“Klimaoasen” der Caritas heuer stark nachgefragt

06.09.2026 • 05:00 Uhr
"Klimaoasen" der Caritas heuer stark nachgefragt

Die extremen Temperaturen im heurigen Sommer haben den Bedarf nach Schutzmaßnahmen drastisch erhöht. Abkühlung ist inzwischen oft überlebenswichtig. In Wien und Niederösterreich bietet die Caritas dazu die “Klimaoasen” an. Armutsbetroffene und obdachlose Menschen können dort der Hitze entfliehen. Die schattigen Refugien waren heuer so stark nachgefragt, dass an den Spitzentagen sogar Notplätze geöffnet wurden.

Die Zeit, als unter Abkühlung vor allem ein Besuch im Freibad oder am See verstanden wurde, ist wohl vorbei. Zu den Freizeitangeboten kommen immer mehr Anlaufstellen für Menschen, für die weder Ausflüge noch eigene Klimaanlagen eine Option sind. Vor allem Personen mit geringem Einkommen würden oft in beengten und schlecht isolierten Wohnungen leben, betont man bei der Caritas.

Gefahr für Obdachlose

Noch schwerer trifft es Menschen ohne Dach über dem Kopf, warnt die Caritas. Das liege auch daran, dass es im Sommer weniger Notquartiersplätze gebe. Neben Gefahren wie Dehydrierung, Hitzschlag, Sonnenbrand und Kreislaufproblemen würde die Hitze auch bestehende Krankheiten und offene Wunden verschärfen. Auch Insektenstiche werden laut den Helfern zum Problem, weil sich diese häufig entzünden. Essen verdirbt zudem bei hohen Temperaturen schnell.

Zuflucht vor der Hitze bieten die Klimaoasen. Sie wurden an verschiedenen Standorten in Grünanlagen bzw. Räumen von Pfarren in Wien und Niederösterreich eingerichtet. Insgesamt 24 solcher Rückzugsorte gab es heuer. Pro Öffnungstag wurden jeweils rund 40 bis 50 Gäste gezählt, wie die Caritas der APA mitteilte. Sie wurden auch mit Erfrischungen versorgt.

Eine Gesamtbilanz gibt es noch nicht, denn die Einrichtungen stehen noch bis Ende September zur Verfügung. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Klimaoasen laut Caritas von Juni bis September knapp 6.380 Besuche. Betreut wurden die Standorte heuer von rund 500 Freiwilligen.

Ruhezonen in Krypten

Der Umstand, dass im Osten des Landes die Temperaturrekorde purzelten, machte zudem spontane Maßnahmen nötig. Das Angebot wurde mit Not-Klimaoasen verstärkt. Sie wurden an besonders heißen Tagen mit mehr als 40 Grad Celsius zur Verfügung gestellt – unter anderem im kühlen Untergrund. So öffneten in Wien die Krypten der Pfarre Canisius und der Peterskirche ihre Pforten. Die Pfarre St. Rochus stellte Kirche und Kreuzgang zur Verfügung.

Betroffenen wurde auch mittels mobiler Dienste geholfen. So waren die Streetwork-Teams der Caritas verstärkt im Einsatz. Sie verteilten unter anderem Hitzepakete. Diese beinhalten je nach Bedarf der Personen Sommerschlafsäcke, Isomatten, Sonnencreme, Kappen, Kühltücher sowie Trinkwasser.

Schwertner: Bereits jetzt an nächsten Sommer denken

Wiener Caritas-Direktor Klaus Schwertner betonte gegenüber der APA, dass bereits jetzt an den nächsten Sommer gedacht werden müsse. Er stellte eine weitere Ausweitung der Hilfe in Aussicht. Die Klimakrise, so hob er hervor, sei auch eine soziale Krise. “Mehr Hitze erfordert mehr Hilfe, also werden wir unsere Angebote zukünftig nach Kräften ausbauen und weiterentwickeln.”

Er nahm auch die Politik in die Pflicht. Dass die Bundesregierung nach Jahren nun ein Klimagesetz auf den Weg gebracht habe, sei erfreulich. “Für die Umsetzung wird es eine Vielzahl kluger und nachhaltiger politischer Maßnahmen brauchen”, befand er.

“Wir brauchen dringend einen Nationalen Hitzeplan, leistbaren und hitzebeständigen Wohnraum und mehr Grünflächen in den Städten.” Auch Notquartierplätze analog zur Winterhilfe sind laut Schwertner sinnvoll. Sowohl Bundes- als auch Stadtregierung seien nun gefragt.