Lentos in Linz zeigt Stilllebenmalerin Erika Rössing

Das Linzer Lentos stellt in seinem Untergeschoß von Freitag bis 24. Jänner das Werk einer eher unbekannten Künstlerin aus, das zu einem großen Teil im Besitz des Kunstmuseums ist: Erika Rössing, Stillebenmalerin mit nicht unproblematischer Vergangenheit, deren Arbeit zu ihren Lebzeiten oft im Schatten ihres Mannes, des Malers Karl Rössing, stand, mit dem sie eine “künstlerische Symbiose” verband, wie es Kuratorin Elisabeth Nowak-Thaller bei der Presseführung bezeichnete.
Das Oeuvre der 1977 verstorbenen Erika Rössing umfasst rund 180 Stillleben. 50 Temperabilder hat das Lentos 1979 im Rahmen einer Stiftung aus dem Nachlass erhalten. Die übrigen der etwa 100 in der Schau “erika roessing. Die Einsamkeit der Dinge” ausgestellten Bilder sind großteils Leihgaben aus Privatbesitz – darunter auch aus dem lange verschollenen Frühwerk Rössings, das aus der NS-Zeit stammt.
In NS-Zeit gefragt
In Galizien geboren, in Sarajevo und Wien aufgewachsen und in den 1920er-Jahren als Schülerin von Franz von Zülow in Gmunden künstlerisch sozialisiert, wandte sie sich bald dem Stillleben zu. Damit war sie in der NS-Zeit gefragt, 1937 wurde sie Mitglied in der Reichskammer für Bildende Künste, was für eine öffentliche Berufsausübung erforderlich war. Eine NSDAP-Mitgliedschaft ist – im Gegensatz zu ihrem Mann Karl – nicht überliefert. Bei einem Bombenangriff im Februar 1944 wurden die Berliner Wohnung und das Atelier des Ehepaars – und damit ein Großteil ihrer Arbeiten – zerstört.
Nach Kriegsende erwähnte die Malerin ihre Kunst während der NS-Zeit nicht mehr, offiziell beginnt ihr Werksverzeichnis 1949. Das Lentos zeigt Stillleben der Künstlerin, deren liebste Motive Vögel, Vasen, Früchte und Körbe waren, antike Wandmalereien und Ornamente zeugen von Italienaufenthalten. Ein kleiner Bereich ist auch ihrem wesentlich bekannteren Mann gewidmet, mit dem sie gemeinsam in einem Atelier gearbeitet hat.