Heilmittelreport 2026: Debatte um hohe Kosten

16.07.2026 • 14:46 Uhr

In die Diskussion um die hohen Kosten für die Heilmittelversorgung hat am Donnerstag auch Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) Stellung genommen. Gegenüber dem ORF-Morgenjournal verwies sie auf geplante Maßnahmen wie den verstärkten Einsatz von Generika und eine zentrale Beschaffung für hochpreisige Arzneimittel. Die Gesundheitsministerin will aber auch die Pharmaindustrie in die Pflicht nehmen. Die FPÖ ortete hier eine “Scheindebatte”.

Die Kosten der Sozialversicherung für die Heilmittelversorgung lagen 2025 laut dem Heilmittelreport des Dachverbands der Sozialversicherungsträger bei 4,9 Milliarden. Im Vergleich zu 2024 sind die Kosten demnach um 7,5 Prozent gestiegen, gegenüber 2013 sogar um 88,2 Prozent. Neben Politik und Sozialversicherung seien Schumann zufolge auch die Pharmaunternehmen gefordert, “faire und nachhaltige Preise” sicherzustellen.

FPÖ sieht “Scheindebatte”

Als “wenig zielführende Scheindebatte” kritisierte FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak die von der Gesundheitsministerin geäußerte Kritik an den Medikamentenpreisen. Die alleinige Schuldzuweisung an die Pharmaindustrie “gehe am Kern des Problems vorbei und lenke von den tatsächlichen strukturellen Herausforderungen im österreichischen Gesundheitssystem ab”. “Anstatt die hausgemachten Schwierigkeiten wie die enormen, durch Reformrückstau verursachten, Verwaltungskosten der ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse) oder die stetig steigende Belastung des Systems anzugehen, wird ein externer Sündenbock präsentiert. Das ist unehrlich gegenüber den Bürgern und schadet dem Wirtschaftsstandort”, so Kaniak. Die Darstellung Österreichs als Hochpreisland sei zudem “irreführend”.

Der Gesundheitssprecher der Grünen, Ralph Schallmeiner, meinte hingegen, dass die von der Gesundheitsministerin angesprochenen Ansätze “grundsätzlich in die richtige Richtung gehen”. “Ankündigungen allein senken aber keine einzige Medikamentenrechnung und lösen auch keine Lieferengpässe. Jetzt braucht es konkrete Vorschläge für eine gemeinsame Beschaffung, mehr Transparenz bei den Preisen und verbindliche Regeln, die Versorgungssicherheit und Innovation gleichermaßen ermöglichen. Und das in Österreich und auf europäischer Ebene”, so Schallmeiner.

Diskussion über Medikamentenverfügbarkeit

Bei den Versorgungsengpässen, mit denen Österreich in den vergangenen Jahren zu kämpfen hatte, ortete der Report eine Entspannung – in vier von fünf Fällen, in denen ein Medikament nicht verfügbar ist, kann inzwischen auf einen wirkstoffgleichen Ersatz zurückgegriffen werden. In den verbleibenden Fällen stünden gleichwertige Präparate oder andere Packungsgrößen zur Verfügung.

Der Verband der Österreichischen Arzneimittelvollgroßhändler (PHAGO) warnte hier vor einer Verharmlosung der Realität: Bei rund 1.220 Arzneimitteln, das entspricht 11,4 Prozent des Gesamtmarktes, bestehen demnach Probleme beim Nachschub. Betroffen sind unter anderem Augentropfen, Antidiabetika sowie Medikamente gegen Blut- und Hauterkrankungen. “Wenn ein Medikament beim Hersteller nicht verfügbar ist, tun wir alles, um die Lücke durch unsere Sicherheitsbestände, unser Zuteilungsmanagement und unsere Logistik zu schließen”, so Monika Vögele.

Auch in “jeder Apotheke” sei laufend jemand mit der Bewältigung von Lieferengpässen beschäftigt – von der Suche nach Alternativen über Rücksprachen mit Ärztinnen und Ärzten bis hin zu zeitaufwendigen Eigenherstellungen, unterstrich auch Apothekerkammer-Vizepräsident Raimund Podroschko. “Es ist höchste Zeit, dass die personal- und zeitintensive Bewältigung von Lieferengpässen in den Apotheken nicht nur in Heilreporten anerkannt, sondern finanziell angemessen honoriert wird.”