“Figure of the Child” untersucht im mumok das Dahinter

17.06.2026 • 12:40 Uhr
"Figure of the Child" untersucht im mumok das Dahinter

Am Samstag läutet das mumok mit den beiden Ausstellungen “Terminal Piece” und “Figure of the Child” die Ära der seit Herbst amtierenden neuen Direktorin Fatima Hellberg ein. Bereits am Mittwoch gab es erste Einblicke in die kleinere der beiden Schauen: In den beiden Untergeschoßen hat die georgische Künstlerin Tolia Astakhishvili einen ungewöhnlichen Raum geschaffen, der den existenziellen Zustand des In-die-Welt-geworfen-Seins spürbar macht.

Die raumgreifende Installation “Figure of the Child” hebt dabei die Grenzen zwischen Kunst, Architektur und Museumsbesuchenden auf. Dafür hat Astakhishvili die Grenzen des Ausstellungsraums weit aufgerissen und lenkt den Blick hinter den White Cube der Museumsarchitektur. Den Arbeitsprozess der 1974 geborenen Georgierin, der hier die erste museale Einzelausstellung gewidmet ist, konnte man bereits seit einigen Wochen live mitverfolgen.

Aufhebung der Grenzen zwischen dem Davor und dem Dahinter

Unter dem Titel “Tolia Curriculum” wurden Workshops, Vorträge, Filmvorführungen, Lesungen und partizipativen Formate angeboten, bei denen der Künstlerin bei theoretischen und praktischen Vorarbeiten zur Ausstellung “Figure of the Child” über die Schulter geblickt werden konnte. Das Ergebnis macht diesen Work-in-progress-Zugang deutlich: Durch einen roten Tunnel betritt man einem Geburtsvorgang gleich die Schau, in der Blickachsen die Grenzen zwischen dem Davor und dem Dahinter aufheben.

Nackte Lüftungsschächte, aus denen düstere Sounds wabern, im Nichts endende Wasserrohre eines nachgebauten Badezimmers oder nur scheinbar stabile Säulen, die sich ihrer Tragfähigkeit widersetzen, stehen neben verwaisten Matratzen, leeren Medikamentenschachteln und Unmengen von Kronkorken. Dazwischen, in eigens gebauten Displays, finden sich Arbeiten aus der mumok-Sammlung, darunter von Künstlern wie Vito Acconci, Günter Brus oder Louise Lawler.

Reflexion über Behausungen

Mit ihrer Arbeit unternimmt Astakhishvili “eine Reflexion über Vorstellungen von Zuhause, Behausung und Zugehörigkeit”, wie Co-Kuratorin Manuela Ammer bei der Presseführung erläuterte. “Was zunächst wie ein bewohntes, provisorisches Gefüge erscheint, erweist sich als präzise komponierte Umgebung, in der jede Ecke, jeder Umweg und jede Spiegelung eine bewusste Setzung ist.”

Die Künstlerin, die stets mit dem jeweiligen Ort, dessen Geschichte und Spuren arbeitet, will “verstehen, was ein Raum enthält, bevor ich etwas hinzufüge”, wie sie selbst erklärte. Und so sind die Besuchenden angehalten, wieder die Perspektive eines Kindes einzunehmen, und sich die Geheimnisse dieser Schau zu erwandern.

(S E R V I C E – Ausstellung “Tolia Astakhishvili. Figure of a Child” im mumok, 20. Juni bis 1. November. )