Erste Schau der neuen mumok-Direktion “wie ein Theaterstück”

19.06.2026 • 13:52 Uhr
Erste Schau der neuen mumok-Direktion "wie ein Theaterstück"

Das mumok will sich neu denken: Die erste Großausstellung unter Generaldirektorin Fatima Hellberg ist daher “wie ein Theaterstück in vier Akten und Prolog gegliedert”, hieß es am Freitag. Ausgehend von Kate Milletts der Schau namensgebenden Installation “Terminal Piece” stelle jedes Stockwerk einen “eigenen Kosmos” dar: “Man befindet sich in der gleichen Ausstellung, sieht in jedem Akt etwas Neues, das aber mit den anderen verbunden ist”, fasste Hellberg das Konzept zusammen.

Millett schuf 1972 “Terminal Piece”, nun erster Ankauf unter Hellberg, weil sie ihre Reaktion auf die grausame Ermordung einer 16-Jährigen nicht in Worte fassen konnte. Hinter einem Gitter, das den dunklen Raum teilt, befinden sich zahlreiche Sessel, auf einem “sitzt” ein Mannequin, davor stehen die Besucherinnen und Besucher. Das Kunstwerk sei zugleich “Bühne und Käfig und erst vollendet in der Begegnung mit Betrachtenden”, sagte Lukas Flygare, Co-Kurator von Hellberg. “Es wirft die Fragen auf: Wer beobachtet? Wer wird beobachtet?”

Ein Raum für Menschen

Bevor man der Ausstellung von ihrem ersten Akt “Terminal Piece” ausgehend von der vierten Etage abwärts folgt, wartet der Prolog. Anna Viebrock transformierte dafür die Eingangsebene: “Sie hat kein Display gemacht, sondern vielmehr eine Choreografie. Je nach Blickachse befindet man sich in einem anderen Raum, in einer Kirche, in einem Wohnzimmer, in einem Keller. Man betrachtet dabei Kunstwerke und wird selbst Teil davon”, beschrieb Hellberg die Inszenierung. “Ich habe keinen Ausstellungsraum gemacht, ich habe einen Raum für Menschen geschaffen”, so Viebrock.

Manche der Werke – insgesamt sind in der Schau rund 400 versammelt, davon zwei Drittel aus eigenem Bestand – hängen ungewöhnlich hoch, manche näher beieinander – “so wie sie einmal in Wohnungen und Häusern hingen”, erklärte die Generaldirektorin, die auf den freien Eintritt zur unteren Ebene verwies. Das sei ein erster Schritt zur Erfüllung ihres Versprechens, das Haus zu öffnen: “Wer im Museumsquartier einen Kaffee trinkt, wer zufällig vorbeikommt, wer kaum je in ein Museum geht, kann einfach hereinkommen, ohne Eintritt, ohne Vorwissen, ohne Vorbedingungen.”

Wie man ein zufälliges Publikum dazu motivieren könnte, verriet sie nicht. Fehlende erläuternde Texte in der Schau machen den Besuch ohne Vorwissen vielleicht gar nicht so leicht. Zumindest die Installation “Terminal Piece” beeindruckt auch ohne Worte. Der zweite Akt soll ausgehend vom gezeigten Film “Swallow” von Elisabeth Subrin, der “die Diskrepanz und Ambivalenz zwischen einem optimistischen, aktivistischen Moment und dem inneren Leben einer jungen Frau” (Flygare) festhält, u.a. Arbeiten von Birgit Jürgenssen und Anna Oppermann höchst persönliche und eigenwillige Reaktionen auf die Verhältnisse ihrer Zeit vermitteln, hieß es.

Was kann ein Museum heute?

Nach der eher gedämpften Atmosphäre tritt man im dritten Akt in fast gleißend helles Licht. Im weiten Raum mit klinischer Ästhetik sind über die Wände durchaus verstörende Bildserien wie “Unborn Baby In A Computer” von Sara Deraedt verteilt. In einer Ecke treten drei sich bewegende, von der Decke hängende Operngucker in den Dialog. Es folgen skulpturale Arbeiten, Franz West darf nicht fehlen. Mit einem “Film voller Desorientierung” (Flygare) sieht sich das Publikum in einem “Kinosaal” konfrontiert. Für Akt 4 sollte Nina Porter einen Blick in die Zukunft werfen und hat dazu mit der mumok-Sammlung gearbeitet, aber auch neue Arbeiten geschaffen.

“Ein Terminal ist zugleich ein Ende, aber auch ein Beginn von etwas Neuem”, betonte Flygare. “Für uns bedeutet es innerhalb dieser Ausstellung einen Aufbruch, der mit der Vergangenheit verbunden bleibt.” Für Hellberg ist es “nicht zufällig” ihre erste Großausstellung als Generaldirektorin geworden: “Sie ist eine direkte Antwort auf die Frage, was ein Museum heute kann.” Es wird sich zeigen, ob es die richtige ist.

Zeitgleich öffnet die kleinere Schau “Figure of the Child” in den beiden Untergeschoßen. Die georgische Künstlerin Tolia Astakhishvili hat einen ungewöhnlichen Raum geschaffen, der den existenziellen Zustand des In-die-Welt-geworfen-Seins spürbar macht.

(S E R V I C E – Ausstellungen “Terminal Piece” im mumok, 20. Juni bis 7. Februar, Eintritt zum Prolog bis 30. September frei; )