Helga Schubert eröffnet am Mittwoch Klagenfurter Wettlesen

21.06.2026 • 13:26 Uhr
Helga Schubert eröffnet am Mittwoch Klagenfurter Wettlesen

Derya Uzun kann noch immer nicht ganz glauben, dass sie an der 50. Ausgabe des Wettlesens um den Ingeborg-Bachmann-Preis teilnimmt. “Ich wollte es unbedingt. Es gab nichts, was ich noch mehr wollte”, sagt die 27-jährige deutsche Autorin über ihre Einladung zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur, die am Mittwoch in Klagenfurt mit einer Rede von Helga Schubert eröffnet werden.

“Man muss schon ein bisschen mutig sein, und auch selbstbewusst, um sich dem überhaupt auszusetzen”, meint die 86-jährige Bachmann-Preisträgerin des Jahres 2020 und frühere Jurorin über den Wettbewerb, bei dem 14 Schreibtalente ihre Texte im Live-Fernsehen (3sat) vor einem Studiopublikum lesen, die anschließend von einer Fachjury analysiert werden.

Uzuns zielstrebige Bewerbungsstrategie

Autorinnen und Autoren können sich mit ihren Texten bei Jury-Mitgliedern bewerben. Uzun ging dabei zielstrebig und selbstbewusst vor. Sie arbeitet an ihrem ersten Roman, veröffentlicht hat sie bisher noch nichts. Doch Uzun fand einen Literaturagenten, der ihr eine Empfehlung von einem Verlag besorgte – denn ohne die darf man nicht sich nicht bewerben.

Uzun erzählt, sie fühle sei dankbar und demütig, dass sie als nicht etablierte Schriftstellerin eine Einladung erhalten habe. “Es mir auch gezeigt: Jeder hat eine Chance, und es kommt wirklich auf den Text an”, sagt die Autorin, die derzeit ihr Studium an der Universität Bayreuth abschließt, im Gespräch mit der dpa.

Schuberts verschlungene Wege zum späten Sieg

Nicht immer verläuft der Weg nach Klagenfurt geradlinig. Helga Schubert wurde 1980 zum Wettbewerb eingeladen. Doch sie erhielt keine Ausreisegenehmigung aus der DDR. Denn der damalige Bachmann-Juryvorsitzende Marcel Reich-Ranicki war aus Sicht der herrschenden SED als berüchtigter Antikommunist, wie Schubert schildert. Außerdem galt ihre Einstellung gegenüber der DDR als feindlich. “Durch die Einladung war ich ermutigt”, erinnert sie sich. Die Ablehnung der Reise habe sie aber nicht enttäuscht, sondern nur ihre Meinung über diesen Staat bestärkt, so Schubert.

Danach wurde Schubert ab 1987 einige Jahre lang als Jurymitglied nach Klagenfurt eingeladen. Dafür durfte sie ausreisen – unter anderem, weil Reich-Ranicki nicht mehr Teil der Jury war. Im Jahr 2020 erhielt Schubert schließlich erneut eine Einladung, um als Autorin am Wettbewerb teilzunehmen. Zunächst hatte sie Sorge, sich dort als 80-Jährige lächerlich zu machen, doch dann sagte sie zu. Der Mut zahlte sich aus: Für ihren autobiografischen Text “Vom Aufstehen” erhielt Schubert den Bachmann-Preis. Dieses Jahr hält sie die Klagenfurter Rede zur Literatur, die Eröffnungsrede. Sie trägt den Titel “Und führe uns nicht in Versuchung”.

Wettlesen als Faktor im Literatur-Markt

“Den Bachmann-Preis zu bekommen, das ist eine fundamentale Änderung in der beruflichen Karriere”, sagt Schubert zur dpa. Die Auszeichnung helfe bei der Vermarktung der jeweiligen Siegerin oder des Siegers. “Das steht bei mir auf jedem Cover”, so Schubert. Die Veranstaltung ist aus ihrer Sicht auch ein wichtiger Marktplatz für neue Schreibtalente.

Das sieht auch Uzun so. Die jüngste Teilnehmerin in diesem Jahr hofft, in Klagenfurt Verlage und Leser auf sich aufmerksam zu machen. Sie habe nichts zu verlieren, sagt sie. “Es geht um Sichtbarkeit. An Preise denke ich gar nicht”, sagt Uzun. Die Preisverleihung findet jedenfalls am kommenden Sonntag statt. Der Hauptpreis ist in diesem Jahr mit 30.000 Euro dotiert. Insgesamt werden Preise im Wert von 75.000 Euro vergeben.

(S E R V I C E – )