Israel trotz USA-Iran-Abkommens weiter im Südlibanon

18.06.2026 • 13:16 Uhr

Das israelische Militär operiert eigenen Angaben zufolge in einer rund zehn Kilometer tiefen Sicherheitszone im Südlibanon. Dies geschieht trotz der Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran, die eine sofortige Einstellung der Militäreinsätze im Libanon vorsieht. Der Einsatz sei durch operative Erfordernisse begründet, teilt die Armee mit. Die Truppen seien weiterhin in ihrem zugewiesenen Einsatzgebiet stationiert.

Bei einem israelischen Drohnenangriff im Südlibanon starb indes ein Mann, wie die libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete. Die Drohne habe in der Region Kfar Tebnit ein Auto attackiert. Ein Mensch sei getötet worden, ein weiterer schwer verletzt. Der Angriff erfolgte nur wenige Stunde nach der Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran.

Hisbollah-Chef Naim Kassem bezeichnete das Rahmenabkommen am Mittwochabend als “großen Sieg” für Teheran und erklärte mit Blick auf Israel, seine Miliz habe “das Recht, sich zu verteidigen”. Israel hat bisher nicht offiziell auf das Abkommen reagiert.

Israel verhandelt mit den USA über Verbleib von Truppen

Insidern zufolge verhandelt Israel intensiv mit den USA über einen Verbleib seiner Truppen im Südlibanon. Das sagten zwei israelische Regierungsvertreter, darunter ein enger Vertrauter von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Israel führe “hartnäckige Verhandlungen” mit der Regierung in Washington, sagte der hochrangige Insider. Das Land werde von seiner Position nicht abrücken und wolle seine Soldaten in dem Gebiet südlich des Flusses Litani belassen, hieß es. Von Netanyahus Büro war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

In der Nacht hatten US-Präsident Donald Trump und der iranische Präsident Massoud Pezeshkian eine Absichtserklärung zur Beendigung des Iran-Kriegs unterzeichnet. Darin werden die Parteien aufgefordert, “die territoriale Integrität und Souveränität des Libanon” zu gewährleisten. Einem der Insider zufolge hängt das Ergebnis der Gespräche zwischen Israel und den USA letztlich davon ab, ob US-Präsident Trump mit Konsequenzen drohe, falls Israel sich nicht an die Bedingungen der Vereinbarung halte.

Israel hatte seine Offensive im Südlibanon ausgeweitet, nachdem die libanesische Hisbollah-Miliz am 2. März zur Unterstützung des Iran Israel angegriffen hatte. Ziel der Luft- und Bodenoffensive ist es laut Israel, die Hisbollah auszuschalten. Israel bezeichnet die im Libanon, im Gazastreifen und in Syrien eingenommenen Gebiete als “Pufferzonen” zwischen seinem Territorium und den feindlichen Gebieten. Dies ist ein Kernstück der aktuellen israelischen Sicherheitspolitik. Netanyahu hat Forderungen nach einem Rückzug aus diesen Gebieten bisher zurückgewiesen. Radikale Siedler fordern indes sogar, dass der Südlibanon israelisch besiedelt werden soll, ähnlich wie das Westjordanland.