Horten Collection widmet sich dem Schuh in der Kunst

Der Schuh in seinen Funktionen zwischen Statussymbol, Alltagsgegenstand und Fetisch steht im Zentrum der neuen Kabinettausstellung der Heidi Horten Collection. Ausgehend von Andy Warhols Serie “À La Recherche du Shoe Perdu” hat Kurator Rolf H. Johannsen für die Schau “To Shoe or not to Shoe” Werke von Birgit Jürgenssen über Erwin Wurm und Peter Weibel bis Jakob Lena Knebl versammelt, die sich der Fußbekleidung aus unterschiedlichen Blickwinkeln nähern.
“Die Ausstellung macht sichtbar, wie Schuhe Status und Zugehörigkeit vermitteln, Rollenbilder prägen und zum Ausdruck von Begehren, Widerstand oder Verletzlichkeit werden”, so Johannsen. Warhols Mitte der 1950er-Jahre entstandene Serie spielt mit literarischen Zitaten, Popsongs und Redewendungen, die der Künstler im Rahmen eines Werbeauftrags für einen Schuhhersteller auf das Motiv des Schuhs umlegte. Jede der in der “New York Times” veröffentlichten Zeichnungen ist mit einer handschriftlichen Abwandlung eines Zitats versehen; so referenziert der Titel der Serie etwa auf Prousts Romanwerk “À la recherche du temps perdu”.
Schuhe mit Messern, ohne Absätze oder als Pflug
Direkt aufgegriffen hat dieses Motiv Flora N. Galowitz in ihrem Gemälde “Boot” (2003), in dem sie in einem mehrstufigen Prozess eine riesenhafte Vergrößerung eines Warhol-Schuhs schuf. Aus einer feministischen Perspektive untersuchte Markus Schinwald den Damenschuh in seiner Arbeit “Low Heels” (1997): Er entfernte die hohen Absätze, die als Ausdruck von Zwang und Einschränkung gesehen werden können, und machte durch die übrig gebliebene Enge der Stilettos zugleich deutlich, dass dieser Akt allein noch keine Befreiung bedeutet. Eine Engführung zwischen Schuh und Biografie unternahm Mitte der 1970er-Jahre Birgit Jürgenssen, die mit der Skulptur “Aschenbrödel” einen Schuh zeigt, dessen Spitze die Treppe hinanzufließen scheint; in der Zeichnung “sich den weg pflügen” funktionierte sie den Damenschuh in ein landschaftliches Werkzeug um.
Überhaupt als Waffe interpretierte Gudrun Kampl den Damenschuh in ihrer Arbeit “Vorwärtsschnitt” (2021), in der sie die Schuhspitzen mit Messern bestückte, während rote Samtfäden schmeichelnd Richtung Boden baumeln. Auch bei Sue Williams wird der Stöckelschuh, der sich in ihrem Gemälde in die Brust eines nackten Mannes bohrt, zur Waffe. Den verletzlichen Schuh wiederum thematisierte Allan Kaprow 1985 in seiner Aktion “Repair”, in der er gebrauchte Schuhe durch die Straßen von Bonn fegte und die “Wunden” später mit Mull und Heftpflaster versorgte. Von Peter Weibel stammt ein mit Wachs ausgegossenes Paar Gummistiefel, Jakob Lena Knebl verschmilzt einen Stöckelschuh mit einem Arbeiterstiefel. Und so gerät man beim Besuch dieser kleinen Schau vielleicht selbst ins Nachdenken: Was will ich mit meinen Schuhen eigentlich sagen?
(S E R V I C E – Kabinettausstellung “To Shoe or not to Shoe – Warhol and Others” in der Heidi Horten Collection, bis 18. April. )