“Festspielbezirk 2030”: Rechnungshof ortet höhere Kosten

26.06.2026 • 17:43 Uhr

Das Großprojekt “Festspielbezirk 2030” der Salzburger Festspiele könnte deutlich teurer werden als bisher angenommen. Der Rechnungshof ortet in einem Rohbericht eine klare Kostensteigerung, berichtete das Nachrichtenmagazin “profil” am Freitag. Statt der bisher kommunizierten 519 Mio. Euro könnte das Bauvorhaben mit Schwankungsbreite bis zu 635 Mio. Euro kosten. In Reaktion auf den RH-Rohbericht betonten die Festspiele, dass man alles daran setze, das Budget einzuhalten.

Im Rohbericht wird vor allem bekrittelt, dass die Errichtungskosten aus RH-Sicht zu niedrig bewertet wurden. Von Anfang an seien wesentliche Kosten und Risiken nicht in die erwarteten Gesamtkosten eingerechnet worden. Laut “profil”, das aus dem nicht öffentlich einsehbaren Rohbericht zitierte, ortet der Rechnungshof nicht nur Lücken bei Grundstücks-, Beratungs- und Gutachtenskosten, die nicht den Gesamtkosten zugeordnet worden seien. Auch die geologischen Risiken bei den Arbeiten im Mönchsberg wurden offenbar nicht ausreichend berücksichtigt, zugleich sollen bei mehreren Bauten behördliche Zustimmungen bezüglich des Denkmalschutzes fehlen.

Kaufmännischer Direktor: “Zahlen weiter valide”

Kritik, die der Kaufmännische Direktor der Salzburger Festspiele, Lukas Crepaz, zum Gros nicht nachvollziehen kann. “Die Zahlen sind weiter valide. Jegliche Kostenberechnung, auch der jüngste Entwurf, beläuft sich auf die zuletzt zugesagten Kosten”, sagte er zur APA. Auch wenn externe Faktoren nicht vollständig vorhersehbar seien, werde man alles daran setzen, die vorhandenen Finanzmittel sorgsam einzusetzen und den von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellten Budgetdeckel einzuhalten.

Die vom Rechnungshof angenommene mögliche Schwankungsbreite von 20 Prozent sei kein Bestandteil des Kostenrahmens nach ÖNORM, sondern weise nur die prognostische Unsicherheit zu einem Bewertungsstichtag aus. “Die Rechnungshöfe haben hier eine andere Meinung, ich halte unsere Vorgehensweise aber für völlig richtig”, betonte Crepaz. Zudem seien von 35 Empfehlungen des Rechnungshofes zum Zeitpunkt der Prüfung bereits 22 umgesetzt. “Bezüglich der weiteren Empfehlungen werden Anpassungen evaluiert und, wo notwendig, umgesetzt.”

Zwei Bauphasen

Das Projekt “Festspielbezirk 2030” sieht zwei Bauphasen vor. Rund 395 Millionen Euro sollen in einem ersten Schritt in die Sanierung des Großen Festspielhauses und den Bau eines “Hauses im Berg” fließen. Dazu soll im Konglomerat des Mönchsbergs eine Kaverne für eine Montagehalle, Probesäle, Technik- und Einspielräume, Verbindungsgänge und eine Zone zur Anlieferung entstehen.

In Bauphase zwei sollen dann das Haus für Mozart und die Felsenreitschule saniert werden. Die projektierten Kosten liegen bei 86 Millionen Euro, wobei es im Gegensatz zur ersten Phase noch keine gesicherte Finanzierung gibt. Wie der Rechnungshof betonte, sei das Projekt nicht beliebig teilbar. “Man kann also so tun, als finanziere man erst einmal nur Phase eins. Baulich und funktional bleibt es trotzdem ein Gesamtprojekt”, so “profil”.

Zusätzlich 38 Millionen Euro für Interimslösungen

Dazu kommen weitere 38 Millionen Euro, die für Interimsräumlichkeiten und -spielstätten des während des Umbaus nicht nutzbaren Großen Festspielhauses veranschlagt sind. Das Gros soll mit 35 Millionen Euro dabei von der Öffentlichen Hand kommen.

Bei der ersten Projektphase trägt 40 Prozent der Kosten der Bund, je 30 Prozent übernehmen Stadt und Land Salzburg. Im Jahr 2020 rechneten die Geldgeber auf Basis der Daten von 2019 mit Investitionen in der Höhe von knapp 263 Millionen Euro – hochvalorisiert auf 335 Millionen Euro. “Das war noch vor Corona, Ukraine-Krieg und der hohen Inflation”, betonte Crepaz. Allein von 2019 bis 2023 seien die Preise am Bau dann um 38 Prozent gestiegen. Darum habe man das Projekt in zwei Phasen geteilt und um 55 Millionen Euro redimensioniert. “Das war politisch so vereinbart.” “Sollte sich herausstellen, dass man sich die Phase zwei nicht leisten kann, muss man sie verschieben”, sagte der Kaufmännische Direktor.