Iran-Krieg erschüttert seit einem Monat die Weltwirtschaft
Der von den USA und Israel am 28. Februar begonnene Iran-Krieg erschüttert seitdem die Weltwirtschaft. Die am schnellsten spürbare Auswirkung für Unternehmen und Konsumenten weltweit und in Österreich war der rasante Anstieg der Öl- und Spritpreise. Auch die Preise für Erdgas, Düngemittel und Kunststoffe sind kräftig gestiegen. Wirtschaftsprognosen wackeln oder wurden zum Beispiel für Europa und Österreich schon nach unten revidiert. Die Inflation wird steigen.
Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hat angesichts des Iran-Kriegs vor der womöglich schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten gewarnt. Irans Militär blockiert seit Kriegsbeginn de facto den Seeweg zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman und hat im vergangenen Monat nur einen Bruchteil der Container-Schiffe sowie Öl- und LNG-Tanker passieren lassen, etwa Tanker aus China oder Pakistan. Die Straße von Hormuz ist eine der weltweit wichtigsten Lieferrouten für Energie. Bis zum Nahost-Krieg wurden rund 20 Prozent des weltweit verschifften Öls und ein Fünftel des Flüssiggashandels täglich durch diese Meerenge transportiert. Der Brent-Rohölpreis schnellte zu Beginn des Iran-Kriegs von 72 US-Dollar auf bis zu 120 US-Dollar (104 Euro) pro Barrel und notiert zuletzt bei 110 Euro.
Diesel an der Tankstelle um 60 Cent teurer
Die Preise an den österreichischen Tankstellen sind nach dem Ausbruch des Nahost-Kriegs sprunghaft angestiegen. Der Dieselpreis ist seit Ende Februar im Schnitt um knapp 60 Cent auf 2,14 Euro je Liter nach oben geschnellt, der Preis für Benzin erhöhte sich um 30 Cent auf 1,84 Euro. Ab 1. April gibt es in Österreich eine Spritpreisbremse, welche die Preise maximal um 10 Cent pro Liter senkt. Auch der Gaspreis zog im vergangenen Monat massiv an: Der richtungsweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF, der Ende Februar noch bei 31 Euro lag, überschritt zeitweise die Marke von 60 Euro und liegt aktuell bei 57 Euro. Da der Strommarkt, insbesondere im Winter, weiterhin stark von Gaskraftwerken abhängig ist, treibt der gestiegene Gaspreis auch die Stromkosten in die Höhe.
Die Wirtschaftsprognosen werden aufgrund des Iran-Kriegs bereits zurückgenommen. Die hohen Energiepreise drücken vor allem die Aussichten für Europa, die OECD rechnet für 2026 für die Eurozone nur noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent, im Dezember lag die Prognose noch um 0,4 Prozentpunkte höher. Für die USA wurde die BIP-Prognose dagegen um 0,3 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent nach oben geschraubt, für China bleiben die Aussichten mit einem Wachstumsplus von 4,4 Prozent gleich. Auch die weltweite Schätzung bleibt mit plus 2,9 Prozent unverändert.
“Alles hängt davon ab, wie lange dieser Krieg dauert”
Für Österreich hat die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) vor wenigen Tagen ihre Prognose um 0,3 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent zurückgenommen – dies allerdings unter der Annahme, dass die Ölpreise bis Jahresende wieder von ihrem hohen Niveau zurückkommen. Sollte das nicht der Fall sein, dürfte das Wachstum noch geringer ausfallen. Sollten zusätzlich negative Zweitrundeneffekte schlagend werden, ist auch möglich, dass es eine leichte Rezession gibt. “Alles hängt davon ab, wie lange dieser Krieg dauert”, sagte OeNB-Gouverneur Martin Kocher.
Der Krieg in Nahost und die damit verbundenen Verwerfungen an den Energiemärkten dürften sich auch bald bei den Lebensmittelpreisen bemerkbar machen. “Nach bisherigen Erfahrungen dauert das nicht lange”, sagte Wifo-Agrarökonom Franz Sinabell zuletzt im APA-Gespräch. Grund sind höhere Erzeugungs- und Transportkosten, außerdem steigen die Preise für Düngemittel. Teurer könnten insbesondere Grundnahrungsmittel wie Brot oder Butter werden, erwartet der Experte.
