Trotz Online-Aufrufen: Kein neuer Ansturm auf Ceuta
Befürchtungen eines neuen Migrantenansturms auf die spanische Nordafrikaexklave Ceuta haben sich am Samstag nicht erfüllt. Trotz Aufrufen in sozialen Netzwerken zu einer Wiederholung des massenhaften Grenzübertritts von Ende Juli war die Lage an der Grenze und in der Exklave eher ruhig. Im Norden Marokkos wurden jedoch fast 300 Migranten festgenommen. Die Behörde sprach von einer “Routinemaßnahme zur Verhinderung von Versuchen der irregulären Migration” in Richtung Ceuta.
294 Menschen, die meisten von ihnen Bürger aus Ländern südlich der Sahara, seien am Samstag nahe der Grenze zu Ceuta von marokkanischen Sicherheitskräften abgefangen worden, berichtete das Nachrichtenportal “Le360”. Die Migranten wurden auf einem bewaldeten Hügel oberhalb der Stadt Fnideq aufgegriffen.
Die marokkanischen Behörden hatten am Mittwoch angesichts von Falschmeldungen im Internet Maßnahmen angekündigt, um zu verhindern, dass erneut größere Gruppen von Migranten versuchen, nach Ceuta zu gelangen. In den online verbreiteten Beiträgen wurde das Gerücht verbreitet, dass die Grenze nach Ceuta am Samstag geöffnet werde.
Laut den Portalen “Le360” und “Hespress” wurden in den vergangenen Tagen in Marokko mehr als 60 Menschen festgenommen hätten, denen vorgeworfen wird, in Onlinenetzwerken “zur irregulären Migration anzustiften oder diese zu fördern”.
Agentur EFE: Marokkanische Polizei setzte Tränengas ein
Die spanische Nachrichtenagentur EFE meldete, die marokkanische Polizei habe Tränengas eingesetzt, um Gruppen von Migranten in den Hügeln rund drei Kilometer vor der Grenze zu zerstreuen. Zudem wies das marokkanische Innenministerium EFE und dem spanischen Staatssender TVE zufolge deren Journalisten an, die marokkanische Grenzstadt Fnideq umgehend zu verlassen.
Auf der spanischen Seite patrouillierte die Polizei in den Straßen von Ceuta. Die Regierung in Madrid hat eine Seebarriere errichtet und mehr als 500 zusätzliche Polizisten vom Festland verlegt. Damit stieg die Gesamtzahl der Einsatzkräfte in der Exklave auf über 1600. “Wir werden weiterhin das nötige Personal einsetzen, um so schnell wie möglich die Normalität wiederherzustellen und zu verhindern, dass sich die Ereignisse vom 30. Juli wiederholen”, sagte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Donnerstag. Migranten ohne Aufenthaltsrecht würden nach Marokko zurückgewiesen.
Spanischer Minister: Massenansturm wird sich nicht wiederholen
Mit der Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen wollten die Behörden beider Länder verhindern, dass sich die Ereignisse von Ende Juli wiederholen, als nach verschiedenen Schätzungen bis zu 80.000 Migranten nach Ceuta gelangten. Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska betonte dieser Tage erneut, die damalige Massenankunft sei ein “außergewöhnliches” Ereignis gewesen, das sich nicht wiederholen werde.
Vor wenigen Tagen hatte das Innenministerium in Marokko mitgeteilt, man habe eine Gruppe von Menschen festgenommen, die im Verdacht stehen, zu neuen Versuchen der illegalen Einreise in die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla angestiftet zu haben. In sozialen Medien kursierten Aufrufe zu gemeinsamen Massenüberquerungen am 15. August.
Stacheldraht, Wasserwerfer und Patrouillenboote
Marokkanische Sicherheitskräfte waren Augenzeugen zufolge rund um Ceuta und Melilla massiv präsent und verhinderten mögliche Grenzübertritte bereits im Vorfeld. Hunderte Migranten, darunter viele aus Ländern südlich der Sahara, wurden nahe der rund 20 Kilometer von Ceuta entfernten Grenzstadt Fnideq gestoppt und an einem Überquerungsversuch gehindert. Nach Angaben des Innenministeriums in Rabat wurden am Samstag zudem 111 Migranten ohne gültige Papiere festgenommen.
Marokko hatte seine Sicherheitsvorkehrungen in den vergangenen Tagen deutlich verstärkt. In Fnideq wurden laut RTVE zusätzliche Sperren aus Stacheldraht und NATO-Draht errichtet. Patrouillenboote überwachen die Küste, Wasserwerfer stehen an der Grenze bereit. Zudem wurden auf den Zufahrtsstraßen zahlreiche Kontrollstellen eingerichtet.
Auch Spanien hatte die Sicherheitsvorkehrungen angesichts der Befürchtungen erhöht. In Ceuta sind inzwischen 880 Beamte der Nationalpolizei im Einsatz – 270 mehr als noch Ende Juli. Unterstützt werden sie von rund 2.000 Soldaten und etwa 700 Beamten der Guardia Civil.
Rückkehr zur Normalität braucht Zeit
Der Ansturm vor rund zwei Wochen war beispiellos. Vor allem am 30. Juli waren Zehntausende Migranten meist schwimmend nach Ceuta gelangt. Bei dem Versuch kamen Dutzende ums Leben: Nach der jüngsten offiziellen Mitteilung Madrids wurden im Meer 83 Leichen geborgen, Nichtregierungsorganisationen schätzen die Zahl der Todesopfer auf weit über hundert.
Die meisten Ankömmlinge kehrten nach Angaben der spanischen Regierung innerhalb weniger Stunden oder Tage nach Marokko zurück. Nach Angaben von Minister Grande-Marlaska halten sich derzeit noch rund 5.000 Migranten in Ceuta auf. Es werde noch etwas Zeit dauern, bis man zur totalen Normalität zurückkehrt, räumte er ein.