Hoffnung auf Überlebende nach Beben in Kolumbien schwindet

16.08.2026 • 01:24 Uhr
Hoffnung auf Überlebende nach Beben in Kolumbien schwindet

Tage nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien schwindet die Hoffnung auf die Rettung von Überlebenden. Die Zahl der Todesopfer stieg bis Samstag auf mindestens 294, wie die Katastrophenschutzbehörde des Landes mitteilte. Zudem werden 320 weitere Menschen vermisst, fast 4.000 wurden verletzt. Der Schwerpunkt der Rettungsarbeiten verlagert sich zunehmend auf die Bergung von Toten aus den Trümmern eingestürzter Gebäude.

“Wir haben nur noch eine Stelle, an der es Lebenszeichen gibt”, sagte der Feuerwehrhauptmann von Cali, Alberto Hernandez, am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. “An den anderen Orten befinden wir uns leider in der Phase der Bergung von Toten.” Hernandez zufolge wird die Bergung der Toten voraussichtlich bis Sonntag abgeschlossen sein. Danach solle schweres Gerät die Trümmer beseitigen. In Cali, der drittgrößten Stadt des Landes, durchkämmten Helfer weiterhin Berge aus Beton und Metall.

Lage bleibt gefährlich

Das Beben der Stärke 7,4 hatte am Montagmorgen die Region um San Jose del Palmar erschüttert. Zahlreiche Wohnhäuser stürzten ein, Schulen, Kirchen und Krankenhäuser wurden von der Pazifikhafenstadt Buenaventura bis in die Kaffeeanbauregion und die großen Städte im Westen des Landes beschädigt. Mehr als zwei Drittel der Todesopfer gab es in den Städten Cali und Pereira. Die Lage für die Helfer bleibt gefährlich. Seit dem Hauptbeben wurden 269 Nachbeben verzeichnet.

Tausende Häuser wurden durch das Beben zerstört. Hunderte Menschen übernachteten im Freien oder in Notunterkünften. In der Stadt Pereira im Herzen der Kaffeeanbauregion verbrachten Hunderte die Nächte auf Matten oder in Zelten in einem Park. Den Helfern vor Ort zufolge mangelt es dort an Decken, Zelten, Hygieneprodukten und Lebensmitteln. In den Städten Medellin und Bogota spendeten Tausende Menschen Lebensmittel, Kleidung und Medikamente für die Betroffenen des Erdbebens.

Bewährungsprobe

Für den neuen Präsidenten Abelardo De La Espriella ist die Katastrophe die erste große Bewährungsprobe. Der politische Neuling ist erst seit einer Woche im Amt. Er wurde für sein anfängliches Krisenmanagement kritisiert, insbesondere weil er Hilfsangebote einiger Länder zunächst nicht angenommen hatte. Später trafen Rettungsteams aus Israel und den USA ein.

De La Espriella sprach nach eigenen Angaben am Samstag in einem zehnminütigen Telefonat mit US-Präsident Donald Trump und bat dabei um eine vorübergehende Aussetzung von US-Zöllen auf kolumbianische Waren. “Heute ist die Allianz zwischen Kolumbien und den USA wichtiger denn je für den Wiederaufbau unseres Landes”, schrieb De La Espriella auf der Plattform X.