Innsbrucker Festwochen mit “Europapatriotismus” eröffnet

07.08.2026 • 15:31 Uhr
Innsbrucker Festwochen mit "Europapatriotismus" eröffnet

Die Eröffnung der 50. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik hat am Freitag im “Spanischen Saal” des Schlosses Ambras neben Jubiläumsglückwünschen und Musik auch den Appell nach einer Wiederentdeckung des “europäischen Patriotismus” gebracht. “Es ist nicht schwer, seine Heimat zu lieben und europäischer Patriot, Patriotin zu sein”, erklärte Bundespräsident Alexander Van der Bellen in seiner Rede und wandte sich gegen die “Sehnsucht nach Selbstverzwergung”.

In der frühen Neuzeit habe es einen gemeinsamen europäischen Raum gegeben, immer habe es Menschen in andere Regionen gezogen: “Es war möglich, seine Heimat zu lieben, ohne den Rest der Welt zu verachten”, so der Bundespräsident, der damit ähnliche Töne anschlug wie zuletzt bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele sowie im Mai anlässlich des Europatages. “Europäischer Patriotismus” sei daher keine “neue Erfindung, er war ja schon da”. Die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts hätten dazu geführt, dass Grenzen als etwas “ganz Natürliches” angesehen wurden, “und mancherorts ist es immer noch so”. Dem widersprach Van der Bellen, der mit Ehefrau Doris Schmidauer in seine Tiroler Heimat gekommen war, vehement: “Europa ist ein Ort, an dem gegenseitige Einflüsse etwas Natürliches waren und sind – bis heute.” Er könne die “Sehnsucht nach Selbstverzwergung” absolut nicht verstehen, “dass wir gemeinsam stärker sind als jeder für sich, liegt ja wohl auf der Hand.” Mit diesem Appell eröffnete das Staatsoberhaupt – “nur wenige Wochen nachdem sie schon begonnen haben” – die Jubiläumsauflage der Innsbrucker Festwochen.

Politik für “Harmonie” statt “Zankapfel”

Tirols Landeshauptmann und Kulturreferent Anton Mattle (ÖVP) schlug bei seiner Rede in eine ähnliche Kerbe und betonte die Vielfalt der Gesellschaft. Dabei griff er schon auf die Premiere der “Großoper” “Il pomo d’oro” von Pietro Antonio Cesti vor, die am Freitag und Samstag zur Aufführung kommen wird. Was uns als Menschen präge, seien Geschichten, wie etwa das Narrativ der Oper – die Göttin der Zwietracht wurde nicht zum Fest geladen und warf daraufhin einen Apfel mit der Inschrift ‘Der Schönsten’ unter die Gäste. “Und so wird dieser Apfel zum Zankapfel. Es zeigt sich, dass Ausgrenzung in allen Formen – bis in die heutige Zeit – eine unkontrollierte Dynamik entwickeln kann”, war Mattle überzeugt. Das führe laut Tirols Landeshauptmann zu Polarisierung und Spaltung, zog er damit auch Parallelen zur Weltpolitik. “Das Schönste ist, in Gemeinschaft zu leben, aber der Weg dorthin ist in dieser Oper und im realen Leben bei Gott kein leichter.”

Innsbrucks Vizebürgermeister Georg Willi (Grüne) wiederum setzte in seiner Ansprache – zur Verdeutlichung des Themas teils auf Deutsch und teils auf Englisch gehalten – ebenso auf das Gemeinsame, auf “Harmonie, die nie zufällig entsteht”. Gemeinschaft entstehe auch in der Kunst, auch an Orten wie den Innsbrucker Festwochen.

Für diese formulierte anlässlich des Jubiläums die Künstlerische Direktorin Eva-Maria Sens eine Art Liebeserklärung mit Tränen in den Augen. Der Innsbrucker Musiker Otto Ulf (Gründer der Innsbrucker Festwochen, Anm.), habe “einen Baum gepflanzt, in dessen Schatten wir jetzt tanzen dürfen”. Feiern würde man all jene, die seit ihrer Entstehung bei den Innsbrucker Festwochen mitgewirkt haben.

Musik rahmte die Reden

Zentral mitgewirkt haben bei der Eröffnung natürlich auch zahlreiche Musikerinnen und Musiker, die die Reden rahmten. Mit der “Sinfonia” aus “Atalanta” von Georg Friedrich Händel begeisterte das Orchester der Schola Cantorum Basiliensis mit Andrea Buccarella am Cembalo und als musikalischer Leiter. Musikalisches Herzstück der Eröffnung waren Szenen aus “Atalanta”, bei der zahlreiche Sängerinnen und Sänger zum Einsatz kamen. Nicht weniger beeindruckend schließlich das “Concerto grosso e-Moll op. 3 Nr. 6” (Adagio – Allegro-Adagio – Allegro) von Francesco Geminiani, bei dem zahlreiche Streicherinnen und Streicher ihr Können bewiesen. Den musikalischen Abschluss fand man schließlich mit “Le belle immagini” aus “Paride e Elena” von Christoph Willibald Gluck mit Mezzosopranistin Anna Bonitatibus.

Die 50. Innsbrucker Festwochen gehen heuer vom 24. Juli bis 30. August über die Bühne. Im Zentrum bei diesen steht unter anderem die erwähnte “Großoper” “Il pomo d’oro” von Pietro Antonio Cesti, die am Freitag und am Samstag in zwei Teilen im Tiroler Landestheater ihre Premiere feiert.

(S E R V I C E – )