Ein Bildgenerator und eine Universalkünstlerin im musa
Einem Bildgenerator, wie er sich selbst bezeichnete, und einer Universalkünstlerin widmet das musa ab Donnerstag eine Doppelausstellung: Karl Heinz Koller, vor allem für seine an Mandalas erinnernden Fotoarbeiten bekannt, und Heliane Wiesauer-Reiter, eine der wenigen Malerinnen der “Neuen Wilden” der 80er-Jahre, wie Kurator Berthold Ecker vor Medien am Mittwoch sagte. “Beide eher weniger bekannt, obwohl sie zu den herausragenden Künstlern ihrer Generation zählen.”
“Das war sowieso immer die Linie vom musa, dass man eher neben dem Mainstream herumfischt und schaut, was es da alles an großartigen Dingen noch gibt”, betonte Ecker, der sich mit dieser Präsentation in den Ruhestand verabschiedet. Nachdem man während des Neubaus des Wien Museums am Karlsplatz als Ausweichquartier fungierte, gelte es nun in Zusammenhang mit Schenkungen versprochene Ausstellungen nachzuholen.
“Der Bildgenerator” zeigt Kollers breites Schaffen beginnend mit einer Porträtserie. Der 1943 in Tirol geborene und 1995 in Wien verstorbene Künstler – aus der industriellen Fotografie, Werk- und Produktfotografie kommend, hielt das Antlitz von Peter Braunsteiner, mit dem er in Kommunen zusammenlebte, in mehreren Sitzungen mit einer Hasselblad-Kamera fest. “Die Großformate könnten von der Schärfe und der Auflösung her auch monumentale Formate leisten”, so der Kurator.
Ein Zimmer vollgeräumt mit Nachlass
Ecker berichtete von einem Zimmer im Hundertwasserhaus, “vollgeräumt von oben bis unten mit nicht geordnetem Nachlass” Kollers. “Das war ein ziemlicher Aufwand, das durchzuschauen.” Einen Ausschnitt davon kann man nun betrachten, etwa aus der Serie “One month in my Life” (1974) für die Koller in jeder Stunde des jeweiligen Tages ein Foto schoss (seine Schlafenszeit repräsentieren schwarze Kader). Ganz anders die Arbeiten, für die Koller analog per Rotationstisch sowie Mehrfach- und Langzeitbelichtung kreisförmige, psychedelisch anmutende Gebilde erzeugte – daher die Bezeichnung “Bildgenerator” für die Schaffung einer neuen optischen Realität durch Fotografie.
Aktuell: “Die Erde brennt”
Biegt man beim Eingang links ab, führt die zweite Schau, “Verdichtungen”, das breite Schaffen von Wiesauer-Reiter vor Augen. Aus einer Schenkung von 300 Werken habe man, so Ecker, ein Konzentrat herausdestilliert, alles “eigentlich durch die Bank Hauptwerke”. Die 1948 in Salzburg geborene Wiesauer-Reiter bedient sich “so ziemlich aller Techniken, die einer bildenden Künstlerin zur Verfügung stehen, von der Zeichnung, Malerei, Bildhauerei bis hin zur Fotografie und zum Film”.
Fragmentierung, Gliederung, Teilung und Reduktion auf den Kern prägen das Wirken der Künstlerin. Seit den 1970er-Jahren bildet der menschliche Körper einen Schwerpunkt in ihrem Œuvre. Nach Schicksalsschlägen wandte sich Wiesauer-Reiter dem Existenzialismus zu. Und immer schon beschäftigt sie sich mit der Natur: Erwähnt sei etwa die erste 2025 entstandene Gemäldeserie “Die Erde brennt” (2025), ein eindringliches Statement zur Klimakrise. Angelegt ist die Exposition übrigens wie ein Labyrinth – ein solches spielt nämlich auch in ihrem Schaffen eine Rolle.
(S E R V I C E – “Der Bildgenerator – Karl Heinz Koller” und “Verdichtungen – Heliane Wiesauer-Reiter” im musa, 2.7. bis 29.11., Felderstraße 5-8, 1010 Wien, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei; )