EZB berät nach Ölpreisschock über Zinsen

Inflation eingedämmt, leichtes Wachstum im Euroraum: Noch vor wenigen Wochen wähnte sich die Europäische Zentralbank (EZB) in einer komfortablen Lage. Doch mit dem Krieg im Nahen Osten und dem Ölpreisschock wächst die Sorge, dass die Teuerung wieder deutlich anzieht. Nun gibt die EZB am Donnerstag (14.15 Uhr) die nächste Zinsentscheidung bekannt.
Im Februar lag die Inflationsrate im Euroraum bei 1,9 Prozent und damit im Zielbereich der EZB, die mittelfristig eine Rate von zwei Prozent anstrebt. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Notenbank abwarten und den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins vorerst bei 2,0 Prozent belassen wird.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane warnte bereits vor den Folgen eines länger andauernden Iran-Kriegs. Dies könne die Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen. Mit dem Zinsentscheid stehen auch neue Prognosen der EZB zu Wachstum und Inflation im Euroraum an – in der aktuellen Lage eine schwierige Sache.
EZB will zu späte Reaktion verhindern
Die Notenbank will unbedingt verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die EZB in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent nach oben.
Einige Experten erwarten in der aktuellen Lage eine Zinserhöhung im Sommer. Der EZB-Rat bleibe wachsam, betonte jüngst der deutsche Bundesbankchef Joachim Nagel: “Sollte sich das Inflationsbild substanziell ändern, sind wir in einer guten Lage, um darauf reagieren zu können.”