Frühjahreslohnrunde – Erstes Treffen brachte keine Einigung

Die erste Runde der Kollektivvertragsverhandlungen 2026 für die 60.000 Beschäftigten der Elektro- und Elektronikindustrie ist am Donnerstagnachmittag nach rund dreieinhalb Stunden erwartungsgemäß ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Am 9. April wird weiter gefeilscht. Eine konkrete Lohn- und Gehaltsforderung wurde von den Gewerkschaften PRO-GE und GPA noch nicht auf den Tisch gelegt. Die Arbeitgeberseite FEEI verwies “auf die seit Jahren herausfordernde wirtschaftliche Lage”.
Von Juli 2023 bis Oktober 2025 wurden demnach bereits über 2.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgebaut. “Aktuelle geopolitische Entwicklungen sorgen zusätzlich für Unsicherheiten”, hieß es vom Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI). Verbunden wurde dies nach den heutigen Gesprächen in Wien mit der Forderung nach einem “moderaten Abschluss”.
Gewerkschaften: Es geht ums Geld
Die Arbeitnehmervertreter meinten hingegen nach der KV-Runde: “Die Industrie-Konjunktur hellt sich auf, gerade in der innovativen Elektro- und Elektronikindustrie gibt es sehr erfreuliche Ergebnisse.” Gleichzeitig würden die Folgen der Teuerungskrise die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach wie vor belasten. Die Verhandlungsleiter der Gewerkschaften, Reinhold Binder (PRO-GE) und Eva Scherz (GPA), betonten daher, Lohn- und Gehaltserhöhungen würden heuer “im Fokus stehen”. “Es geht vor allem ums Geld”, meinten sie.
Neben den Erhöhungen von Löhnen, Gehältern und Lehrlingseinkommen fordern die Gewerkschaften, dass die Zulage für die zweite Schicht auf 1,50 Euro pro Stunde und für die dritte Schicht auf fünf Euro pro Stunde steigen. “Zudem stehen unter anderem ein zusätzliche Pflegefreistellung für Eltern von Kindern mit Behinderung sowie eine leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche auf dem Forderungsprogramm”, hieß es von der Arbeitnehmerseite.
Fünf Verhandlungsrunden 2025
Im Vorjahr waren fünf Verhandlungsrunden für eine KV-Einigung notwendig. Die KV-Löhne und Mindestgrundgehälter wurden um drei Prozent erhöht. Die Ist-Löhne bzw. -Gehälter stiegen um 2,75 Prozent bzw. maximal 115 Euro. Die Basis der Verhandlungen war die Teuerung der vergangenen zwölf Monate (“rollierende Inflation”) von 2,76 Prozent. Die Arbeitgeberseite war mit einem Angebot von 1,5 Prozent in die KV-Verhandlungen gegangen. Die Elektro- und Elektronikindustrie ist der drittgrößte Industriezweig des Landes und umfasst rund 300 Unternehmen mit einem Produktionswert von 24 Mrd. Euro.
In den nächsten Wochen beginnt dann das Feilschen um den KV 2026 in der chemischen Industrie sowie der Glas-, Papier-und Textilindustrie. Während in der Elektroindustrie heute der Startschuss für die KV-Verhandlungen fiel, wird in anderen Bereichen bereits eifrig am Kollektivvertrag für 2026 verhandelt. So brachte diese Woche die zweite KV-Runde für die Speditions- und Lagerarbeiter kein Ergebnis. Sehr zäh läuft es in der IT-Branche, wo es bisher sechs ergebnislose Runden gab.
Gastro-KV: Verhältnis weiter unterkühlt
Und es knirscht auch kräftig beim Gastronomie-KV. Hier sollten eigentlich schon die Verhandlungen laufen, allerdings hatte harsche Kritik der Gewerkschaft vida im Vorfeld die Arbeitgeber derart erzürnt, dass es noch kein Zusammenkommen gab. Laut APA-Informationen warten die Arbeitgebervertreter weiter auf kalmierende Worte der Gewerkschaft, deren Chef Roman Hebenstreit noch vor Verhandlungsstart aus deren Sicht allzu hart ausgeteilt hatte. Gefordert worden war eine Entschuldigung des Gewerkschafters.