Haus der Geschichte Österreich bekommt neue Leiterin
Die 1974 in Innsbruck geborene Historikerin Mirjam Zadoff, seit 2018 Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, übernimmt ab 1. März 2027 die Leitung des Hauses der Geschichte Österreich (hdgö). Das wurde am Dienstag von der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB), in der das hdgö strukturell eingeordnet ist, bekanntgegeben. Zadoff folgt damit der Gründungsdirektorin Monika Sommer nach.
Laut Aussendung hatten sich insgesamt zwölf Personen beworben, davon sieben Frauen. Zehn Bewerbungen kamen aus Österreich, zwei aus dem Ausland. “Mirjam Zadoff überzeugt als erfahrene, international renommierte und vielfach ausgezeichnete Kulturmanagerin und promovierte Historikerin mit einem Feuerwerk an innovativen Ideen. Unter ihrer Leitung wird das Haus der Geschichte Österreich am neuen Standort im MuseumsQuartier auch an internationaler Sichtbarkeit gewinnen”, zeigte sich der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats, Oliver Rathkolb, überzeugt.
Von München nach Wien
Zadoff studierte Geschichte und Judaistik in Wien, promovierte 2006 und habilitierte sich 2013 in München. Anschließend hatte sie einen Lehrstuhl für Geschichte und Jüdische Studien an der Indiana University Bloomington (USA) inne und lehrt derzeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie an der Technischen Universität München. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die österreichische, europäische und jüdische Geschichte, die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust, Museums- und Erinnerungspraxis im internationalen Raum sowie zeitgemäße Formen pädagogischer Vermittlung.
Das 2018 in der Neuen Burg am Wiener Heldenplatz eröffnete Haus der Geschichte Österreich soll ins MuseumsQuartier übersiedeln. Der Zeitpunkt ist jedoch noch nicht entschieden und hängt von der Finanzierung ab. Die inhaltlichen Vorbereitungen laufen indes unvermindert weiter, hieß es zuletzt. “Das Haus der Geschichte Österreich hat sich seit seiner Gründung zu einer wichtigen Kultureinrichtung entwickelt, die ebenso fundiert wie vielstimmig von österreichischer Geschichte erzählt. Jetzt geht es darum, den geplanten Neubau auf den Weg zu bringen und eine neue Dauerausstellung zu entwickeln”, wird Zadoff nun zitiert. “Ich wünsche mir ein Haus, das die gewaltvollen Erfahrungen – Krieg, Flucht, Holocaust – ebenso erzählt wie zentrale Themen der Gemeinschaft und Zugehörigkeit.”
“Räume des Ausstellens und des Austausches”
In den Ausstellungsräumen werde künftig “nicht nur die Geschichte der Ersten und Zweiten Republik erzählt, sondern auch die letzten sechs bis sieben Dekaden der Monarchie und des Vielvölkerstaates. Österreichische Geschichte wird damit auch zur Geschichte Mittel- und Osteuropas.” Am neuen Standort werde es mehr Platz für Seminare und Workshops sowie einen Veranstaltungssaal geben. “Heute sind Museen längst nicht mehr nur Räume des Bewahrens und Ausstellens, sondern auch und gerade der Kommunikation, der Beziehung und des Austausches: Sie sind Orte, an denen nicht nur die Vergangenheit, sondern auch eine gemeinsame Zukunft verhandelt wird”, betonte die künftige hdgö-Leiterin.
ÖNB-Generaldirektorin Michaela Mayr betonte Zadoffs Erfahrung in der Leitung und Weiterentwicklung von Museen. “Darüber hinaus bringt sie wertvolle Expertise im Bereich Museumsbau mit.” Sie dankte Monika Sommer, “die das hdgö als Gründungsdirektorin entscheidend geprägt hat. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie das Haus in der österreichischen Museumslandschaft etabliert und neue Ansätze im Ausstellen, Sammeln und Vermitteln vorangetrieben. Daran kann Mirjam Zadoff anknüpfen und gemeinsam mit dem Team die nächste Phase des Hauses gestalten.”