Hilfslieferung für Oleschky startet

30.10.2026 • 05:25 Uhr

Die von der US-amerikanischen First Lady Melania Trump vermittelte humanitäre Hilfsaktion für die russisch besetzte Frontstadt Oleschky im Süden der Ukraine geht in die entscheidende Phase. Die Entminung von Routen um die von Russland gehaltene Stadt in der Südukraine ist abgeschlossen, die Operation zur Versorgung der notleidenden Bevölkerung und zur Evakuierung von Zivilisten könne nun beginnen, teilen die Menschenrechtsbeauftragten beider Seiten mit.

“Die Entminung der Routen für die humanitäre Mission in Oleschky wurde abgeschlossen”, heißt es in den nahezu wortgleichen Mitteilungen der russischen Menschenrechtsbeauftragten Jana Lantratowa und ihres ukrainischen Amtskollegen Dmytro Lubinez. “Der humanitäre Konvoi ist zur Abfahrt bereit.” Beide dankten Melania Trump für ihre Vermittlung.

Auch die First Lady selbst bestätigte unter Verweis auf Lubinez die Räumung der Minen. “Alle gemeinsam von der Ukraine und Russland festgelegten Routen wurden für eine sichere Passage freigegeben”, schrieb sie auf der Plattform X. Die Lieferung von Lebensmitteln, Trinkwasser, Arzneimitteln und anderen lebenswichtigen Hilfsgütern für die Frontstadt sei nun möglich.

Von Dienstag bis einschließlich Sonntag gilt eine örtlich begrenzte Waffenruhe für Oleschky und Umgebung, von der auch die am gegenüberliegenden Ufer des Flusses Dnipro liegende Gebietshauptstadt Cherson profitiert. So sollen ansonsten durch Drohnenangriffe und Minen verhinderte Transporte in und aus der Stadt ermöglicht werden.

Laut Lantratowa und Lubinez wird der Konvoi zum örtlichen Krankenhaus fahren, ab 13:30 Uhr Ortszeit (12:30 Uhr MEZ) werden dort Hilfsgüter ausgegeben. Eine halbe Stunde vorher sollen sich alle Abreisewilligen eingefunden haben.

Dutzende Tonnen humanitärer Hilfsgüter

In die Frontstadt sollen nach Auskunft Lantratowas Dutzende Tonnen an humanitären Hilfsgütern gebracht werden – vor allem Lebensmittel wie Mehl, Getreide, Zucker, Speiseöl, Fleisch- und Fischkonserven. Auch Hygienemittel und Treibstoff für Notstromgeräte würden geliefert. Das zentrale Krankenhaus erhalte zudem Medikamente wie Antibiotika und Insulin.

Ein Teil der Güter wurde den Angaben nach vom Team der russischen Menschenrechtsbeauftragten zusammengestellt, ein anderer vom Russischen Roten Kreuz. Die Ausgabe werde gemeinsam mit Lubinez erfolgen, hieß es.

Hunderte sollen auf Evakuierung warten

Angaben des Internetportals “Ukrajinska Prawda” haben sich mehrere Hundert Menschen aus Oleschky in eine Evakuierungsliste eingetragen. Demnach sind in der Frontstadt etwa 1.500 von ehemals rund 24.000 Bewohnern verblieben. Informationen der Nachrichtenseite “Hromadske” zufolge könnten dank der Feuerpause auch etwa 100 im Keller des örtlichen Krankenhauses seit Monaten gelagerte Leichen aus Oleschky weggebracht werden.

Am gegenüberliegenden, ukrainisch kontrollierten Ufer des Dnipro wurde die geltende Waffenruhe bereits intensiv genutzt. Aufnahmen aus der Gebietshauptstadt Cherson zeigten starken Autoverkehr und ungewohnt viele Menschen auf den Straßen. Berichten zufolge nutzten geflüchtete Stadtbewohner die Feuerpause, um nach ihrem zurückgelassenen Hab und Gut zu schauen. Selbst ansonsten stark beschossene Stadtteile in unmittelbarer Flussnähe wirkten auf den Aufnahmen belebt.

Lubinez rechtfertigt Reiseroute über Russland

Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte reiste persönlich in den russisch besetzten Teil der Ukraine. Videoaufnahmen zeigten, wie Lubinez dafür im belarussischen Gomel in ein russisches Flugzeug stieg. “Warum fahre ich persönlich dorthin? Weil es wichtig ist, vor Ort zu sein, wenn es um die Rettung von Menschen geht”, begründete er sein Vorgehen in einem Beitrag auf Telegram. Ziel sei es, die ukrainische Öffentlichkeit über den Verlauf der Aktion zu informieren.

Der Ukrainer warnte dabei vor voreiligen Schlussfolgerungen. “Denn ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwierig die Verhandlungen waren und wie lange sie dauerten, damit ich jetzt hier sein kann, wo ich bin”, schrieb er. Sein Pressedienst begründete den gewählten Weg über Belarus und Russland mit der Verminung der Frontgebiete.

Oleschky war unmittelbar nach Kriegsbeginn im Februar 2022 von russischen Truppen besetzt worden. Seit dem Abzug der Russen aus der Gebietshauptstadt Cherson im November 2022 ist Oleschky Frontstadt. Die US-Regierung drängt vor allem die Ukraine seit längerem zu Kompromissen für einen Friedensschluss mit dem Angreifer Russland.

Ukraine setzte auf Druck Trumps Angriffe auf russische Ölraffinerien aus

US-Präsident Donald Trump hat Druck auf die Ukraine ausgeübt, ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien auszusetzen. Dies berichtet das “Wall Street Journal” unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die inoffizielle Unterbrechung habe Anfang vergangener Woche begonnen und werde voraussichtlich bis nach den US-Zwischenwahlen am 3. November und möglicherweise noch bis später im November andauern.