Einmietbetrüger in Wiener Hotel erhält milde Strafe

01.10.2026 • 12:43 Uhr
Einmietbetrüger in Wiener Hotel erhält milde Strafe

Ein US-Amerikaner hat sich am Donnerstag in Wien vor einem Schöffengericht verantworten müssen, weil er monatelang in einem Hotel Co-Working-Plätze und Besprechungsräume angemietet, aber nicht bezahlt hatte. Er wurde wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges zu 14 Monaten – drei davon muss er absitzen – verurteilt. Da der Mann seit vier Monaten in Untersuchungshaft sitzt, konnte er noch am Donnerstag das Gefängnis verlassen. Er hinterließ einen Schaden von mehr als 50.000 Euro.

Auf die Frage nach seiner Ausbildung holte der von Rechtsanwalt Florian Kreiner vertretene 44-Jährige weit aus. Seit 14 Jahren arbeitet er in der Biotech-Branche, hat sogar einen Abschluss als Neurochirurg, hätte aber nie praktiziert. Zuletzt soll er sich auch als Bank- und Finanzberater, Businesscoach und psychologischer Coach betätigt haben. Seinen Opfern gegenüber behauptete er auch, bei Kinderoperationen zu assistieren. Die Frage nach seinem letzten Gehalt ließ er allerdings unbeantwortet, ohne zuvor mit seinem Steuerberater gesprochen zu haben.

Viel gereister Angeklagter

Der in New York geborene Mann, der sich schuldig bekannte, lebte in Hongkong, Singapur, Russland und auch in der Ukraine. In Russland lernte er auch seine jetzige Frau kennen und zog mit ihr und der Tochter nach Kiew. Aufgrund des Kriegs flüchtete die Familie nach Italien und dann nach Österreich.

Während seine Frau und seine Tochter in Wien lebten, pendelte er zwischen den USA, Großbritannien und Bratislava hin und her. Gearbeitet habe er für ein KI-Unternehmen, das sich in Nevada in den Vereinigten Staaten befinden würde, berichtete er dem Gericht. Dafür mietete er sich ab August 2025 in einem Hotel nahe der Wiener Innenstadt ein und nutzte dort die Co-Working-Plätze und die Besprechungsräume. Gewohnt hatte er dort nie, wie er beteuerte, ließ sich dort aber gut verköstigen. Zudem heuerte er zwei Assistentinnen an und versprach ihnen gutes Gehalt. Am Ende waren mehr als 50.000 Euro Schulden angehäuft. Gezahlt hatte er einmal rund 900 Euro und dann nichts mehr.

Mails mit Ausreden

In umfangreichen Mails – er nutzte sieben verschiedene E-Mail-Adressen – hätte er dem Hotel und den zwei Frauen erklärt, warum es zu keinen Zahlungen komme. Einmal waren es Überweisungsschwierigkeiten vonseiten des US-Unternehmens, dann funktionierte die Kreditkarte wiederum nicht. “Immer gab es Ausreden”, sagte auch die eine Assistentin, die er in einem Schönheitssalon kennengelernt und dort abgeworben hatte. Beide Frauen waren ebenfalls vor dem Ukraine-Krieg geflüchtet und setzten Hoffnungen in den Job, den der Amerikaner angeboten hatte.

Der Beschuldigte gab alles zu und meinte, er hätte selbst von der US-Firma keine Zahlungen mehr bekommen. Er hätte da sofort den Vertrag mit dem Hotel kündigen sollen, aber er wollte weiterarbeiten, um zumindest noch einen Bonus zu bekommen, um seine Schulden zu bezahlen. Damit täuschte er weiter seine Zahlungsfähigkeit vor. “Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen”, sagte der bisher unbescholtene Amerikaner.

Anzeige vom Hotelmanager

Als das Hotel im Dezember 2025 seine Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung stellte, weil immer noch keine Zahlungen eingingen, war der 44-Jährige verschwunden. Daraufhin erstattete der Hotelmanager, der den Beschuldigten als eloquent bezeichnete, Anzeige. “Weil da haben wir gemerkt, da stimmt was nicht”, sagte der Manager. Anfang Juni 2026 wurde der 44-Jährige in Tschechien festgenommen. Seither sitzt er in U-Haft. Seine Frau will sich nun scheiden lassen, seine Tochter habe gesundheitliche Probleme. “Ich habe alles verloren”, sagte er. Er hätte sich besser über die US-Firma erkundigen sollen. Aber das habe er erst getan, als die Zahlungen ausblieben.

Während das Hotel darauf verzichtete, sich dem Verfahren als Privatbeteiligter anzuschließen, muss der 44-Jährige den beiden Frauen 4.000 bzw. 2.400 Euro Schadenersatz zahlen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Während der Amerikaner die Entscheidung unter Tränen annahm, gab die Staatsanwältin keine Erklärung ab.