Fitnessparcours am Friedhof beschäftigte auch den Landtag

Die jüngst am Meidlinger Friedhof installierten Fitnessgeräte waren am Freitag auch Thema im Wiener Landtag. Der für das Bestattungsgesetz zuständige Stadtrat Peter Hacker (SPÖ) betonte, dass es sinnvoll sei, sich mit der Nutzung von Friedhöfen zu beschäftigen. Dort würden immer weniger Begräbnisse stattfinden, gab er in der Fragestunde zu bedenken. Es spreche darum nichts dagegen, sich nun über eine weitere Entwicklung dieser Flächen Gedanken zu machen.
Er verwies darauf, dass schon jetzt verschiedene Aktivitäten auf den Friedhöfen angeboten würden – von Nachtwanderungen, Fremdenführungen bis hin zu Silent Discos oder Kutschenfahrten. Diesen Trend sehe man in vielen europäischen Städten. “Ich halte das für nachvollziehbar, dass die Verantwortlichen diese Flächen weiterentwickeln im Sinne einer urbanen Nutzung, ohne die Pietät zu stören.”
Hacker nicht moralisch echauffiert
Er wisse nicht, warum er sich hier “moralisch echauffieren” solle, sagte Hacker. Zugleich verwies er darauf, dass er für die städtischen Friedhöfe selbst nicht zuständig sei. Diese sind Teil der Wiener Stadtwerke, die in das Ressort seiner Amtskollegin Ulli Sima (SPÖ) fallen, die die Weiterentwicklung des Meidlinger Friedhofs kürzlich selbst präsentiert hat. Auf dem Areal wurden zahlreiche Bäume gepflanzt und ein Rundweg eröffnet. Ergänzend wurde ein “Silent-Fit-Bereich” mit Trainingsgeräten geschaffen.
FPÖ und ÖVP zeigten sich in der heutigen Sitzung wenig erfreut über das unmittelbar bei den Gräbern montierte Sport-Equipment. FPÖ-Mandatar Lukas Brucker befand: “Man fragt sich, was dieser Unsinn dort verloren hat.” Viele Friedhofsbesucher würden nur den Kopf schütteln. Der ÖVP-Abgeordnete Lorenz Mayer hielt fest: “Für uns bleibt klar: Friedhöfe sind Orte des Gedenkens, der Trauer und der Ruhe. Sie dürfen nicht Schritt für Schritt zu Freizeitflächen umfunktioniert werden.”
Hier werde etwas skandalisiert, das kein Skandal sei, befand hingegen Barbara Huemer von den Grünen. Dass die Toilettanlage am Meidlinger Friedhof gesperrt sei, sei ein viel größeres Problem, zeigte sie sich überzeugt.