“Festspielbezirk 2030”: Ausbruch der Kavernen kurz vor Start

Unmittelbar nach Ende der diesjährigen Salzburger Festspiele beginnen Anfang September die eigentlichen Bauarbeiten zur Sanierung, Modernisierung und Erweiterung der Festspielhäuser. Nach Einrichtung der Baustelle startet am 14. September der Ausbruch der Kavernen im Mönchsberg. Dazu wird das Neutor, einer der zentralen Zufahrtsrouten in die Altstadt, komplett gesperrt. Unterdessen sind noch wesentliche organisatorische und finanzielle Fragen zum Gesamtprojekt offen.
Der Bau der Kavernen schafft Platz für ein neues “Haus im Berg” mit Hinterbühne bzw. Montagehalle, Probesälen, Verbindungsgängen und Einspiel- und Haustechnikräumen. Die teilweise jahrzehntealte Infrastruktur und Bühnentechnik gelten als überaltert, die Arbeitsbedingungen für die 250 ganzjährigen und bis zu 4.000 saisonalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als völlig unzureichend. “Das Projekt ist schon aus Gründen des Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerschutzes dringend notwendig”, erklärte der kaufmännische Direktor der Salzburger Festspiele, Lukas Crepaz, am Donnerstag in einer Pressekonferenz zum Start des Kavernenbaus. In Zukunft sollen Personal und Künstler mehr Platz bekommen, die Anlieferung der Bühnenbilder wird künftig über eine neue Zufahrt erfolgen, die im Neutortunnel abzweigt.
Stein wird aus dem Berg gefräst, nicht gesprengt
Bauausführendes Unternehmen ist eine Arbeitsgemeinschaft aus ÖSTO-STETTIN und Jägerbau, die beide im Untertagebau spezialisiert sind. Die Kavernen werden aus dem Konglomeratgestein des Mönchsbergs gefräst, nicht gesprengt. Das Ausbruchmaterial wird im Berg zwischengelagert und per Lkw abtransportiert. Projektleiter Michael Brandauer rechnete am Donnerstag mit fünf bis sechs Fahrten pro Stunde und Richtung.
Das Neutor wird für die Arbeiten zunächst sechs Monate lang komplett gesperrt, auch für Einsatzkräfte. Busse werden umgeleitet, für den motorisierten Individualverkehr gibt es in der Altstadt Beschränkungen. Nach dem ersten halben Jahr ist für weitere 2,5 Jahre eine einspurige Öffnung des Neutors angedacht – für Busse, Einsatzfahrzeuge, Innenstadtbewohner und Lieferanten. Die Zufahrt zur Mönchsberggarage bleibt während der ganzen Bauzeit möglich.
Ein neuer Preisdeckel für zwei Bauphasen
Das Projekt “Festspielbezirk 2030” sieht zwei Bauphasen vor. Rund 395 Millionen Euro fließen in einem ersten Schritt in die Sanierung des Großen Festspielhauses und den Bau des “Hauses im Berg”. Die Kosten trägt zu 40 Prozent der Bund, je 30 Prozent übernehmen Stadt und Land Salzburg. In Bauphase zwei sollen dann das Haus für Mozart und die Felsenreitschule saniert werden. Die projektierten Kosten dafür lagen zuletzt bei 86 Millionen Euro, wobei es im Gegensatz zur ersten Phase noch keine gesicherte Finanzierung gab.
Vor wenigen Wochen kündigte die Landespolitik dann angesichts der knappen Kassen jedoch überraschend einen Kostendeckel von 395 Millionen Euro für das Gesamtprojekt an, also für Phase eins und Phase zwei gemeinsam. Lukas Crepaz will nun die in Phase zwei als notwendig erachteten Maßnahmen für das Haus für Mozart und die Felsenreitschule noch einmal neu nach Prioritäten reihen. Allerdings hatte er zuletzt betont, dass das Projekt in der Vergangenheit schon mehrfach redimensioniert wurde. “Wir werden prüfen, ob sich weniger notwendige Maßnahmen verschieben lassen”, sagte er am Donnerstag zur APA. Nähere Details dazu soll es in der Kuratoriumssitzung Mitte Oktober geben.
Noch keine Lösung für Ersatzspielstätten
Während das Haus für Mozart und die Felsenreitschule während der ganzen Bauzeit als Spielstätten zur Verfügung stehen, wird das Große Festspielhaus von Herbst 2028 bis zum Frühjahr 2031 gesperrt. Es steht damit zwei Spielsaisonen nicht zur Verfügung. Für diese Zeit suchen die Festspiele noch nach Interimslösungen. Die Entscheidung darüber soll in der Kuratoriumssitzung im Oktober fallen. Für die Ersatzspielstätten und -räumlichkeiten sind – unabhängig vom Kostendeckel – weitere 38 Millionen Euro budgetiert. Das Gros soll mit 35 Millionen Euro dabei von der Öffentlichen Hand kommen.
Zur Auswahl stehen drei konkrete Alternativen: Die ersten beiden wären eine aus Modulen errichtete Konzerthalle aus Stahl, die später für andere Projekte im ganzen deutschsprachigen Raum verwendet werden könnte. Sie soll entweder am Areal der Stiegl-Brauerei oder beim Kloster St. Josef errichtet werden und hätte den Vorteil, dass sie das ganze Jahr über bespielt werden könnte. Damit würde sie auch Mietern des Festspielhauses wie dem Adventsingen zur Verfügung stehen. Die dritte Alternative wäre die Nutzung einer Messehalle, die aber nur saisonal nutzbar wäre. Nicht zuletzt geht es auch um eine Lösung für den “Jedermann”. Wenn es regnet, wechseln Schauspieler und Zuseher vom Domplatz in das Große Festspielhaus. Angedacht wird hier etwa eine Überdachung der “Jedermann”-Tribüne.