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Guem: Die gegenseitigen Vorwürfe müssen aufhören in Altach

26.09.2026 • 22:20 Uhr
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Die Interviews von Philipp Netzer und Ognjen Zaric sind für Alex Guem ein Alarmsignal. GEPA/Lerch

NEUE-Experte Alex Guem analysiert in einem Gastbeitrag, warum der SCR Altach Tabellenletzter ist. Für Guem sind die öffentlichen Aussagen der Verantwortlichen ein Alarmsignal.

Es ist nicht alles schlecht beim SCR Altach. Das möchte ich gleich vorwegnehmen. Die Leistung beim Auswärtsspiel in Hütteldorf gegen Rapid Wien war sehr gut, wenn Vesel Demaku seine Großchance nutzt, die er einfach machen muss, dann punktet man. Die erste Halbzeit bei Sturm Graz war noch eindrucksvoller – besser kannst du es meiner Meinung nach auswärts bei einem Titelkandidaten nicht spielen. So hat jedes Spiel seine eigene Geschichte, seinen eigenen Charakter. Auch im Derby waren die Altacher bis zum 0:1 sicher nicht die schlechtere Mannschaft, meiner Meinung nach war der SCRA sogar besser, ist aber zu oft ins Abseits gelaufen.
Doch nach dem Doppelschlag der Austria war es schwierig für Altach: Die Mannschaft steckt aktuell in einer Abwärtsspirale, aus diesem Strudel bei einem Zwei-Tore-Rückstand in einem Derby zurückzukommen, ist schwierig. Gleichzeitig kommt dann in solchen Situationen aber auch das grundsätzliche Problem hinzu, dass von der Bank kein frischer Wind zu erwarten ist. Es fehlt die Qualität. Der einzige Unterschiedsspieler ist Patrick Greil, schafft es der Gegner, ihn aus dem Spiel zu nehmen, ist die Altacher Offensive fast schon tot. Mir fehlt zentral einfach die Torgefahr. Demaku hat zwar im ÖFB-Cup-Finale getroffen und Mike Bähre trennten im Derby nur wenige Zentimeter vor einem regulären Tor: Aber das sind Ausnahmefälle. In der Regel fehlt beiden Spielern der Zug zum Tor.
Deshalb lastet zu viel Druck auf den Schultern von Greil, er kann das Offensivspiel der Alt­acher nicht ständig alleine tragen, zumal er aktuell auch nicht in der Überform der Vorsaison ist. Aber wen wundert’s? Es fehlt die Entlastung – darum steht bei mir Greil außerhalb jeder Kritik, auch wenn er aktuell nicht so regelmäßig trifft wie im Frühjahr. Vor ein paar Monaten hätte er die große Chance im Derby wahrscheinlich gemacht, dann hätte Altach geführt, aber Austria-Goalie Domenik Schierl hat einfach auch ganz stark pariert. Außerdem muss es Altach natürlich auch schaffen, auf regulärem Weg mehr als nur eine echte Torchance zu erspielen. Und so ist es am Ende dann eben doch kein Zufall, dass Altach mal wieder Tabellenletzter ist.

Guem: Die gegenseitigen Vorwürfe müssen aufhören in Altach
Die Altacher kamen im Derby nicht an Austria-Goalie Schierl vorbei. Stiplovsek

Besorgniserregend
Wirklich besorgniserregend waren die Aussagen der Altacher nach dem Derby. Trainer Ognjen Zaric hat schon wieder den fehlenden Torjäger angesprochen. Das war meiner Meinung nach ein schweres Foul gegenüber der Mannschaft und dem Verein. Er darf dieses Thema nicht jede Woche wieder aufwärmen. Ich fand es richtig, dass Zaric während der Transferphase seinen Wunsch nach einem Knipser öffentlich gemacht hat, weil der Verein zu diesem Zeitpunkt noch hätte reagieren können. Aber mit Schließung des Transferfensters hätte Zaric das Thema in der Öffentlichkeit ruhen lassen sollen.
Intern kann er natürlich nochmal ansprechen, dass er die Schwierigkeiten kommen gesehen hat. Inhaltlich gebe ich ihm recht, natürlich fehlt ein Spieler, der mal aus dem Nichts ein Tor erzielt. Aber jetzt ist es die Aufgabe des Trainers, das Beste aus der Situation zu machen, den Spielern den Rücken zu stärken und mit dem Verein an einem Strang zu ziehen. Diesen Eindruck vermittelt er überhaupt nicht. Er zeigt mit dem Finger auf andere, und das ist nie gut. Außerdem bekommen ja auch die Spieler die Aussagen ihres Trainers mit, mit denen sich Zaric aus der Verantwortung nimmt. So verlierst du irgendwann die Mannschaft: Zaric muss dringend positiver bei seiner Kommunikation werden. Andernfalls verlieren die Spieler auch noch das letzte Selbstvertrauen.
Noch fataler war für mich das Interview von Philipp Netzer. Er darf als Sportdirektor nicht in aller Öffentlichkeit behaupten, dass das Derby schon in der Trainingswoche verloren wurde. Damit stellt er den Coach komplett bloß.
Viel schärfer kann eine Trainerkritik gar nicht ausfallen. Das Ganze klang wie eine Retourkutsche von Netzer: Wenn der Trainer mir ständig vorwirft, dass wir keinen Torjäger haben, dann bring ich mal zur Sprache, dass der Trainer besser arbeiten muss.
Wie anders kann man diese beiden Interviews interpretieren, als dass es hinter den Kulissen im Verein kracht? Und nein, das ist kein reines Medienthema. Als Spieler kriegst du das mit, wenn im Verein nicht alle an einem Strang ziehen und du merkst, dass man sich uneins ist, wie es weitergehen soll. Solche Unsicherheiten sind Gift für eine Mannschaft, die mental angeknackst ist – und das sind die Altacher natürlich.

