Grüne in Herbstkampagne als “einzige Alternative” zur FPÖ

22.09.2026 • 17:55 Uhr
Grüne in Herbstkampagne als "einzige Alternative" zur FPÖ

Die Grünen haben am Dienstag ihre Herbstkampagne gestartet, in der sie sich als “die einzige Alternative” zu einer Machtübernahme der FPÖ präsentieren. In einer Rede im Wiener Marx-Palast stimmte Bundessprecherin Leonore Gewessler die Partei darauf ein. Man werde den Menschen zuhören und verhindern, dass mit den Freiheitlichen die “Partei des kleinen Herzens” das Bundeskanzleramt erobere, sagte sie: “Wir werden dieses weltoffene Lager anführen in dieser Auseinandersetzung.”

Die Grünen seien die einzigen, “die das Schlimmste verhindern wollen und für das Beste kämpfen”, rief sie in Richtung der neu in dunkelgrüne Jacken eingekleideten Parteiunterstützer, die nun fünf Wochen lang auf Hausbesuche gehen sollen. “Die Menschen erwarten sich eine Politik, die sie sieht und die für sie kämpft, für sie da ist”, meinte sie weiter und erinnerte an den Widerstand gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf und die Au-Zerstörung in Hainburg.

“Gewaltbereite Typen” und “Maulhelden”

Damals hätten sich die Grünen gegründet, weil es eine Alternative gebraucht habe. Nun könne man sagen: “Wir sind die einzige Alternative.” Denn die Bundesregierung habe sich offensichtlich dem vermeintlichen Schicksal ergeben, dass “Maulhelden” und “ein paar gewaltbereite Typen” ins Kanzleramt einziehen würden; sie “verwaltet den Niedergang”.

Dass die FPÖ hier so sehr profitiere, sah Gewessler auch in der “Epidemie der Einsamkeit” begründet, in der die Menschen immer mehr allein blieben und sich nicht gehört fühlten. Schon Hannah Arendt habe gesagt, dass Menschen nicht aus Hass empfänglich für Verführer seien, sondern weil sie sich verlassen fühlten. Die Antwort sei es, miteinander zu reden und sich in die Schuhe des anderen zu stellen, und genau das würden die Grünen nun tun.

“Da ist Feuer am Dach”

Ähnlich hatte sich Gewessler zuvor schon im APA-Interview geäußert. Nach den jüngsten Wahlergebnissen in Deutschland sei nun klar: “Da ist Feuer am Dach, und genau dem etwas entgegenzusetzen, das ist unser Auftrag.” Als Grüne sage sie: “Ja, diese Verantwortung übernehme ich, dass dieses Land nicht einfach kampflos Herbert Kickl und seinem offenbar gewaltbereiten Umfeld überlassen wird.”

Vom steigenden Umfragezuspruch für die FPÖ, während die Werte der Grünen zwar ebenfalls steigen, sie aber weiterhin auf Platz vier hinter der SPÖ liegen, zeigt sich Gewessler nicht entmutigt. “Wir sind jetzt schon 50 Prozent über unserem Wahlergebnis vom letzten Mal, und ich will da auch nicht stehen bleiben”, betonte sie. Tatsächlich weist der aktuelle APA-Wahltrend den Grünen derzeit 12,9 Prozent in den Umfragen aus, nach 8,2 bei der Wahl 2024. Die FPÖ erreichte damals 28,9 Prozent, kam in einer Umfrage Anfang September aber schon auf 39 Prozent.

“Weltoffene und mutige Politik”

Aus Sicht der Grünen-Chefin geht es darum, “weltoffene und mutige Politik wieder nach vorne zu bringen”. Die Gegensätze sind aus ihrer Sicht klar: Die Grünen wollten die Freiheit verteidigen, während die Kickl-FPÖ die liberale Demokratie und freie Medien zerstören wolle. Beim Thema Schutz und Sicherheit für Frauen sei es die FPÖ, die Nein zu “Nur Ja heißt Ja” sage, ebenso wie bei günstigem Strom aus der Heimat. “Die FPÖ hat null Interesse, irgendwelche Probleme zu lösen, weil wenn die Probleme groß sind, dann geht es den Umfragen der FPÖ gut”, so ihr Fazit.

Darüber, wann tatsächlich gewählt wird und ob die Regierung bis 2029 durchhält, wollte Gewessler nicht spekulieren; ebenso wenig wie über die Frage, in welcher Koalitionsvariante sich die Grünen eine künftige Regierungsbeteiligung gegen die FPÖ vorstellen können. “Ich glaube, dass die Menschen in diesem Land gerade ziemlich genug haben von Politik, die nur in Taktiererei und in Strategie- und Planspielen denkt. Sie wollen eine Politik, die sie sieht und die etwas mit ihrem Alltag zu tun hat”, sagte sie.