Kammerspiele: “Letzte Runde” für Bernstein und Karajan

16.10.2026 • 05:30 Uhr
Kammerspiele: "Letzte Runde" für Bernstein und Karajan

Die Kammerspiele der Josefstadt haben zu ihrer langjährigen Bestimmung zurückgefunden. “Letzte Runde” von Peter Danish, 2025 mit großem Erfolg am Off-Broadway uraufgeführt, hat sich am Donnerstag bei der Österreichischen Erstaufführung durch Guy Ben-Aharon als eines jener Edelboulevardstücke entpuppt, für die die Bühne lange bekannt war. Eine Konfrontation von Leonard Bernstein und Herbert von Karajan in der Blauen Bar im Hotel Sacher gehört an diesen Ort, keine Frage.

Der US-Autor, dem angeblich bei einem Wien-Besuch ein Barkeeper von einer Begegnung der beiden Musikgrößen im Jahr 1988 erzählte, machte aus der pikanten Konstellation ein solides Konversationsstück, das natürlich von der Rivalität der beiden so unterschiedlichen Persönlichkeiten lebt, die damals 70 (Bernstein) und 80 (Karajan) waren. Karajan, wegen seiner NS-Vergangenheit umstritten, dirigiert am nächsten Tag die Berliner Philharmoniker und führt dabei Brahms Erste Symphonie auf, ein Werk, das er bereits 162 Mal dirigiert hat. Bernstein ist für eine Ehrung, deren genauen Titel er vergessen hat, in der Stadt.

Tee und Whisky, Prostata und Schlaganfall

Die beiden vom Alter gezeichneten Männer – Bernstein plagt die Prostata, Karajan hat einen Schlaganfall hinter sich – schenken einander nichts. Doch es sind eher Schaukämpfe, die sie sich und ihrem Ruf jeweils schuldig sind, als Duelle bis aufs Blut. Dafür schätzen sie einander als Künstler viel zu sehr, wie in monologischen Momenten, wenn der jeweils andere gerade auf der Toilette ist, deutlich wird.

Das ganze Unternehmen steht und fällt natürlich mit der Besetzung. Mit Michael Dangl, der Karajan als steifer, auf Formen bedachter Sir im Rollkragenpulli anlegt, und Günter Franzmeier, der seinem Lenny im weinroten Sakko mit Künstlerschal viel Lässigkeit und Lebenslust verleiht, sind an dem 90-Minuten-Abend zwei Protagonisten am Werk, denen der israelisch-amerikanischen Regisseur Ben-Aharon bei seinem Wien-Debüt viel Raum zur Entfaltung gibt. Nichts lenkt von den beiden ab, und auch Bühnenbildnerin Cristina Todesco beschränkt sich auf ein realistisches Ambiente, in dem Alexander Strömer als gelegentlich auftauchender Kellner Tee, Whisky, Sachertorte und ein paar Pointen servieren darf.

“Somewhere” zum Finale

Beim dick aufgetragenen Finale – dem Song “Somewhere” aus der “West Side Story” – mit Dangl am Klavier treten sie als Trio auf – und holen sich kurz darauf den verdienten, langen Applaus ab. “Letzte Runde” erweist sich als ein feiner Theaterabend und eine Reminiszenz an eine große Zeit. Zwei Jahre später waren beide Dirigenten tot.

Immerhin: Jene, die die beiden live erlebt haben und wissen, wovon hier an diesem Abend die Rede ist, sind noch nicht ganz ausgestorben. Und sie gehen mit persönlichen Erinnerungen, die zum Leben erweckt wurden, heim. Und vielleicht mit der Stimme der “göttlichen” Maria Callas im Ohr. Denn so unterschiedlich die Zugänge der beiden Künstler zu Brahms, Bruckner oder Mahler waren – darauf konnten sich beide einigen: Mit dieser Sängerin zu arbeiten und sie singen zu hören, ließ an Gott glauben. Egal, welcher Religion man angehörte.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E – “Letzte Runde (Last Call). Bernstein und Karajan im Hotel Sacher” von Peter Danish, Deutsch von Gil Mehmert, Österreichische Erstaufführung in den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt, Inszenierung: Guy Ben-Aharon, Bühnenbild: Cristina Todesco, Kostüme: Charles Schoonmaker, Musikalische Leitung: Tony Meola. Mit: Michael Dangl (Herbert von Karajan), Günter Franzmeier (Leonard Bernstein) und Alexander Strömer (Michael). Nächste Vorstellungen: 16., 30., 31.10., 2., 10., 12., 13.11., Karten: 01 / 42700-300, )