“I rarely wake up dreaming”: Als Trans zwischen den Fronten

02.11.2026 • 12:31 Uhr
"I rarely wake up dreaming": Als Trans zwischen den Fronten

Das ukrainische Pärchen Olya und Oleh streitet – kein Wunder, ist es doch mit gewaltigen Veränderungen konfrontiert, die das Leben der beiden jungen Erwachsenen über den Haufen werfen. Bis vor Kurzem war zwischen ihnen alles im Lot. Dann entschied sich Oleh zu einer Transition zum Mann, womit Olya noch fremdelt. Bald darauf bricht der Krieg in der Ukraine auch abseits des Donbass aus. Das Drama “I rarely wake up dreaming” stellt schwierige Fragen.

Und auf diese sollten keine klaren Antworten gegeben werden, stellte die deutsche Regisseurin Isabelle Stever am Sonntagabend im Rahmen eines Publikumsgesprächs bei der Viennale klar. Wohin kann all das nur führen? Was macht Gender mit uns? Welche sozialen Erwartungen gehen (im Krieg) mit dem Äußeren einher? Und nicht zuletzt: Soll man dem Heimatland an der Front dienen oder doch mit der Freundin nach Deutschland fliehen? Auch wenn man sich dabei auf ein Attest stützen müsste, das einem aufgrund von Geschlechtsdysphorie bescheinigt, psychisch krank zu sein?

Allgegenwärtige Gewalt

Der Film zeigt keine direkte Gewalt, aber diese ist dennoch allgegenwärtig. Sie schreibt sich in Körper und Entscheidungen ein, Explosionen sind dumpf aus der Ferne zu vernehmen, und das Heulen der Sirenen wird zum traurigen Alltag. Nachrichten aus dem Off wie etwa über die Gräuel in Butscha, Social-Media-Feeds der Protagonisten und das Alltagsgeschehen auf der Straße vermitteln ein Bild davon, wie sich der Krieg entwickelt.

Als wäre das nicht Belastung genug, müssen Olya (Tania Myronyshena) und Oleh (Markus Bright) in den Kriegswirren klären, wie sie nun zueinander stehen. An der Grenze werden sie auf der versuchten Flucht nach Deutschland abgewiesen, weil Olehs Pass ihn mittlerweile als männlich ausweist. Olya will ihn nicht zurücklassen und beschließt, bei ihm zu bleiben, bis sie einen Ausweg gefunden haben. Doch dieser würde an Olehs Gender-Grundfesten rütteln. Sein Zaudern nagt an Olya.

Stever nähert sich mit konzentrierten, langen Einstellungen, vielen Nahaufnahmen und Gefühl der komplexen Thematiken an. Dabei wird niederschmetternd deutlich, wie sich Krieg auch abseits der Front auf das alltägliche Leben auswirkt sowie Raum und Optionen schwinden. Dass die beiden Hauptprotagonisten von Laien verkörpert wurden, merkt man dem Drama, das mit 26. Februar regulär in den österreichischen Kinos startet, dabei zu keiner Sekunde an.

Erfahrungen von Freunden verarbeitet

Für das Geschehen stützte sich die ukrainische Drehbuchautorin Anna Melikova auf Erfahrungen aus ihrem Freundeskreis. Um der Trans-Thematik im Kriegskontext gerecht zu werden, sei auch ein “Sensitivity-Reader” involviert gewesen, erklärte sie bei der Viennale.

Der Dreh ging in der Ukraine unter schwierigen Bedingungen vonstatten – angesichts der gegenwärtigen Kriegsentwicklung wäre das heute so nicht mehr möglich, stellte Melikova klar. Aber schon damals sei es höchst herausfordernd gewesen. Ein Bunker war stets in der Nähe, um die teils vielen Komparsen und Crewmitglieder innerhalb weniger Minuten in Sicherheit bringen zu können. Auch in der Nacht hätten Explosionen und Sirenen das Team immer wieder aus dem Schlaf gerissen. Irgendwann habe man einfach gehofft, dass die Raketen nicht die eigene Unterkunft treffen und sei liegen geblieben, um etwas Schlaf zu finden, erinnerte sich Melikova.

(Von Lukas Wodicka/APA)

(S E R V I C E – ; )