Greenpeace kritisiert Klimastudie der Wirtschaftskammer

04.11.2026 • 13:42 Uhr

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat eine im Oktober von der Wirtschaftskammer (WKÖ) veröffentlichte Studie zu den Folgen der in Österreich anvisierten Klimaneutralität bis 2040 scharf kritisiert. Die WKÖ hatte vor einer massiven Verteuerung der Spritpreise gewarnt. Greenpeace sieht mit der Studie die “Grundlagen seriöser Wissenschaft” verletzt und will die vollständige Veröffentlichung einklagen. Studienautor Christian Helmenstein wies die Vorwürfe zurück.

“Was die WKO als wissenschaftliche Studie verkauft, ist in Wahrheit eine 14-seitige Foliensammlung ohne nachvollziehbare methodische Substanz. Für Greenpeace ist es ein Skandal, dass WKO-Generalsekretär Danninger mit einer derart unhaltbaren Studie Stimmung gegen den Klimaschutz macht und die Grundlagen der Berechnung wie ein Staatsgeheimnis unter Verschluss hält”, so der Programmdirektor bei Greenpeace Österreich, Adam Pawloff, am Mittwoch in einer Aussendung.

Die Wirtschaftskammer sah im geplanten Erneuerbare-Energien-Gesetz-Verkehr (EEG-V) eine Übererfüllung von EU-Vorgaben, die Studie prognostizierte eine Verteuerung bei Diesel um bis zu 95 Cent pro Liter bis 2035. WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger kritisierte “massives Goldplating”. Viele Medien griffen die Geschichte auf.

Greenpeace will Veröffentlichung der vollständigen Studie einklagen

Durchgeführt wurde die Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer vom Economica Institut unter der Leitung des Chefökonomen der Industriellenvereinigung, Christian Helmenstein. Die Wirtschaftskammer und das Economica Institut hätten die vollständige Veröffentlichung der Studie unter Verweis auf “vertrauliche Unternehmensdaten” verweigert, Greenpeace will die Herausgabe deshalb rechtlich über das Umweltinformationsgesetz und das Informationsfreiheitsgesetz erzwingen.

Studienautor Christian Helmenstein vom Economica Institut wies die Greenpeace-Vorwürfe in einer Stellungnahme am Mittwoch zurück. Die Untersuchung umfasse vier Module, von denen zwei fertiggestellt und präsentiert worden seien. “Sobald die Arbeit an den weiteren Modulen abgeschlossen wurde, wird die vollständige Langfassung der Studie, wie bereits bei der Pressekonferenz avisiert, selbstverständlich zur Verfügung stehen”, so Helmenstein. Dass die Herausgabe der Studie verweigert worden sei, sei von Greenpeace “wider besseren Wissens frei erfunden” worden.

Ökonomen kritisieren methodische Mängel

Greenpeace verwies in der Aussendung auch auf einen Kommentar der Wirtschaftswissenschafterin Sigrid Stagl von der Wirtschaftsuniversität Wien und des Wirtschaftswissenschafters Karl Steininger von der Universität Graz in der Mittwochausgabe der Tageszeitung “Die Presse”. “Was die Wirtschaftskammer als Studie präsentiert, sind 14 Präsentationsfolien. Kein Methodenteil, keine Elastizitäten, keine Sensitivitätsanalyse”, kritisierten die Forschenden die Analyse des Economica Instituts im Auftrag der Wirtschaftskammer. Die wichtigste Annahme der Berechnungen, die Entwicklung der Kraftstoffe, sei nicht überprüfbar, weil sie auf Unternehmensprognosen basiere, deren Kalkulation Geschäftsgeheimnis sei.

Rückenwind bekommt Greenpeace auch von den Grünen. “Mit ihrer rückwärtsgewandten Haltung gefährdet die Wirtschaftskammer die Zukunft des österreichischen Wirtschaftsstandorts”, sagte Energiesprecher Lukas Hammer laut Aussendung am Mittwoch. Die Grünen unterstützen die Forderung von Greenpeace nach vollständiger Offenlegung der Studie und ihrer Berechnungsgrundlagen und fordern auch Transparenz bei Auftrag, Kosten und Finanzierung der Studie.