Immobilienpreise seit 2010 mehr als verdoppelt
Unterm Strich ist eine Wohnimmobilie heutzutage finanziell wesentlich schwieriger zu stemmen als noch vor 15 Jahren. Die Leistbarkeit, also das Verhältnis der Nettoeinkommen zu den Immobilienpreisen in Österreich, verschlechterte sich 2025 gegenüber 2010 um 20 Prozent, wie eine Analyse der UniCredit Bank Austria zeigt. Die 2023 und 2024 rückläufigen Immobilienpreise (insgesamt minus 3,2 Prozent) linderten die Lage kaum. 2025 gingen sie wieder nach oben (plus 2,6 Prozent).
Nach zwei Jahren mit sinkenden Wohnimmobilienpreisen sei es 2025 zu einer Trendwende gekommen, berichtet Chefökonom Stefan Bruckbauer am Dienstag. Zumindest in den vergangenen drei Jahren habe sich die Leistbarkeit aufgrund stärker gestiegener Einkommen wieder verbessert. Laut Schätzung der Bank lag der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen im abgelaufenen Jahr im bundesweiten Schnitt bei circa 4.100 Euro und für Einfamilienhäuser bei knapp 2.800 Euro. Das Verhältnis der Nettoeinkommen zu den Immobilienpreisen habe sich seit 2022 um mehr als 20 Prozent verbessert.
Seit 2022 leichte Entspannung
Der langfristige Vergleich relativiert freilich die Entspannung in den vergangenen drei Jahren. “Im Durchschnitt haben sich die Preise für Wohnimmobilien in Österreich von 2010 bis 2025 mehr als verdoppelt”, hält der Ökonom Walter Pudschedl unter Verweis auf eine Verteuerung bei Häusern und Wohnungen von 116 Prozent fest. Der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen habe sogar um 120 Prozent zugelegt.
Parallel dazu erhöhte sich das durchschnittliche Nettoeinkommen unselbstständig Beschäftigter um nur 73 Prozent, seit 2022 um 20 Prozent. Der reale Wert eines Jahreseinkommens bezogen auf die Preise am Immobilienmarkt habe sich in den vergangenen fünfzehn Jahren um rund 25 Prozent verringert, so Pudschedl. 2010 waren für den Erwerb einer Eigentumswohnung von 100 Quadratmetern 10 Jahresgehälter nötig, 2025 waren es 12,5 – und 2022 zwischenzeitlich sogar 16.
Miete statt Kauf
Infolge der langfristig verringerten Leistbarkeit eines Kaufes sei die Nachfrage nach Mietobjekten nach oben gegangen und habe einen Mietanstieg über der Inflation ausgelöst. “Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen”, erwarten die Marktexperten der Bank. In den vergangenen drei Jahren habe die Leistbarkeit von Mietobjekten “deutlich abgenommen”, so die Bank-Austria-Ökonomen.
Bei Neuvermietungen im Vergleich zu Bestandsmieten sei es zu einer deutlich höheren Dynamik gekommen. Im Schnitt seien die Mieten um 20 Prozent gestiegen. Bestandsmieterinnen und -mieter mit einem Einkommenszuwachs von ebenfalls 20 Prozent seit 2022 stiegen hingegen neutral aus.
Preise gehen weiter nach oben
Die Immobilienpreise dürften nach Einschätzung der Bank-Austria-Ökonomen heuer und im kommenden Jahr – etwa auf dem Niveau der allgemeinen Inflation – jeweils zwischen 2 und 3 Prozent weiter zulegen. Die Baupreise, die sich in den vergangenen beiden Jahren kaum verändert hätten, “werden eine Aufwärtstendenz aufweisen”, da der neuerliche energiepreisbedingte Inflationsschock durch den Iran-Krieg die Materialkosten und mit etwas Verzögerung auch die Lohnkosten erhöhen werde.
“Der nachfrage- und kostenbedingte Anstieg der Immobilienpreise in den kommenden Jahren wird auch durch ein enges Angebot geschürt werden, als Folge geringer Fertigstellungen nach dem Einbruch der Baubewilligungen ab 2022”, betont Bruckbauer. Die nachfragebedingt “anhaltend hohe Mietpreisdynamik” verspreche “eine ansprechende Renditeentwicklung”, was wiederum den Erwerb von Wohneigentum auch aus Veranlagungsmotiven stärken dürfte – trotz möglicher Leitzinsanhebung durch die Europäische Zentralbank (EZB) als Reaktion auf die Folgen des Krieges in Nahost.