Neue Bombendrohungen gegen Flüge und Medien in Europa

06.11.2026 • 16:11 Uhr

Die Serie von Bombendrohungen gegen Passagierflüge in Europa hat sich am Freitag fortgesetzt und auf Medien ausgeweitet. Redaktionen in Irland und Bulgarien erhielten Droh-E-Mails von einem Absender namens Michail Andropow. Der irische Rundfunksender RTE evakuierte daraufhin seine Büros. Auch der britische Sender Sky berichtete über eine Sicherheitsbedrohung. Die E-Mails mit dem Betreff “Botschaft an den Westen” kündigten weitere Angriffe auf Verkehrsmittel in Europa an.

Außerdem gab es erneut zahlreiche Drohungen gegen Flugzeuge. So eskortierten ungarische Kampfjets mehrere Maschinen, unter anderem auf den Routen von Brüssel nach Sofia sowie von Prag nach Bukarest und Zypern. Dem ungarischen Verteidigungsminister Romulusz Ruszin-Szendi zufolge ordnete die NATO zudem eine Luftpatrouille nahe der ungarisch-rumänischen Grenze an. Es ist der erste bekannte Einsatz des westlichen Verteidigungsbündnisses in diesem Zusammenhang.

“Hybride Aggression und psychologische Kriegsführung”

Die Serie von Drohungen hatte Anfang der Woche begonnen und sich am Donnerstag massiv verstärkt. Am Montag wurde ein Flugzeug des ungarischen Billigfliegers Wizz Air auf dem Weg von London in die bulgarische Hauptstadt Sofia wegen einer Bombendrohung nach Budapest umgeleitet. Am Dienstag waren rund ein halbes Dutzend Flüge betroffen, am Donnerstag mehr als 24. Einige Maschinen mussten außerplanmäßig landen oder wurden von Kampfjets begleitet. Der spanische Außenminister José Manuel Albares sagte dem Sender TVE, es könne kein Zufall sein, dass sich so viele Vorfälle mit genau demselben Muster in Europa ereigneten. “Die naheliegendste Annahme ist, dass wir es mit dem Versuch einer hybriden Aggression und einer Form der psychologischen Kriegsführung zu tun haben.” Europa müsse auf weitere derartige Herausforderungen vorbereitet sein.

Auch am Freitag waren zahlreiche Flüge betroffen: In Tschechien registrierte die Polizei Bombendrohungen gegen neun Flüge von und nach Prag. Flugausfälle gab es nach Angaben des Prager Flughafens jedoch nicht. Eine Maschine von Wizz Air auf dem Weg von Prag nach Rom wurde nach Venedig umgeleitet. Eine Maschine von Ryanair aus Rom landete dem Sender CNN Portugal zufolge planmäßig in Lissabon. Frankreich meldete vier neue Bombendrohungen gegen Flugzeuge im französischen Luftraum. In Sofia landeten zwei Flüge aus London und Brüssel nach einer Bombendrohung. Bei anschließenden Durchsuchungen wurde den Behörden zufolge nichts Verdächtiges gefunden. In Dänemark gab es Drohungen gegen den Flughafen Kopenhagen, der Betrieb lief jedoch normal weiter. Vertreter der Sicherheitsbehörden äußerten den Verdacht, es handle sich um einen koordinierten “hybriden Angriff”, schlossen jedoch auch Trittbrettfahrer nicht aus.

Am Donnerstag hatten Airlines und Flughäfen in Italien Droh-E-Mails erhalten. Einem Insider an einem italienischen Flughafen zufolge stammten diese angeblich von Kämpfern der Bewegung “Männlicher Staat”, einer in Russland verbotenen, rechtsextremen und frauenfeindlich Gruppierung. Die Herkunft der E-Mails konnte von der Nachrichtenagentur Reuters nicht überprüft werden. Nach Angaben des Bloggers Wladislaw Posdnjakow, der die Gruppe im Jahr 2016 gegründet hatte, existiert die Organisation nicht mehr und sie sei auch nicht beteiligt.

Keine Sprengstoff gefunden

Sprengstoff wurde bisher auf keinem der betroffenen Flüge gefunden, alle Maschinen landeten sicher. Die Identität des Absenders oder der Ursprung der E-Mails konnten von der Nachrichtenagentur Reuters zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Es blieb unklar, ob sie auf dieselben Urheber zurückgingen wie die Drohungen gegen die Flüge.

Ermittler in Österreich hielten sich bedeckt

Im Fall der am Donnerstag an den Flughafen Wien in Schwechat gesendeten Droh-E-Mails waren am Freitag weiter Ermittlungen im Gange. Geführt wurden die Erhebungen von Spezialisten des Landesamts Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) Niederösterreich, hieß es seitens der Landespolizeidirektion auf Anfrage. Ansonsten hielten sich die Behörden zu der Causa bedeckt – auch aufgrund der Gefahr möglicher Nachahmungstäter.

In Europa hatte es zuletzt mehrere sogenannte hybride Angriffe gegeben, die teilweise Russland oder dem Iran zugeschrieben wurden. EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas erklärte am Donnerstag, es sei “zu früh, um Rückschlüsse auf einen möglichen Zusammenhang” zwischen den Bombendrohungen zu ziehen. Die Ermittlungen in den betroffenen Ländern dauerten an.