Kniender Hitler und ausgestopfte Tauben in Cattelan-Schau

09.09.2026 • 13:03 Uhr
Kniender Hitler und ausgestopfte Tauben in Cattelan-Schau

Dass seine Kunstwerke provozieren können, zeigt zum Beispiel die festgeklebte Banane, die für eine Millionensumme versteigert wurde. Oder seine vergoldete Toilette. Nun wird dem Künstler Maurizio Cattelan (65) seine erste große Einzelausstellung in Deutschland gewidmet und die fällt ernster aus, als man es vielleicht vermuten würde.

Für die Präsentation in der Neuen Nationalgalerie in Berlin hat er unter anderem das Brandenburger Tor nachgebaut und die Skulptur “Purgatory” (Fegefeuer) genannt. Etwas entfernt davon kniet eine kleine Figur, die wie der nationalsozialistische Diktator Adolf Hitler aussieht (“Him”).

400 ausgestopfte Tauben

Es sei eine sehr ernste Schau, sagte Museumsdirektor Klaus Biesenbach. “Die Ausstellung ruft in mir Demut hervor.” Sie trete auch in einen so noch nie dagewesenen Dialog mit dem berühmten Gebäude. Unter dem Dach wurden zum Beispiel rund 400 ausgestopfte Tauben installiert.

Der Italiener Cattelan ist für seine skurrilen Skulpturen bekannt. Eine von ihm mit Klebeband an der Wand befestigte Banane wurde in New York einmal für 6,2 Millionen Dollar versteigert. Von seiner goldenen Toilette mit dem Titel “America” wurde ein Exemplar in England gestohlen.

Von der Decke hängt ein Pferd

Die Berliner Ausstellung mit dem Titel “Night” (Nacht) zeigt bis März 2027 mehr als ein Dutzend Werke, darunter einige Neuproduktionen. Im Gebäude liegt etwa ein gefallener Adler aus Marmor, von der Decke hängt ein Pferd und mehrere Skulpturen sind abgedeckten Leichen nachempfunden.

Eine Installation auf dem Dach zeigt einen trommelnden Buben, inspiriert von Günter Grass’ Roman “Die Blechtrommel”. Die Skulptur “Charlie Don’t Surf” stellt einen Burschen dar, dessen Hände – ähnlich einer Kreuzigung – mit Bleistiften am Schreibtisch festgemacht sind. Für das Werk “Dust” hat Cattelan die Asche eines Freundes in einen Feuerlöscher gefüllt.