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Zaric prangerte nach dem Derby ein Mal mehr Altachs Kaderpolitik an. GEPA/Lerch

Altacher müssen zusammenhalten
Auch an den Fans gehen solche gegenseitigen öffentlichen Vorwürfe nicht spurlos vorbei. Viele verstehen nicht, dass Mohamed Ouédraogo für über zwei Millionen Euro verkauft wurde, aber fast nichts von dieser Ablöse in die Mannschaft investiert wurde. Ich bin weder Geschäftsführer noch Sportdirektor, mir fehlt der Inneneinblick. Bekannt ist, dass die TV-Gelder zurückgegangen sind und beim Österreicher-Topf weniger ausgeschüttet wird. Das sind Fakten. Ich verstehe schon, dass es schwierig ist, einen erfolgsversprechenden Neuner zu holen. Einen Torjäger wollen alle.
Mir ist auch klar, dass solche Spieler nicht billig sind. Aber dann hole ich lieber zwei, drei Spieler für die Breite weniger und schnappe mir einen Kracher, der die Mannschaft in der Spitze verstärkt. Manche Transfers der Altacher haben mich ratlos gemacht. Ich verstehe nicht, warum man den eigentlich schon verabschiedeten Leihspieler Srdjan Hrstic doch verpflichtet hat, nur, weil man ihn nach Ablauf der Kaufoption günstiger bekommen hat. Bei diesem Transfer gibt es keine Ausreden: Altach wusste, was man mit Hrstic kriegt und was man nicht kriegt: Er gibt immer alles, aber er ist kein Knipser. Beim verletzungsanfälligen Marko Raguz ist man ins Risiko gegangen, der fällt jetzt wieder aus – und damit kannst du aktuell nur mit Ousmane Diawara planen, was natürlich zu wenig ist. Außerdem: Wenn es Aufsteiger Austria Lustenau schafft, mit Verinac und Weixelbraun gleich zwei torgefährliche Angreifer zu holen, dann muss es für den SCRA möglich sein, mindestens einen Knipser zu finden.
Altach hat es leider verpasst, die Euphorie vom Einzug ins ÖFB-Cup-Finale mit in die neue Saison zu nehmen. Aber es ist jetzt, wie es ist. Im Winter wird man reagieren müssen, bis dahin muss man mit den Spielern arbeiten, die da sind. Das Wichtigste ist jetzt, dass Ruhe in den Verein kommt. Die öffentlichen Vorwürfe müssen aufhören. Man wird sich intern an einen Tisch setzen und über alles offen sprechen müssen. So, wie ich das verstanden habe, gab es zwar schon vor dem Derby einen runden Tisch – aber ganz offensichtlich wurde dabei nicht alles geklärt. Mich stimmt optimistisch, dass die Mannschaft immer alles gibt. Keiner lässt sich hängen, jeder wirft sich voll rein.
Ein Erfolgserlebnis kann vieles ändern. Dieses Erfolgserlebnis muss nach der Länderspielpause gegen den Tabellenvorletzten WAC her. Dann kann die Welt schon wieder ganz anders ausschauen. Für mich ist nur eins klar: Altach hat in brenzligen Situationen immer zusammengehalten. Das erwarte ich mir auch jetzt von den handelnden Personen. Der Verein steht über allem. Eitelkeiten haben im Abstiegskampf keinen Platz. Ansonsten könnte die Wintertransferphase fast schon zu spät kommen.
Von Alexander Guem