Papst prangert in Uruguay Gewalt gegen Kinder an
Auf der ersten Station seiner Südamerika-Reise hat Papst Leo XIV. in Uruguay die Gewalt in den Armutsvierteln des sonst wohlhabenden Landes angeprangert. “Es gibt Kinder in Uruguay, die nicht zur Schule gehen, weil sie Angst haben, nicht zurückzukommen”, sagte Leo am Samstag (Ortszeit) bei einem Besuch im von Kriminalität heimgesuchten Viertel Casavalle in Montevideo. Der Papst war am Freitag in Uruguay gelandet, nur dreieinhalb Wochen nach seiner Lungenkrebs-Operation.
Uruguay ist eines der sichersten und reichsten Länder Südamerikas, in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Morde aber infolge der zunehmenden Verstrickung in den Kokain-Handel stark angestiegen. In Casavalle liegt die Rate vier Mal so hoch wie im Landesdurchschnitt. Laut dem UNO-Kinderhilfswerk UNICEF leben vier von zehn Kinder in Uruguay in Armut.
“In einem Land, das so reich an Ressourcen ist wie dieses, sollten Kinder niemals hungrig zu Bett gehen müssen”, sagte Leo. “Noch viel weniger sollten sie Gewalt erfahren, die sie das Leben kosten kann.” Unter starkem Polizeischutz segnete der Papst zwölf von der Kirche finanzierte Häuser für Menschen mit geringem Einkommen. “Hier mit euch zu sein, gibt mir das Gefühl, zuhause zu sein, und erinnert mich an die Besuche verschiedener Gemeinden während meiner Zeit als Missionar”, sagte Leo weiter, der vor seinem Pontifikat lange in Peru gewirkt hatte.
Bei einer Gebetswache bei Kerzenschein im Centenario-Stadion von Montevideo sprach der Papst zudem die “fortschreitende Säkularisierung” Lateinamerikas an. Der Kontinent gilt zwar als der katholischste weltweit, fallende Geburtenzahlen lassen die Zahl der Gläubigen aber abnehmen. 1950 bekam eine Frau im Schnitt 5,8 Kinder, 2024 waren es nur noch 1,8.
“Papst Leo, wir lieben Dich so sehr”
“Ihr jungen Leute, traut euch, den Schritt zu gehen und zu heiraten und selbst eine Familie zu gründen. Habt vor dem ‘Für immer’ keine Angst”, sagte Leo XIV. in dem voll besetzten Stadion, das Platz für bis zu 60.000 Menschen bietet. “Papst Leo, wir lieben Dich so sehr”, riefen die Anwesenden.
Uruguay gilt als das am stärksten säkular geprägte Land Lateinamerikas. Laut einer Umfrage von Latinobarómetro aus diesem Jahr bezeichnen sich nur 35 Prozent der Einwohner als katholisch. In ganz Lateinamerika ist die Zahl der Menschen, die sich als katholisch bezeichnen, in den vergangenen 30 Jahren von 80 auf 55 Prozent gesunken.
Leo hatte zuvor bei einer ersten Messe dazu aufgerufen, “Brücken zu bauen” und den Glauben weiterzugeben. In einem Park der Stadt Paysandú rief das katholische Kirchenoberhaupt dazu auf, Beziehungen zu stärken und “die Freude des Glaubens” zu verbreiten.
Papst plädierte für allgemein zugängliches Gesundheitswesen
Leo plädierte zudem für ein allgemein zugängliches Gesundheitswesen. Die Gesundheitsversorgung müsse “für alle Menschen verfügbar sein, unabhängig von ihren Mitteln”, sagte er nach seiner Ankunft in Montevideo auf dem nur zur Hälfte gefüllten Platz Plaza Independencia. Seine eigene Behandlung wegen eines Lungentumors im Oktober habe ihn an die vielen Menschen denken lassen, denen die Mittel für eine rechtzeitige Diagnose oder Therapie fehlten.
Leo XIV. absolviert seine zwölftägige Südamerika-Reise nur rund dreieinhalb Wochen, nachdem ihm ein bösartiger Tumor aus der Lunge entfernt worden war. Trotz des Eingriffs hielt der 71-Jährige an seinen Reiseplänen fest. Am Sonntagabend wollte er nach Argentinien weiterreisen. Ab Mittwoch besucht er schließlich Peru, wo er rund zwei Jahrzehnte als Missionar und Bischof tätig war. Für Uruguay und Argentinien ist es der erste Papstbesuch seit fast 40 Jahren.