Initiative will nur freiwillige Basisausbildung für Ärzte

Nach dem Medizinstudium müssen angehende Ärztinnen und Ärzte vor der Facharztausbildung noch eine sechsmonatige Basisausbildung absolvieren. Mittlerweile sind die Wartezeiten auf einen Platz aber je nach Bundesland auf zwölf bis 24 Monate angewachsen. Eine neue Initiative fordert nun als Sofortlösung für wartende Jahrgänge, die Basisausbildung auf Freiwilligkeit umzustellen, Ausbildungsplätze an die Absolventenzahl zu koppeln sowie transparente Einsicht in Wartelisten.
Ins Leben gerufen wurde die “Initiative Ärztestart” () von Absolventinnen und Absolventen sowie Medizinstudierenden im letzten Studienjahr, mittlerweile wird sie auch von der Medizinischen Universität Wien unterstützt. Als Konsequenz der langen Wartezeiten fürchtet man eine Abwanderung ins Ausland – zum Teil sei diese bereits erfolgt. In Deutschland und auch der Schweiz gibt es eine Basisausbildung in dieser Form nicht.
Sechs Monate Basisausbildung
Die Basisausbildung ist nach dem Studium der verpflichtende erste Teil der Ausbildung zum Erwerb der klinischen Basiskompetenz in chirurgischen und konservativen Fachgebieten. Seit 1. August dauert sie sechs Monate (davor neun Monate).
Derzeit betrage die Wartezeit in Wien im Schnitt 20 Monate, in den anderen Bundesländern zwischen zwölf und 24 Monaten, so die Vertreterin der Initiative, Leonie Keteku, zur APA. Teil des Problems sei auch die Unterschiedlichkeit der Wartezeiten und damit die Unplanbarkeit der eigenen Zukunft.
Aktuell gebe es an die 700 Absolventinnen und Absolventen durch die MedUni Wien, rechnete Vizerektorin Anita Rieder vor. Der Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV) als größter Anbieter in Wien stelle 260 Plätze für die Basisausbildung zur Verfügung, das AKH 90. Dazu kommen zwar noch andere Spitalsbetreiber – allerdings mit weniger Plätzen. Umgekehrt brauchen auch Absolventinnen und Absolventen der drei medizinischen Privatuniversitäten in Wien und Niederösterreich einen Platz.
Deja Vu
Grund für die längeren Wartezeiten ist der Ausbau der Studienplätze – vor allem an den Privatunis. “Ich habe ein Deja Vu”, meinte Rieder. Sie selbst sei in den 1980ern mit ihrem Studium fertig geworden: “Damals hat man von der großen Ärzteschwemme gesprochen – das war die Zeit der Taxi fahrenden Mediziner.” Zwar sei zuletzt die Basisausbildung verkürzt worden, so Keteku. Allerdings dauere es, bis dieser Effekt wirksam werde. Die Verkürzung sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht die Lösung: “Es gibt grundsätzlich zu wenig Plätze.” Momentan erhalte man beim WIGEV die Auskunft, dass man erst im Frühjahr bzw. Frühsommer 2027 überhaupt erfahre, wie lange man warten müsse.
Laut einer Befragung wollen 90 Prozent der Absolventinnen und Absolventen aus Österreich im Land bleiben – das gelte sogar für 60 Prozent der Deutschen, betonte Rieder. “Wir haben aber ein echtes Problem mit der Quantität der Plätze.” Und das, obwohl man wisse, wie viele Personen pro Jahr mit dem Studium fertig werden.
Gleichzeitig zeige eine weitere Befragung, dass die Personen in der Basisausbildung mit dieser zufrieden sind, so Keteku und Rieder. Deshalb will die Initiative diese auch nicht abschaffen. Sie soll vielmehr als sofort wirksame Lösung für bereits wartende Jahrgänge freiwillig werden. Außerdem müsse die Zahl der Ausbildungsplätze an die Absolventenzahl gekoppelt werden – und es brauche eine Einsicht in die Wartelisten.