Intensiv und surreal: Katrin Plav?ak in Linzer Lentos

Das Lentos Kunstmuseum zeigt ab Freitag eine Retrospektive des Werkes der Malerin Katrin Plavčak. In kräftigen Farben werden vielschichtig ernste, medial verbreitete Themen in meist großen Formaten verhandelt. Es sei die erste große Museumsausstellung der Künstlerin, wie es in einer Presseführung am Donnerstag in Linz hieß.
Neben politischen Fehlentwicklungen wie Kriegen, Obdachlosigkeit, flächendeckender Überwachung, Ressourcenraubbau oder Bedrohungen der Demokratie liegen weitere Schwerpunkte auf Gewalttendenzen in der Geopolitik und auf Geschlechterrollen. In vielen Motiven taucht der Betrachter in Geisterwelten ein, die die Vorliebe der Künstlerin für das Surreale an die Oberfläche holen.
Geopolitische Konflikte im Fokus
Plavčak ist 1970 geboren, in der Steiermark aufgewachsen und studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Sue Williams und Wolfgang Hollegha. “Ich versuche, mich über die Malerei mit den Themen auseinanderzusetzen”, sagte die Künstlerin. Da weist etwa ein Nawalny-Porträt mit grün gefärbtem Gesicht auf die Gift- und Säureattentate auf Oppositionelle in Russland hin, das Bild “Parallelwelt” aus 2022 setzt sich mit nuklearer Kriegsbedrohung auseinander, in “Ocean” weist ein überfülltes Flüchtlingsboot in einer quer im großen Erwin-Hauser-Saal des Lentos platzierten Textilinstallation auf aktuelle Migrationsproblematiken hin.
Die Gesichter von Prominenten, Politikern oder Persönlichkeiten aus der Popkultur sind immer wieder zu sehen. Donald Trump hält sich den Abzugsfinger an die Schläfe, Wladimir Putin und andere Hauptakteure der Weltpolitik weisen in einem Bild aus dem Jahr 2009 – das älteste der Ausstellung – auf Konflikte hin, die bis heute nicht gelöst sind oder sich gar verschärft haben. Aber auch Alf aus der gleichnamigen Fernsehserie taucht als “Legal Alien” in einem Gruppenbild unter Raumfahrern und Außerirdischen im Weltraum auf.
“Flooding the zone with shit” für Lentos-Schau gemalt
Speziell für die Ausstellung im Lentos entstand das 360-Grad-Panorama “Die Zahl der Toten” mit Reflexionen zu Krieg, Aggression und technologischer Überwachung. Auch das großformatige Bild “Flooding the zone with shit” wurde für die Lentos-Ausstellung gemalt. Es thematisiert die Strategie politischer Kommunikation, bei der eine permanente Flut an Informationen und Kontroversen die öffentliche Aufmerksamkeit überfordert. Mit Falschinformationen würden die Menschen orientierungslos gemacht, was eine große Gefahr für die Demokratie sei, so die Künstlerin.
Neben vielen großformatigen Bildern ist der Ausstellungsraum durch textile Flächen gegliedert, die Inseln bilden und auch zum Verweilen einladen. Im Zentrum sind sogenannte Steckskulpturen platziert, Holzpaneele, die jeweils zu neuen Kombinationen zusammengebaut werden können. “Dinge immer wieder neu zu ordnen, das interessiert mich sehr”, so Plavčak. Auch Verfremdungen und Gegensätzlichkeiten zählen zu ihren Mitteln.
( S E R V I C E – “Painting Reality in Surreal Times” – Retrospektive Katrin Plavčak, 18. September bis 10. Jänner im Linzer Kunstmuseum Lentos, )