Florentina Holzinger performt “Bodensee Étude”

09.07.2026 • 15:32 Uhr
Florentina Holzinger performt "Bodensee Étude"

Mit einer “Bodensee Étude” lässt Künstlerin Florentina Holzinger ihren Biennale-Beitrag “Seaworld Venice” nach Bregenz ausufern. Speziell für das Kunsthaus Bregenz (KUB) entwickelt, wird ihre Inszenierung von der Ökologie, den Mythen und Unterwasserwesen des Bodensees erzählen, aber auch von seiner Infrastruktur. “Hier sein zu können, ist ein feuchter Traum”, so Holzinger bei einer Pressekonferenz am Donnerstag und verriet zur Performance, man entwerfe ein “Bergungsszenario”.

“Wir machen uns jetzt unsere eigene Legende”, sagte Holzinger. Sie und ihr Team hätten sich sehr spezifisch mit dem Ort beschäftigt. Der Bodensee sei Glazialsee, habe große Tiefe, viel Infrastruktur, sei aber auch Schiffsfriedhof. Recherchen förderten einiges zu ihrem schon aus Venedig bekannten “Glockenthema” zutage: Inspiration waren bei der Konzeption Geschichten um den Bodensee von versunkenen Städten, deren Glocken zeitweise noch zu hören sind, und von warnenden Nebelglocken. Unterwasserglocken zu finden und zu bergen – das geht nicht ohne Maschinerie. Eine Rolle spielen werden zudem weibliche Unterwasserwesen, die sich ihren Lebensraum mit Zivilisationsmüll teilen müssen und in deren Legenden sich patriarchale Strukturen widerspiegelten.

40 Minuten lange, frei zugängliche Komposition

Angekündigt ist die Bregenzer Performance als “Komposition für vier Schlagzeuger*innen, zehn Performer*innen, einen Kran und eine Glocke”. Das Publikum kann die etwa 40-minütige Inszenierung von den Sunset Stufen des Molo in den Seeanlagen bei freiem Eintritt – aber begrenzten Plätzen – verfolgen. Dass die “Bodensee Étude” frei zugänglich sei, sei etwas Besonderes und “eine Möglichkeit, Venedig-Themen in die freie Natur zu bringen”, heraus aus dem artifiziellen Ambiente der Biennale. Mit Badenden, am See Arbeitenden, der Natur und dem Wetter gebe es viele Elemente, die sich in die Performance einfügten. “Da fragt man sich: Sind sie Teil davon oder nicht? Das sind sie natürlich – aber der unberechenbare Teil”, erklärte Holzinger, die hoffte, “dass am Samstag alles gut mitspielt”.

“Die Übung ist das wirklich Interessante an der Praxis”, befand die Künstlerin, Tänzerin und Choreografin auf die Frage, warum sie ihre Aktionen mit dem aus der Musik stammenden Begriff der “Étude” bezeichnet. Und zu üben gebe es eben immer etwas, das entspreche der künstlerischen Realität. So übe man hier, vom Boden wegzukommen, aber eben auch den Fall. Es handle sich um eine “groß angelegte Komposition” aus Akustik, Elektronik, Maschinerie und Körper. Sie begreife den Körper als Instrument: “Er ist da, um die Pauke zu schlagen.” Körper und Objekte werden in ihrer Inszenierung ins Wasser tauchen und transformiert daraus emporsteigen, begleitet von von Plattformen kommenden Trommelklängen.

Holzinger: “Natürlich der Bodensee!”

Die Idee zur “Bodensee Étude” war “binnen 20 Sekunden klar”, so Holzinger über ein Telefonat mit KUB-Direktor Thomas D. Trummer. In Vorbereitung auf Venedig habe sie “an viele Türen geklopft”, bei Trummer fand sie offenbar gleich ein offenes Ohr. Eine Indooraktion habe man rasch verworfen, denn: “Natürlich der Bodensee! Ihr habt den ja hier vor der Haustür”, erklärte Holzinger. “Das Wasser war gleich ein Thema”, bestätigte Trummer. Beide Seiten lobten einander für präzise Vorbereitung und Zusammenarbeit, die es ermögliche, “schwere und schwierige Dinge” zu bewerkstelligen. Was das Wetter angeht, spürte die Künstlerin “dass wir hier Glück haben werden”.

(S E R V I C E – “Bodensee Étude” von Florentina Holzinger, 11. Juli, 18 Uhr, Sunset Stufen des Molo der Bregenzer Seeanlagen. Bei schlechten Witterungsverhältnissen kann sich der Beginn bis spätestens 20 Uhr verschieben. Eintritt frei bei begrenzten Plätzen, keine Reservierungsmöglichkeit, Dauer ca. 40 Minuten. Die Performance findet einmalig statt.)