Herkunftsbezeichnung in der Gastronomie wieder am Speiseplan

26.06.2026 • 16:39 Uhr
Herkunftsbezeichnung in der Gastronomie wieder am Speiseplan

Das Ringen um eine verpflichtenden Herkunftsbezeichnung in der Gastronomie zwischen Bauern und Wirten geht in die nächste Runde. Nun soll auf freiwilliger Basis eine Lösung von den Branchenvertretern gefunden werden. Damit soll die Herkunft der Produkte “einfach, praxisnah und unbürokratisch” sichtbar gemacht werden, so ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti. Die Volkspartei setze damit “den nächsten Schritt zu mehr Transparenz”.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig meinte, ihm sei eine “unbürokratische, praxistaugliche Umsetzung wichtig, die in der gesamten Wertschöpfungskette funktioniert”. Bauernbund-Präsident Georg Strasser hielt am Freitag in einer Aussendung fest: “Entstehen soll auf Basis dieser Ergebnisse eine flächendeckende und einheitliche Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie für Fleisch, Milch und Eier nach dem Modell ‘AT-EU-Non-EU’ in einem Stufenplan in einem umfassenden und tragfähigen Rahmen.”

Wirtschaftsbund: Niederschwelliges System

Für Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger wurde ein wichtiger Schritt gesetzt: “Zuvor wurde immer nur öffentlich thematisiert, was nicht geht, aber nie im Detail untersucht, wie ein System konkret funktionieren könnte. Das soll sich nun ändern.”

Der Wirtschaftsbund, der sich gegen eine Verpflichtung zur Kennzeichnung stemmt, wiederum betonte, man wolle “ein möglichst einfaches und niederschwelliges System für die Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie zur Praxisreife zu bringen”, so Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf.

FPÖ: Bauernbund knickt ein

Der FPÖ hingegen fehlt es an Ernsthaftigkeit von Seiten der ÖVP. Die Volkspartei müsse “endlich ihre Blockade beenden und für eine verpflichtende Kennzeichnung stimmen, so FPÖ-Landwirtschaftssprecher Peter Schmiedlechner. Die Freiwilligkeit wäre “nicht einmal eine halbherzige Lösung, sondern blanker Hohn”. Sein Fazit: “Der schwarze Bauernbundobmann jammert medienwirksam über die Not der Bauern, aber wenn es im Parlament darauf ankommt, die Landwirte wirksam zu schützen, knickt er ein und stimmt mit den Systemparteien für den Ausverkauf unserer Heimat.”

Für die Grünen geht der Plan der ÖVP nicht weit genug. “Was in jeder Kaserne des Österreichischen Bundesheers ganz selbstverständlich ist, scheint für die ÖVP ein unbewältigbares Problem darzustellen”, wundert sich Olga Voglauer, Agrarsprecherin der Grünen, nach dem heutigen Landwirtschaftsausschuss des Nationalrats. Und sie setzt nach: “Obwohl 79 Prozent der Österreicher:innen für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung sind, legt die ÖVP keinerlei Wert auf Transparenz am Teller und beschäftigt sich bloß mit sich selbst.”

Und auch für Bio Austria-Obfrau Barbara Riegler ist die Freiwilligkeit zu wenig. “Konsument:innen brauchen verbindliche Transparenz”, so ihr Credo. Und sie stellt klar: “Wer wissen will, woher Lebensmittel kommen, muss auch wissen können, wie sie produziert wurden.”

Kritik an Agrarimporten

Für Unmut unter den Bäuerinnen und Bauern sorgen auch die Agrarimporte, was heute zu einem Schlagabtausch zwischen ÖVP und FPÖ geführt hat. Eine Antrag der Blauen auf sofortigen Importstopp für Agrarerzeugnisse, die nicht den österreichischen Standards entsprechen und ein genereller Import-Stopp von nicht den österreichischen Standards entsprechenden Lebens- und Futtermitteln aus der Ukraine wurde abgeschmettert. “Das ist der nächste üble Verrat der ÖVP und ihrer Verlierer-Ampel an unseren Bauern und unserer Bevölkerung”, meinte daraufhin Schmiedlechner.

Im Landwirtschaftsausschuss wurde am Freitag auch der Tätigkeitsbericht der AMA-Marketing behandelt. Demnach habe man im Vorjahr über 35.063 Kontrollen durchgeführt.