Friseure fordern Umsatzsteuer-Halbierung

Angesichts sinkender Lehrlingszahlen und realer Umsatzverluste schlagen die Friseurinnen und Friseure Alarm: Um die arbeitsintensive Branche zu entlasten, fordern die Branchenvertreter von der Politik eine Senkung der Mehrwertsteuer auf 10 Prozent sowie die Sicherung der Lehrlingsförderung. Nach Angaben der Bundesinnung der Friseure ist die Zahl der unselbstständig Beschäftigten in der Branche seit dem Jahr 2010 um ein Viertel auf zuletzt 15.534 gesunken.
Bei den Lehrlingen verzeichnete man im selben Zeitraum sogar ein Minus von 57 Prozent auf 2.203, berichtete Innungsmeister Wolfgang Eder am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. Gleichzeitig stieg die Zahl der aktiven Mitgliedsbetriebe um 47 Prozent auf 10.415, was vor allem auf den Zuwachs bei Ein-Personen-Unternehmen (EPU) zurückgeführt wird. Der EPU-Anteil liegt bei Friseuren mittlerweile bei 57,8 Prozent. Im Jahr 2025 verzeichnete die Branche einen realen Umsatzrückgang von 3,4 Prozent. Im ersten Quartal 2026 meldeten zudem 33 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge.
Als größte Herausforderungen nennen die Betriebe Steuern und Abgaben (60 Prozent), gefolgt von Preissteigerungen bei Material und Energie. Innungsmeister Eder betonte, dass über 85 Prozent der Kosten in Friseurbetrieben auf den Faktor Arbeit entfallen würden. Um dem wirtschaftlichen Druck entgegenzuwirken, fordert die Bundesinnung, die Umsatzsteuer von 20 auf 10 Prozent zu halbieren. Eine EU-Richtlinie erlaube reduzierte Steuersätze für derartig personalintensive Dienstleistungen bereits ausdrücklich, wie es auch in anderen EU-Staaten schon praktiziert werde.
Schätzung: Ein Fünftel Schwarzarbeit
Laut Berechnungen der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) würden sich die Netto-Steuerausfälle für den Staat nach Refinanzierungseffekten auf 25,3 Mio. Euro belaufen. Eine Steuersenkung würde nämlich auch den Pfusch maßgeblich eindämmen, wird argumentiert. Im Jahr 2022 wurde laut Schätzungen in der Friseurbranche jeder fünfte Euro – insgesamt 205,5 Mio. Euro – schwarz erwirtschaftet. Die GAW geht davon aus, dass durch den niedrigeren Steuersatz rund 9,9 Mio. Euro in die offizielle Wirtschaft verlagert werden könnten.
Rückhalt für die steuerliche Maßnahme gebe es auch aus der Bevölkerung, sagen die Friseure und untermauern das mit einer aktuellen Umfrage des Market-Instituts. Demnach würden 60 Prozent der Befragten eine Umsatzsteuersenkung befürworten. 35 Prozent gaben zudem an, dass sie im Falle einer Steuersenkung häufiger zum Friseur gehen würden. Neben der steuerlichen Entlastung pocht die Innung auch auf die Lehrlingsförderung: Deren staatlicher Budgettopf sei seit 2022 mit 280 Mio. Euro gedeckelt und müsse dringend an die Inflation und die gestiegenen Lehrlingseinkommen angepasst werden.