Gewaltschutz an Klinik in Tirol am Limit
Zwei Jahre nach der Gründung des Kompetenzzentrums Gewaltambulanz an der Innsbrucker Klinik sind die dortigen Strukturen offenbar bereits am Limit angelangt. Seit der Eröffnung wurden 800 Patienten betreut, heuer waren es bereits 200 – ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. “Die personellen Ressourcen sind hingegen nicht gestiegen”, bemängelte Pflegeleiter Patrick Zechner anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Gewaltschutzprojekts “Dr. Viola”.
Man sei dahingehend “am Plateau angelangt”, meinte Zechner bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Dreiviertel der Betroffenen seien Frauen. Patientinnen und Patienten können das Angebot kostenlos und anonym nutzen. Häufig werde Gewalt erst im Zuge einer medizinischen Behandlung erkannt, bei rund 30 Prozent der Betroffenen werde das Erfahren von Gewalt als Nebenbefund festgestellt. Mit dem Codewort “Dr. Viola” können Betroffene vermitteln, dass ihnen Gewalt widerfahren ist. Bis zur Entstehung der Gewaltambulanz 2024 wurde es rund 70 Mal verwendet.
Die Auswirkungen der knappen personellen Ressourcen seien offenbar mannigfaltig: “Da geht es um die Betreuung der Gewaltschutzbeauftragten, die wir nicht so adäquat durchführen können, wie wir wollen”, erklärte Zechner vom Kompetenzzentrum Gewaltambulanz. Gemeint seien rund 50 geschulte und sensibilisierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch außerhalb der Klinik bei den Systempartnern, wie Pflegeleiterin Anna Pfeifer, ebenfalls vom Kompetenzzentrum Gewaltambulanz, erklärte. Diese würden das Personal an mehreren Tiroler Krankenhäusern unterstützen. Hierzu finde noch ein Lehrgang statt – dann sei das Projekt beendet, “neue Gelder müssen erst aufgestellt werden.”
“Müssen Überstunden machen”
Doch auch bei der Patientenversorgung vor Ort seien die personellen Ressourcen spürbar, ergänzte Zechner: “Wir lehnen natürlich niemanden ab, aber es müssen Überstunden gemacht werden. Wir brauchen personelle Ressourcen, um die Qualität auch über die nächsten fünf Jahre zu erhalten.” Eine besondere Rolle spiele auch die Betreuung vor Ort: “Vor allem wenn die Zahl der ,Walk-in-Patienten’, so wie es derzeit die Tendenz ist, größer wird, braucht man mehr Personal vor Ort. Wir müssen ja jetzt schon teilweise hin- und herspringen.” Mit “Walk-in-Patienten” seien jene Personen gemeint, die nicht von einer anderen Abteilung geschickt werden, sondern vom niedergelassenen Bereich oder von selbst kommen.
“Ich weiß nicht, ob es der richtige Weg ist, einen fixen Betrag zu nennen. Wenn wir merken, dass 30 Prozent mehr Betroffene als im Vorjahr versorgt werden, muss man sich anschauen, was es braucht”, erklärte indes die ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesende Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP) hinsichtlich der Finanzierung bzw. den offensichtlichen Personalengpässen. Doch die Landesrätin stellte klar: “Solange Gewalt ein gesellschaftliches Problem bleibt, wird das Land Tirol gezielt in wirksame Schutz- und Präventionsangebote wie diese investieren.” Angesprochen auf das kürzlich beendete Projekt “Frag nach Luisa” – ein Gewaltschutzprojekt an verschiedenen Orten wie Lokalen oder Schwimmbädern – müsse sie sich für Details und nähere Auskünfte erst intern absprechen.