Grünes Licht für TGV auf Italiens Hochgeschwindigkeitsnetz
Die italienische Wettbewerbsbehörde hat den Weg für einen dritten Anbieter in Italiens Bahn-Hochgeschwindigkeitsverkehr freigemacht: Die französische Staatsbahn SNCF darf künftig mit ihren doppelstöckigen TGV Duplex-Zügen auf dem italienischen Bahnnetz verkehren. Mit dem Schritt soll der Wettbewerb auf dem rentablen italienischen Hochgeschwindigkeitsmarkt weiter gestärkt werden.
Bisher verkehren auf dem italienischen Hochgeschwindigkeitsnetz die staatliche Trenitalia-Gesellschaft sowie der private Anbieter Italo. Der Start des neuen TGV-Angebots ist für September 2027 vorgesehen. SNCF äußert jedoch Zweifel an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Dienstes.
Bessere Dienstleistungen dank stärkerer Konkurrenz erwartet
Die Wettbewerbsbehörde bezeichnete ihren Beschluss als “entscheidenden Schritt für den italienischen Hochgeschwindigkeitsmarkt”. Durch den Eintritt eines dritten Betreibers werde mehr Wettbewerb ermöglicht und neue Chancen für bessere Dienstleistungen, höhere Qualität und größere Wettbewerbsfähigkeit zugunsten der Fahrgäste eröffnet.
Eine Prüfung durch die Wettbewerbsbehörde war im März 2025 eingeleitet worden, um einen mutmaßlichen “Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung” zu prüfen. Im Mittelpunkt standen die Kriterien, nach denen die italienische Bahnnetzgesellschaft RFI, die wie Trenitalia unter Kontrolle der italienischen Staatsbahnen FS (Ferrovie dello Stato) steht, Trassenkapazitäten im Hochgeschwindigkeitsnetz vergibt – Verfahren, die den Zugang zur nationalen Eisenbahninfrastruktur und damit den Markteintritt neuer Betreiber erschweren könnten.
SNCF soll ein Mindestpaket von 18 Zeitfenstern erhalten
Die nun beschlossenen Verpflichtungen bringen laut Behörde “erhebliche Änderungen” mit sich. So wird RFI der SNCF ein Mindestpaket von 18 Zeitfenstern auf den Hochgeschwindigkeitsachsen Turin-Mailand-Rom bzw. Turin-Mailand-Venedig zuweisen und deren Stabilität für zehn Jahre garantieren. Diese Maßnahme soll den Markteintritt des neuen Betreibers effektiv und wirtschaftlich tragfähig machen.
Nach Einschätzung von SNCF stellt die Entscheidung zwar “einen Fortschritt” dar, reicht jedoch nicht aus, um den gesamten Industrieplan umzusetzen. Dieser sieht insgesamt 13 tägliche Hin- und Rückfahrten vor: neun zwischen Turin und Neapel sowie vier zwischen Turin und Venedig. Ohne dieses Mindestniveau verfüge das Unternehmen nicht über die notwendigen Voraussetzungen, um die Investitionen zu rechtfertigen und den Betrieb aufzunehmen. Daher sei es entscheidend, dass der Infrastrukturbetreiber die zusätzlichen Verpflichtungen rasch umsetzt und die Kriterien für die Trassenvergabe weiterentwickelt, um der SNCF kurzfristig Zugang zu weiteren benötigten Zeitfenstern zu sichern, teilte die französische Bahngesellschaft mit.
Eine weitere unverzichtbare Voraussetzung für das neue Angebot sei die Gewissheit, Wartungsanlagen in Italien nutzen zu können sowie die Zulassung der Züge zu erhalten. In diesen Bereichen sei Unterstützung des gesamten Systems wünschenswert, erklärte der französische Konzern.