Luftfahrtkrise am Persischen Golf, 500 Flüge von/nach Wien gestrichen
Der Krieg beeinträchtigt den Flugverkehr im Nahen Osten massiv und hat den zuvor boomenden Tourismus in der Golfregion (u.a. Dubai, Abu Dhabi) nahezu zum Erliegen gebracht. Flugtickets auf beliebten Langstrecken – unter anderem nach Asien – haben sich indes massiv verteuert.
Seit Beginn des Nahost-Konflikts am 28. Februar waren laut Flughafen Wien insgesamt rund 500 ankommende und startende Flüge von Luftraumsperren und Streichungen der Fluglinien betroffen. Gleichzeitig komme “es zu einer teilweisen Verlagerung der Passagierströme im Streckennetz, wodurch die negativen Auswirkungen auf die Gesamtpassagierzahlen am Flughafen Wien bislang begrenzt blieben”, hieß es auf APA-Anfrage.
Salzburg rechnet mit einem Rückgang bei arabischen Gästen
Der Krieg im Nahen Osten hinterlässt auch Spuren im heimischen Tourismus. Bei den arabischen Urlauberinnen und Urlaubern sowie bei Gästen aus Israel und Fernost ist es laut Österreichischer Hotelvereinigung (ÖHV) bereits zu ersten Stornos gekommen. Bei diesen Reisenden sind normalerweise vor allem Wien, Salzburg und auch Tirol beliebt – mit starken regionalen Unterschieden. Ein Hotspot für arabische Touristinnen und Touristen ist beispielsweise Zell am See.
In Salzburg rechnen Touristiker in den kommenden Monaten mit einem Rückgang arabischer Gäste. “Wir werden vor dem Sommer sicher Geschäft verlieren”, sagt der Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismus GmbH, Leo Bauernberger zur APA. Noch seien die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf den heimischen Fremdenverkehr aber gering: “Die Saison für arabische Gäste ist vor allem der Sommer. Im März des Vorjahres hatten wir lediglich 4.000 Nächtigungen aus den arabischen Ländern.” Die Folgen des Konflikts für den heimischen Tourismus werden darum von der Dauer des Kriegs und der Wiederaufnahme von Flugverbindungen abhängen, so Bauernberger. “Wir hoffen, dass sich der Krieg nicht monatelang hinzieht.” Im Bundesland Salzburg entfallen rund vier Prozent der zuletzt mehr als 30 Millionen Nächtigungen im Jahr auf den arabischen Markt.
Aktien im Minus, Gold diesmal keine Krisenwährung
An den Finanzmärkten hat der Kriegsausbruch zu starken Schwankungen in allen Anlageklassen geführt. Der Wiener Aktienleitindex ATX verlor seit Ende Februar rund 13 Prozent, der DAX ging um 11 Prozent zurück und der Dow Jones (-8 Prozent). Für Gold ging es nach einer massiven Rally im Vorjahr und zu Jahresbeginn nach unten. Zu Beginn dieser Woche kostete eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) Gold nur noch etwas mehr als 4.300 Dollar, nachdem er Ende Jänner ein Rekordhoch bei knapp 5.600 Dollar erreicht hatte.
Normalerweise geht der Preis für Gold in Krisenzeiten nach oben, da das Edelmetall unter Anlegern als “sicherer Hafen” im Vergleich zu volatileren Anlageformen – beispielsweise Aktien – gilt. Als Grund für die jüngsten Abschläge wurde am Markt auf die schwindende Hoffnung auf sinkende Zinsen verwiesen. In Anbetracht der steigenden Inflation aufgrund des Krieges müssten die Notenbanken ihre Leitzinsen eher senken, um Preisstabilität sicherzustellen.
Im längerfristigen Vergleich ist der Goldpreis allerdings immer noch sehr hoch. Im Vergleich zu den Kursen vor einem Jahr liegt Gold immer noch um rund 50 Prozent im Plus. Im Jahr 2025 alleine kletterte der Goldpreis um 70 Prozent nach oben.
“Unsicherheit Gift für die Wirtschaft”
Und “last but not least”: Die Unsicherheit, das Gift für die Konjunktur. Kaum ein Ökonom oder Wirtschaftsvertreter, der nicht schon in den gehäuften Krisen vor dem nunmehrigen Iran-Krieg davor gewarnt hätte, dass “Unsicherheit das größte Gift für die Wirtschaft” ist. Die Auswirkungen sind derzeit zwar kaum zu errechnen, aber manifest. Denn Investitionen werden verschoben, im Zweifel kein neuer Mitarbeiter angestellt und auch die Verbraucher halten sich zurück.