“Heidi Horten Collection” zeigt Samsonows bunte Naturschau

18.09.2026 • 13:52 Uhr
"Heidi Horten Collection" zeigt Samsonows bunte Naturschau

Elisabeth von Samsonow zählt zu den anerkanntesten Universalkünstlerinnen der deutschsprachigen Kulturszene, die bereits 1996 als Lehrende an der Akademie der bildenden Künste Wien berufen wurde und erst am Dienstag den Staatspreis für Kulturpublizistik erhielt. Jetzt wirft die Heidi Horten Collection den Blick auf ihr künstlerisches Schaffen. Als Teil der neuen Ausstellung sind aber auch Werke anderer historischer Persönlichkeiten zu sehen.

Auf zwei Stockwerken zeigen farbenfrohe Skulpturen und Gemälde, wie sich die deutsch-österreichische Künstlerin mit der Frage der Ökologie auseinandersetzt. Eine Samsonow-Retrospektive “in diesem Umfang” gebe es zum ersten Mal, sagte die im Vorjahr angetretene Direktorin des Museums, Verena Kaspar-Eisert, bei einer Presseführung am Freitag. Mehrere frühe Zeichnungen aus den 1970er- und 80er-Jahren werden “alle das erste Mal gezeigt”, so die Ko-Kuratorin Hana O. O. Haas.

Bunte Fabelwesen aus Holz und Farbe

Von einem “Skulpturenwald” sprechen die Macher der Ausstellung. So zeigen sich die lebensgroßen Figuren, die Samsonow aus Holz schnitzte, ganz offen im Atelier, umgeben von eindringlichen Gemälden auf den Museumswänden. Es wirkt fast wie aus einem Märchen herausgepickt, nicht der knalligen Farben wegen. In den Motiven der Künstlerin verschmelzen auch häufig menschliche Antlitze mit Pflanzenwelt und Fauna. In ihrer neuesten Skulptur hat sich Samsonow etwa als Vogel geschnitzt.

Samsonow plädierte vor Ort dafür, über eine “Poesie der Bäume” nachzudenken. Es handle sich bei ihren Werken um eine Geschichte der Erde, “in Form dieser Stoffwechselbatterien, die von mir zu Erinnerungen gemacht werden”. Gleichzeitig seien die Werke multimedial. “Man kann die Skulpturen bewegen, man kann sie seitlich spielen, Elisabeth aktiviert diese Skulpturen mit Performances, die Skulpturen im oberen Bereich sind sogar elektronisiert”, erklärt wiederum Haas. Videos zeigen alte Performances, bei denen die Künstlerin aus einem hohlen Baum heraus an Stamm befestigte Saiten spielt.

Ökologie mit feministischem Hintergrund

Es fällt schnell auf, dass die Wesen und Bildmotive oft weiblich wirkende Formen aufgreifen. Göttinnen befruchten das Land, die in den Mythen eigentlich männlichen Zentauren sind hier weiblich. Seit rund fünf Jahren betreiben Samsonow und andere Kulturschaffende ein vier Hektar großes Naturgebiet im niederösterreichischen Pulkautal, das zum “Göttinnenland” umgetauft wurde.

Fotoserien der Landschaft stehen unter dem Motto “Warum Frauen Land besitzen müssen”. 95 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Niederösterreich seien im Besitz von Männern, argumentiert Samsonow. Frauen würden in den Betrieben zwar “ungeheuerlich” viel Arbeit leisten, “sie haben aber die Produktionsmittel eigentlich nicht, und das finde ich ungerecht”. Das in dem Gebiet gefundene prähistorische “Idol von Immendorf” soll einen weiteren Bogen herstellen. “Für Elisabeth ist ganz wichtig, anhand von diesen Figurinen über die Rolle der Frau, die Rolle der Welt, die Weise, wie wir die Welt konstruieren können, nachzudenken”, erklärt die Ko-Kuratorin.

Samsonow reiht sich zu Bacon und Schiele

Zwischen den farbenfrohen Skulpturen und Gemälden finden sich auch insgesamt zehn Stücke aus der Sammlung des Museums, etwa von Francis Bacon oder dem heuer verstorbenen Georg Baselitz. “Elisabeth hat ausgesucht”, erklärt Kurator Rolf H. Johannsen die Wahl. So findet sich etwa auch ein Werk des Jahrhundertkünstlers Egon Schiele, über den Samsonow einst zwei Monografien schrieb. Laut Haas geht es daher “nicht nur um eine formale, sondern auch um eine intellektuelle Resonanz”. Im selben Raum schließt sich der Kreis mit einem Selbstporträt “Ich als Egon Schiele”, einer von vielen Selbstdarstellungen der Schau.

(S E R V I C E – “Elisabeth von Samsonow” in der Heidi Horten Collection von 19. September bis 28. Februar 2027. )