Eröffnung der Festspiele Erl mit “European Way of Life”

Die Eröffnung der 27. Tiroler Festspiele Erl ist Donnerstagabend mit Beschwörungen des “European Way of Life” über die Bühne gegangen. Außenministerin Beate Meinl Reisinger (NEOS) hob in ihrer Rede den “Lebensstil” hervor, der “Lebensqualität, Solidarität und Freiheit” bedeute, mahnte aber auch Investitionen “in die eigene Verteidigungsfähigkeit” ein. Bei der Rede von Ex-SPÖ-Justizministerin Maria Berger (SPÖ) gab es indes einen kleinen Eklat in Form von Unmutsäußerungen.
Für Europa gelte es, “in einer Welt der Raubtiere” zu investieren, um “handlungsfähig zu bleiben”, erklärte Meinl-Reisinger im Erler Festspielhaus. Das heiße nicht zuletzt, “die Stärke der Vielen” in Europa herauszustreichen sowie “Tragkraft durch Zusammenarbeit” zu erlangen. Nur so könne Europa “einer neuen Weltordnung von starken Mächten” gegenübertreten. Es gelte, die “unterschiedlichen Klangfarben” in Europa zuzulassen und eben als den “europäischen Weg” zu begreifen, sagte die Außenministerin und erklärte schließlich die Tiroler Festspiele Erl offiziell für eröffnet.
Teils Unmut bei Rede von Berger
Zuvor hatte bereits Ex-Justizministerin Berger, danach auch unter anderem Richterin am Europäischen Gerichtshof (EuGH), auf Einladung von Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner eine Rede gehalten und Meinl-Reisinger inhaltlich den einen oder anderen Rhetorik-Ball aufgelegt. Berger fragte sich, “wie die Musik in Europa wieder lauter und schöner erklingen könnte.” Europa habe jedenfalls “beträchtliche Softpower” zu bieten, müsse zugleich aber auch eine “autonome Verteidigung” auf die Beine stellen. Auf dem Spiel stehe der gesamte “europäische Lebensstil” und eben der oft gerühmte “European Way of Life”. Bergers, im Vergleich zu den anderen Rednern, wesentlich längere Ausführungen führten zu überraschenden Unmutsäußerungen im Publikum. “Aufhören” und “Wir wollen Musik hören” schallte es mehrmals gen Bühne, 20 bis 30 Gäste verließen sogar den Saal. All dies ließ schließlich Festspielpräsident Haselsteiner einschreiten und kurzzeitig die Bühne betreten. “Es steht jedem frei, den Saal zu verlassen”, ergriff er das Wort, mahnte aber “respektvolles Verhalten” ein und sorgte damit für Ruhe. Anschließend entschieden sich nur mehr einige wenige Besucher für einen vorzeitigen Abgang.
Haselsteiner hatte zuvor in seiner Begrüßung – wie schon vergangenes Jahr – seine eigenen “Überlegungen zu Europa” hintangestellt und einem Gastredner – diesmal eben Berger – die Bühne überlassen. Der Unternehmer und Ex-Liberales Forum-Politiker wies lediglich darauf hin, dass “der Europagedanke ein Teil der Identität in Erl ist”. Ansonsten behielt er es sich vor, für das “vielversprechende Programm” zu werben sowie Erl als “Platz für besonderen Kunstgenuss” zu positionieren.”
Mattle betonte “Europa der Regionen”
Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) hielt indes seine kurze Ansprache deutlich programmatischer bzw. politischer und betonte unter anderem die Wichtigkeit von Regionen in Österreich und Europa. Hierzulande müssten die “Bundesländer sichtbar bleiben.” Darüber hinaus brauche es “ein Europa der Regionen”, das “nahe bei den Menschen” und “weit weg von Nationalismen” sei. “Wahre Heimatliebe ist nämlich frei von Nationalismen”, unterstrich der Landeshauptmann. Diesbezüglich zeige auch die Landeshauptleutekonferenz vor, “wie sich Bürger Politik vorstellen”, da bei diesen nämlich “konstruktive Zusammenarbeit” im Mittelpunkt stehe, spannte Mattle schließlich einen Bogen zum kürzlich zu Ende gegangenen Vorsitz von Tirol in der Landeshauptleute-Konferenz.
Festspiel-Orchester gestaltete Eröffnung musikalisch
Abseits der politischen Erörterungen und Reden stand ein grandios eingespieltes und musizierendes Orchester der Festspiele Erl im Mittelpunkt der Eröffnung. Vor, zwischen und nach den Reden standen – unter interessierter Beobachtung von Intendant Jonas Kaufmann – Werke von Alban Berg und Anton Bruckner unter dem Dirigat von Asher Fisch auf dem Programm. Die Musik unterstrich auch das, was in den Reden angesprochen worden war. Die “Drei Bruchstücke aus der Oper ‘Wozzeck'” von Berg gerieten in diesem Kontext mit der fast gespenstisch irrlichternden Stimme der Sopranistin Lidia Fridman zum Sinnbild einer Gesellschaft, die Zusammenhalt und Gemeinschaft verloren hat und dem Untergang geweiht ist. Die “Dritte Symphonie” von Bruckner wiederum trumpfte nach der Pause ganz ohne Rede-Intermezzi mit enormer Klangvielfalt auf und endete triumphal mit Harmonie, Gleichklang und zugleich mit Tiefe. Die Sommersaison der Festspiele Erl läuft dieses Jahr bis 26. Juli.