Geheimmission Zauberflöte: Tolle Sache statt der Hölle Rache

10.10.2026 • 14:06 Uhr
Geheimmission Zauberflöte: Tolle Sache statt der Hölle Rache

“Die Zauberflöte” gilt ja traditionell als ein geeignetes Werk, um potenzielle Nachwuchsopernfans ans Genre heranzuführen – obgleich das fragmentarische und metaphernreiche Stück im Kern dafür eigentlich wenig geeignet ist. Nicht so bei der “Geheimmission Zauberflöte” in der Wiener Staatsoper, der neuen Wanderoper für Kinder von Nina Blum. Neben Nasenpopeln und Pompons ist die bearbeitete Fassung des Mozart-Werks ein echter Einstieg für kleine Musikfreunde in die Opernwelt.

Nach der “Serail”-Paraphrase “Die Entführung ins Zauberreich” und dem adaptierten “Holländer” “Das verfluchte Geisterschiff” ist “Geheimmission Zauberflöte” bereits die dritte Arbeit von Theatermacherin Nina Blum fürs Haus am Ring. Und erneut gelingt der 53-Jährigen die Gratwanderung zwischen kindergerechtem Spaß, neckischem Klamauk und soliden Opernarien, die dem Ausgangswerk ihren echten Respekt erweisen.

Charmante Kammerfassung inklusive Falco und Taylor Swift

Musikalisch hat sich erneut Stammpartner Gerald Resch die Mozart-Klänge vorgenommen und aus der “Zauberflöte” eine charmante Kammerfassung mit einem Best-of der Arien in geschickt gekürzten Versionen erarbeitet, in die auch mal Taylor Swift oder Falco eingeflochten werden. Dabei setzt man wieder gekonnt auf die unerschütterliche Mitmachbereitschaft des kürzer gewachsenen Publikums, das die Vogelfänger-Arie mitsingt, die zwei Raben (anstelle der drei Knaben) gemeinsam ruft oder den Sonnenherrscher Sarastro inklusive Pompons mit herbei rappt.

Dass die kleinen Opernfans in spe hier mitziehen, liegt nicht zuletzt an der unmittelbaren Nähe zu den Akteuren, denen die Einbindung ihres Publikums gelingt. Dafür versammelt Regisseurin Blum einen Haufen schräger Vögel, mit denen die versammelte Kinderschar samt gereifterem Anhang durch die Staatsoper zieht. Patrizia Leitsoni ist ein neckischer Vogel und – so viel sei als Spoiler an der Stelle verraten – eine spätere Papagena, der Daniel Ogris als tollpatschiger Papageno gegenübersteht. Hiroshi Amako als Tamino bildet mit Grace Murphy als tougher Pamina das stimmlich bedeutend besser ausgestattete Gegenpaar. Und – so mancher hat es bei der Textexegese schon immer vermutet -: Die Königin der Nacht (Ilia Staple) und Sarastro (Evgeny Solodovnikov) haben am Ende auch was miteinander. Ein Paar wie Tag und Nacht.

Panscherlparade und Föhnfrisur

Bis es zur großen Panscherlparade am Ende kommt, sind aber noch Fragen zu klären wie: Welcher Nasenpopel verbirgt sich im Kelch der Tapferkeit? Wer trägt eine “gschisti-gschasti Föhnfrisur”? Und wer sind Isis und Osissi?

“Geheimmission Zauberflöte” richtet sich an etwas jüngere Musiktheaterhörer als dies bei Wagners düstererem “Geheimnisvollem Zauberschiff” der Fall war. Für diese Missionsteilnehmer heißt es am Ende: Tolle Sache, statt der Hölle Rache.

(Von Martin Fichter-Wöß/APA)

(S E R V I C E – “Geheimmission Zauberflöte” von Wolfgang Amadeus Mozart und Gerald Resch an der Staatsoper, Dirigent: Stephen Hopkins, Konzept & Inszenierung: Nina Blum, Bühne & Raumkonzept: Marcus Ganser, Kostüme: Ágnes Hamvas. Mit Sarastro – Evgeny Solodovnikov, Königin der Nacht – Ilia Staple, Tamino – Hiroshi Amako, Pamina – Grace Murphy, Papageno – Daniel Ogris, Vogel – Patrizia Leitsoni. 26 weitere Termine bis 6. Jänner. )