde vor Ausstellungseröffnung Donnerstagabend im Gmundner K-Hof Kammerhof Museum kannte Schröder Stelar/Füreder allerdings nicht persönlich. So war er zuvor auch skeptisch gewesen, als er gebeten wurde, einen Einleitungstext zum jetzigen Ausstellungskatalog zu schreiben. Wäre Stelar doch nicht der erste Musiker, der malt und seine Werke ausstellen möchte und damit “die Öffentlichkeit belästigen” würde. Von der Ernsthaftigkeit und Stimmigkeit seiner zeitgenössischen Kunst sei der Museumsdirektor überrascht worden.

Dunkler Grundtenor in den Bildern

“Der Mensch hat sich verloren und kann nicht mehr kommunizieren”, fasste Schröder den dunklen Grundtenor aller Bilder zusammen. So blicken einem in der Schau Frauen, Männer oder Kinder aus den Porträts verzweifelt an. In “Wortkarg I” und “Wortkarg II” (Siebdruck, Öl auf Karton 2024) verdecken Insekten den Mund einer Frau und hindern sie daran zu sprechen. Schräg gegenüber davon hängt “Missing Link” (Öl auf Leinwand, 2023). Es zeigt ein Mädchen vor einem Spiegel, doch er gibt ihr Spiegelbild nicht wider. In “Die Puppenspielerin” (Öl auf Leinwand, 2025) hält eine junge Frau ihr Neugeborenes in den Händen, muss jedoch erkennen, dass es eine leblose Plastikfigur ist. Oder aber ein Mann liegt mit dem Kopf auf einem Tisch, völlig ausgelaugt und leer vom “Saturday Night Fever” (Öl auf Leinwand, 2025). In allen Werken dominiert eine unheimliche Stimmung, die auch durch die Farben Ausdruck findet. “Kranke Farben”, wie Schröder das Schwefelgelb oder Altrosa nennt. Er sieht in Stelar/Füreder einen “großen Melancholiker”.

“Sie haben mich erwischt”, meinte der 51-Jährige. Die Kunst sei für ihn “ein Segen und Fluch zugleich”. Er sei süchtig nach dem Stadium des Versinkens in den Schöpfungszustand, bei dem alles andere “wurscht ist”. Habe er Stillstand in der Musik, sei er gierig nach der Droge Malen, gab er Einblick in seine künstlerische Arbeit, die aus Klang und Bild gleichermaßen besteht.

(S E R V I C E – Ausstellung “Parov Stelar. Leave The Future Behind”, 19. Juni bis 16. August, K-Hof Kammerhof Museum Gmunden, Kammerhofgasse 8, 4810 Gmunden, Mittwoch bis Sonntag 10 bis 15 Uhr. )