Drittel der Krebspatienten mit posttraumatischem Stress
Während sich viele Diskussionen rund um Krebs vor allem mit medizinischem Fortschritt bei Therapien beschäftigen, bleiben die psychischen Leiden der aktuell Betroffenen oft unberücksichtigt. Dabei zeigen laut einer gerade veröffentlichten Studie von Wiener Wissenschaftern etwa ein Drittel der Patienten mit Tumorleiden oder bösartigen Bluterkrankungen Zeichen von Posttraumatischen Belastungssymptomen.
“Posttraumatische Belastungssymptome (PTBS) stellen in der Onkologie ein erhebliches, aber oft unterschätztes psychisches Problem dar. Umfangreiche epidemiologische Daten zu verschiedenen Krebsarten sind selten vorhanden”, schrieben jetzt Amelie Fuchs (Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie/MedUni Wien/AKH) und ihre Co-Autoren in der Fachzeitschrift “Epidemiology and Psychiatric Sciences” (doi: 10.1017/S2045796026101085). Es handelt sich in jedem Fall um kein seltenes Problem: Rund 400.000 Menschen leben in Österreich mit der Diagnose einer Krebserkrankung.
Frauen häufiger betroffen
Die Wissenschafter befragten deshalb 4.013 Patienten in ambulanter Versorgung mit Tumorleiden oder bösartigen Bluterkrankungen (hämatologische Malignome). Die Untersuchung erfolgte unter Verwendung einer standardisierten und wissenschaftlich validierten Erhebung mit der sogenannten PTSS-8-Cancer-Skala. Parallel dazu wurden soziodemografische, klinische und psychosoziale Umstände der Betroffenen erhoben.
Die Ergebnisse sprechen für viel mehr Rücksicht und Bedachtnahme auch auf die psychische Verfassung von Krebspatienten. “Insgesamt wiesen 32,5 Prozent der Teilnehmenden ein positives Screening-Ergebnis für eine wahrscheinliche posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) auf. Die Häufigkeit war bei Brustkrebs (39,7 Prozent), weiblichen Genitaltumoren (37,2 Prozent) und Kopf-Hals-Tumoren (36,1 Prozent) am höchsten”, stellten die Autoren in ihrer wissenschaftlichen Arbeit fest.
Von den psychischen Problemen häufiger betroffen sind Frauen im Vergleich zu männlichen Krebspatienten. Die Belastungen zeigen sich auch öfter bei jüngeren Patienten mit niedrigem Einkommen, heißt es in der Zusammenfassung der Studie. Die Ergebnisse sprächen für ein universelles psychosoziales Screening bei Menschen mit Krebsdiagnose und die Einbindung von Versorgungsmodalitäten mit Bedacht auf mögliche traumatische Stressbelastung in der Onkologie. Damit könnte man erheblichen psychischen Belastungen eines namhaften Anteils der Bevölkerung begegnen.