“Erinnerungen eines Waldes”: Doktorandin trifft Borkenkäfer

28.10.2026 • 05:00 Uhr
"Erinnerungen eines Waldes": Doktorandin trifft Borkenkäfer

Von der Großstadt in die niederösterreichische Einschicht, vom Schuften an der Doktorarbeit in den Wald, vom Rennrad auf den Traktor: Der Alltag von Frieda sieht von einem Moment auf den nächsten ganz anders aus. Konkret katapultiert der Tod ihrer Großmutter die Doktorandin zurück an den Ort ihrer Jugend. Beim geplanten Kurzaufenthalt bleibt es in “Erinnerungen eines Waldes” der österreichischen Regisseurin Katharina Rabl nicht. Am Mittwoch und Donnerstag bei der Viennale.

Eigentlich will Frieda – überzeugend gespielt von Julia Windischbauer – nur für zwei Nächte zurück aufs Land und dann erst wieder zum Begräbnis anreisen. Verübeln kann man es ihr angesichts der Kälte, mit der sie von ihrer Mutter (Johanna Orsini-Rosenberg) empfangen wird und der Tristesse am Hof der Eltern, nicht. Und außerdem winkt ein Job auf der Uni, sollte sie eine Deadline für ihre Doktorarbeit einhalten. Bald wackelt diese aber gehörig.

Licht ins Dickicht

Denn die aufstrebende Wissenschafterin fühlt sich nach anfänglichen Zweifeln dann doch dazu verpflichtet, ihrer von finanziellen Nöten geplagten Familie auszuhelfen. Glücklicherweise hat sie gerade einen einst von ihrer Oma heiß geliebten Wald geerbt. Warum den nicht veräußern? Weil das nicht in Frage komme, herrscht sie ihre Mutter an. Dann also lieber doch ein paar Bäume fällen und verkaufen – mit Hilfe der einstigen Flamme aus Jugendzeiten, die mittlerweile Vater ist. Als wäre dadurch nicht schon genug Ärger vorprogrammiert, meldet sich auch noch der gefürchtete Borkenkäfer zu Wort. Und Frieda wühlt in der Familiengeschichte herum, was so manche Überraschung zutage fördert. Langsam kommt Licht ins Dickicht.

Mit ihrem Spielfilmdebüt trägt sich Rabl auf jener langen Liste an österreichischen Werken ein, die ihre Heimat kritisch unter die Lupe nehmen. Gelächelt wird wenig, das Leben am Land ist hart, voller Sorge und Entbehrungen. Trotz so manchen Griffs in die Klischeekiste gelingt es der Mittdreißigerin, die depressive Grundstimmung im Umfeld, aber auch innerliche Zerrissenheit der Protagonistin stimmig auf die große Leinwand zu bringen. Wie viel schuldet man der eigenen Familie? Darf man alles hinter sich lassen und sich in Wien ein schönes Leben fernab von Dorffesten aufbauen?

“Erinnerungen eines Waldes” erfindet das Rad nicht neu, ist aber ein durchaus gelungenes Debüt, das Lust auf mehr von Rabl macht. Auch könnte sich so mancher der vielen anderen Landflüchtlinge in dem tristen Werk, das dennoch Raum für Hoffnung lässt, gut wiederfinden.

(Von Lukas Wodicka/APA)

(S E R V I C E – “Erinnerungen eines Waldes” am 28. Oktober um 18 Uhr im Stadtkino im Künstlerhaus und am 29. Oktober um 16 Uhr im Metro-Kinokulturhaus. ; )