Equal Pension Day am 9. August

05.08.2026 • 11:02 Uhr
Equal Pension Day am 9. August

Anlässlich des “Equal Pension Days” am 9. August, jenem Tag, an dem Männer statistisch gesehen bereits jene Pension erhalten haben, für die Frauen ein ganzes Jahr arbeiten, sieht die Arbeiterkammer Handlungsbedarf: “Diese massive Pensionslücke von fast 40 Prozent ist ein klarer Handlungsauftrag an die Politik”, betonte Präsidentin Renate Anderl bei einer Pressekonferenz. Sie fordert u.a. den Ausbau der Kinderbetreuung und ein Bonus-Malus-System für die Älterenbeschäftigung.

Dass Frauen weniger Pension erhalten als Männer sei “das Ergebnis struktureller Ungleichheit. Sie verdienen im Erwerbsleben weniger, sie übernehmen deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit, sie arbeiten häufiger in Teilzeit und sie haben öfter unterbrochene Erwerbskarrieren.” Statt jährlicher Betroffenheit am Equal Pension Day brauche es “endlich Taten in Form von existenzsichernden und alternsgerechten Arbeitsbedingungen, gesetzlichen Verbesserungen und flächendeckender Kinderbetreuung.”

Österreich “Vize-Europameister”

Frauen erhalten in Österreich im Durchschnitt um fast 40 Prozent (39,4 Prozent) weniger Pension als Männer. Das belegt auch der internationale Vergleich: Laut dem jüngsten OECD-Bericht bildet Österreich im deutschsprachigen Raum das Schlusslicht bei der Gleichstellung im Alter und liegt bei der Pensionslücke weit über dem OECD-Schnitt. Auch die Eurostat-Zahlen bestätigen diese Tendenz: Österreich weist im EU-Vergleich nach Malta die zweithöchste Pensionslücke nach Geschlechtern auf.

Einer der Gründe dafür ist, dass Frauen nach wie vor mehr Zeit in Karenz verbringen als Männer. Deshalb fordert die Arbeiterkammer auch eine bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten und ein “faires Stufenmodell mit acht statt vier Jahren Gutschrift auf dem Pensionskonto”, so Anderl. Verschärft wird das Problem durch Teilzeitarbeit. Viele Frauen müssen ihre Arbeitszeit deshalb reduzieren, weil Kinderbetreuung, Pflege und Haushalt überwiegend auf ihren Schultern lasten. “Dass Frauen weniger verdienen liegt nicht an den Frauen und das ist auch bestimmt keine Lifestyle-Teilzeit.” Das rächt sich dann im Alter: Aktuell sind 28 Prozent der alleinstehenden Pensionistinnen armutsgefährdet, während es bei den Männern lediglich 14 Prozent sind.

Gegen höheres Pensionsalter

In der aktuellen Debatte um ein höheres Pensionsalter ist Anderl klar gegen die Forderung von Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec und dem Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle (beide ÖVP), den Pensionsantritt nicht vom Alter, sondern den geleisteten Jahren abhängig zu machen. Seit Jänner 2024 wird das gesetzliche Frauenpensionsalter schrittweise auf 65 Jahre angehoben, das Ergebnis sei jedoch “ernüchternd”. Anstatt länger im Betrieb gehalten zu werden, steigt auch die Arbeitslosigkeit älterer Frauen an. “Dass die Menschen länger arbeiten, wenn man das Pensionsalter anhebt, ist ein Märchen”, meinte Anderl. Aktuelle Daten würden zeigen, dass die Arbeitslosenquote bei Frauen zwischen 60 und 64 Jahren mittlerweile bei 7,2 Prozent liegt (2025). Ein immer späterer Pensionsantritt führe also nicht automatisch zu längerer Beschäftigung, sondern für viele direkt in die Arbeitslosigkeit. Anstatt über ein höheres Pensionsantrittsalter zu diskutieren, müssten die Arbeitsbedingungen für ältere Menschen verbessert werden.

Um die Altersdiskriminierung zu bekämpfen, fordert die AK ein Bonus-Malus-System. Demnach soll jeder Betrieb ab 20 Beschäftigten jährlich darüber informiert werden, wie viele Ältere er im Vergleich zum eigenen Branchenschnitt beschäftigt. Unterschreitet ein Unternehmen diese Zielvorgaben systematisch – etwa indem Frauen vor der Pension “aussortiert” werden – soll es finanziell zur Kasse gebeten werden. Betriebe, die hingegen ihre Branchenziele erreichen und Älteren einen sicheren Arbeitsplatz bieten, sollen belohnt werden.