Erste Operationen wegen Corona-Entwicklung aufgeschoben

16.09.2021 • 12:57 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

Die Entwicklung sieht genauso aus wie bei jeder vorhergehenden Welle der Corona-Pandemie: Zuerst steigen die Infektionszahlen und nach ein paar Wochen auch die Spitalsauslastung. Besonders kritisch wird dabei immer auf die Intensivstationen geschaut, deren Betten ja oft für die Betreuung nach Operationen benötigt werden. Um angesichts steigender Zahlen von Covid-Patienten genügend Kapazitäten garantieren zu können, werden mancherorts bereits geplante OPs aufgeschoben.

In der Bundeshauptstadt Wien waren im Gesundheitsverbund am Donnerstag 60 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt – was zumindest keine Veränderung zum Vortag darstellt. Bei den Normalbetten betrug der Wert 174, das sind um zehn mehr als noch am Vortag. Insgesamt stünden 150 Intensivbetten für Betroffene bereit – inklusive jene für High-Flow-Sauerstofftherapie, die sich zum Teil auch auf Normalstationen befinden.

Aktuell würden bereits planbare Operationen verschoben, wie ein Sprecher des Gesundheitsverbunds der APA erläuterte. Es handle sich dabei noch um keine generelle Maßnahme, allerdings würden bereits Patienten gefragt, ob sie ihren Eingriff verschieben würden. Denn auch wenn die Bettenkapazität vielleicht ausreichen würde, sei es nicht möglich, nicht infizierte Personen auf einer Corona-Station unterzubringen, wurde betont. Dies würde die Kapazität zusätzlich einschränken.

Laut dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) sind in Wien rund 92 Prozent der Covid-Patienten nicht vollständig geimpft. Die Gefahr, bei einer Erkrankung mit der Delta-Variante einer Intensivpflege zu bedürfen, ist demnach hoch. Auf drei Normalpatienten kommt eine Person, die davon betroffen ist. Zu Beginn der Pandemie hat das Verhältnis noch eins zu zehn betragen.

Auch in der Steiermark baut man für weiter steigende Zahlen vor: In den Spitälern der KAGes seien die Intensivstationen grundsätzlich für routinemäßige OPs zu 90 Prozent ausgelastet, weitere zehn Prozent seien für den Notfall reserviert. „Die sind jetzt verbraucht. Das heißt, jeder zusätzliche Corona-Intensivpatient nimmt den Platz für eine geplante Operation weg“, schilderte KAGes-Sprecher Reinhard Marczik der APA. Aktuell werden 16 Corona-Patienten intensiv versorgt. Das sei gleich wie zu Beginn des Monats, auch wenn es dazwischen schon höher gewesen sei. Operationen werden bereits verschoben, „aber nicht im großen Maßstab – es handelt sich um Einzelfälle“.

In Kärnten wurden mit Stand Donnerstag neun Corona-Patienten auf einer Intensivstation behandelt. Das waren um zwei mehr als noch am Mittwoch, zuletzt wurden so viele Corona-Intensivpatienten Anfang Mai verzeichnet. Noch im März war heuer der Höchststand an Patienten verzeichnet worden, die intensivmedizinisch behandelt werden mussten, damals waren es tagelang knapp 20. Noch einmal höher war diese Zahl im November und Dezember 2020, als regelmäßig mehr als 30 Covid-Patienten auf einer Intensivstation lagen. Wie Gerd Kurath vom Landespressedienst auf APA-Anfrage sagte, habe man bereits vor zwei Wochen terminliche Operationen in den Häusern des Krankenanstaltenbetreibers Kabeg verschieben müssen. Derzeit verlege man Patienten, um diese Zahl möglichst im Rahmen zu halten.

In den meisten anderen Bundesländern stellt sich die Situation derzeit noch nicht so dramatisch dar, wie der Rundruf der APA ergab. In Niederösterreich etwa waren am Donnerstag nach Angaben der Landesgesundheitsagentur (LGA) 38 Intensivbetten durch Corona-Patienten belegt. 74 stehen demnach noch für an Covid 19 Erkrankte zur Verfügung. Insgesamt gibt es 333 Intensivbetten im Bundesland. „Für die derzeitige Situation reichen die Kapazitäten aus“, hieß es auf Anfrage von der LGA. Es werde tagesaktuell beobachtet, ob Einschränkungen nötig sind. Im Moment sei dies nicht der Fall, teilte die LGA mit: „Derzeit müssen Operationen nicht verschoben werden.“

Im Burgenland befinden sich aktuell vier Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. Drei davon sind es im Eisenstädter Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und alle drei seien ungeimpft, hieß es zur APA. Das derzeit vorgesehene Kontingent für Covid-19-Patienten sei damit aktuell ausgeschöpft. Operationen müssen aber noch nicht verschoben werden, teilte eine Sprecherin mit. Auch in den KRAGES-Spitälern können alle OP-Termine noch eingehalten werden. In diesen Häusern sind derzeit acht Personen in den Normal-Isolierstationen und eine auf der Intensivstation. Sechs davon sind laut einem Sprecher ungeimpft, inklusive dem Intensivpatienten.

Im Bundesland Salzburg befanden sich mit Stand Donnerstagfrüh 45 Covid-19-Patienten im Spital. Davon lagen neun auf einer Intensivstation – fünf im Uniklinikum in der Stadt Salzburg und vier im Krankenhaus Schwarzach im Pongau. „Wir befinden uns aktuell noch in der untersten Krisenstufe“, sagte der Sprecher der Landeskliniken zur APA. Man sei in der Struktur so aufgestellt, dass alleine im Uniklinikum bis zu zwölf Corona-Intensivpatienten versorgt werden können, ohne Operationen verschieben zu müssen. In Schwarzach ist die Situation ähnlich: „Es gibt aktuelle keine Einschränkungen im Betrieb. Aus jetziger Sicht zeichnet sich auch nicht ab, dass sich das ändern könnte“, hieß es auf APA-Anfrage.

An der Innsbrucker Klinik, an der die meisten Tiroler Corona-Intensivpatienten behandelt werden, müssen noch keine Operationen verschoben werden. Derzeit würden dort fünf Intensivpatienten behandelt werden. Das sei noch leicht schaffbar und habe noch keine Änderung von Stationen zur Folge, sagte Klinik-Sprecher Johannes Schwamberger zur APA. Derzeit befinde man sich noch in Stufe 1 (von insgesamt sechs), erst ab sieben Corona-Intensivpatienten würde man in Stufe 2 wechseln. Allerdings treffen sich die Intensivkoordinatoren wieder zu regelmäßigen Sitzungen, um sich unter anderem das OP-Programm von Tag zu Tag anzuschauen und im Bedarfsfall flexibel reagieren zu können. Insgesamt gab es in Tirol am Donnerstag sieben Corona-Intensivpatienten. Neben den fünf auf der Innsbrucker Klinik war jeweils noch einer in den Krankenhäusern Lienz und Zams untergebracht. In den weiteren sieben Tiroler Krankenhäusern gab es zur Zeit keine Corona-Intensivpatienten.