Libanonzeder als Chance für die klimafitte Forstwirtschaft
Der Klimawandel setzt der Forstwirtschaft zu, vor allem standortfremde Fichtenwälder werden immer anfälliger für Schädlinge, Windwurf und andere Kalamitäten. Viele Förster sind auf der Suche nach Alternativen. Eine davon könnte die Libanonzeder sein, die im kleinen Maßstab bereits ausprobiert wird. Um einen gesunden Bestand aufzubauen, braucht man aber die richtigen Ökotypen – diese werden nun im Rahmen des Projektes “Cedrus4Clim” mit der Uni für Bodenkultur in Wien getestet.
Auf einer 2,5 Hektar großen Fläche der Forstverwaltung Birnleitner in der oberösterreichischen Gemeinde Aistersheim stehen in einer genau vermessenen Versuchsanordnung acht verschiedene Ökotypen der Libanonzeder und zwei der Atlaszeder. Die insgesamt rund 3.000 Bäumchen – der Großteil von ihnen wurde 2023 im Rahmen des Waldfonds-Projekts gepflanzt – sind gerade einmal zwei Meter hoch und verschwinden (noch) zur Hälfte im hohen Gras. Die Fläche war früher ein Fichten-Eichen-Bestand und musste nach einem Schadereignis aufgeforstet werden, schildert Forstberater Joachim Pennetzdorfer von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, ohne menschliches Zutun würde hier Eiche aufkommen.
Versuchsflächen entlang von Klimagradienten
Auf weiteren Flächen in Niederösterreich und dem Burgenland gibt es ähnliche Versuchsanordnungen. “Die Idee war: Wir machen das auf einem Ost-West-Gradienten”, erklärt Projektleiter Raphael Thomas Klumpp vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur. Das Burgenland habe mediterran-kontinentales Klima, Oberösterreich sei schon atlantisch (gemäßigter, feuchter) getönt, Niederösterreich liege dazwischen. Man will sich ansehen, welche Ökotypen sich wo gut entwickeln. Daneben gibt es auch Flächen für Saatgutgewinnung, damit man – wenn man weiß, welche Kandidaten sich bewährt haben – Saatgut ernten könne, sagt Stephan Rechberger, Referent in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, die Projektpartnerin bei Cedrus4Clim ist.
Das Hauptverbreitungsgebiet der Libanonzeder ist in der Türkei, sie ist aber auch im Libanon, dessen Flagge sie ziert, zu Hause. Die Heimat der Atlaszeder sind nordafrikanische Gebirgsregionen. Nicht zu verwechseln sind diese beiden “echten” Zedernarten mit der oft als Rotzeder (Red Cedar) bezeichneten Riesenthuja aus Nordamerika, die seit Mitte des vorigen Jahrhunderts auch eine gewisse Rolle in der heimischen Forstwirtschaft spielt, erklärt Rechberger.
Klumpp setzt in die Libanonzeder, die er seit mehr als 20 Jahren erforscht, mehr Hoffnung als in die Atlaszeder, denn diese sei “sehr viel empfindlicher” und leide unter Trockenheit, “die Libanonzeder tut das nicht”. Schwierigkeiten hätten fast alle Mittelmeerbaumarten allerdings mit Frost. Wie sehr die verschiedenen Ökotypen dem trotzen, gilt es nun auszutesten. Dass die Zedern einst die Fichten ablösen werden, erwartet er aber keinesfalls, schon alleine aus Kostengründen: “Eine Zedernpflanze ist deutlich teurer als die heimischen Nadelhölzer”, man werde in Österreich also nicht “von heute auf morgen tausende Hektar Zedernwälder haben”.
Fichte bleibt wichtigstes Holz
Das wichtigste Holz für Forst- und Holzwirtschaft sei nach wie vor die Fichte, so Klumpp, “leicht und stabil” und daher – wie auch die Tanne – gut als Bauholz geeignet, während Buche und Eiche zu schwer dafür seien. “In den Alpen haben wir große natürliche Verbreitungsgebiete der Fichte und damit können wir weiter arbeiten.” Problematisch seien aber durch den Menschen angelegte Fichtenwälder in tieferen Lagen, die Schwierigkeiten mit den immer häufiger werdenden langen Trockenperioden haben.
Behelfen könne man sich eventuell mit der Douglasie aus Nordamerika oder eben mit Zedern, die ein wertvolles Holz liefern, ähnlich jenem der Zirbe, das sich auch als Bauholz eigne. “Auf Südhängen würde ich heute die Zeder empfehlen, kombiniert mit Weißtanne und auch mit Buche, gruppenweise gemischt”, sagt Klumpp. Bisher gibt es nur wenige Zedernflächen in Österreich und diese seien noch sehr jung, Altbäume stehen eher nur in Parks. Denn noch vor 40 Jahren habe die Libanonzeder der heimischen Forstwirtschaft als zu langsamwüchsig gegolten. “Mit der Klimaerwärmung ist das vorbei.” Der Grund: Alte Bäume sind anfälliger für den Borkenkäfer, daher sei man auch bei der Fichte von einer Umtriebszeit von 100 auf 80 Jahre heruntergegangen, “aus Gründen der Produktionssicherheit”. Wie lange man einen Zedernbestand stehen lassen könne, müsse sich erst zeigen.
Libanonzeder für Südhänge geeignet
Über die Ansprüche der Libanonzeder ist schon vieles bekannt. Sie braucht luftdurchlässige Böden, Staunässe oder wechselfeuchte Standorte mag sie gar nicht. In Österreich könnte man sie gut mit Schwarzkiefern und Tannen kombinieren, sagt der Projektleiter. Er sieht sie eher auf Südhängen, auf Nordhängen solle man besser bei den heimischen Baumarten bleiben. Nachteil der Zeder: Sie sei nicht so feuerresistent wie etwa Lärche oder Douglasie.
Unterm Strich könnte die Zeder also ein sinnvoller Baustein einer klimafitten Forstwirtschaft sein. Aber bevor Waldbesitzer beginnen, Zedernflächen aufzuforsten, will man die Ökotypen erforschen, um ihnen die richtigen Pflanzen an die Hand geben zu können. Dazu werden die Pflanzen bzw. ihr Zuwachs bei Trieblänge, Durchmesser und Höhe regelmäßig vermessen, die Ausfallsrate ist bisher im üblichen Bereich. Dennoch – für ein endgültiges Ergebnis wird man, wie oft in der Forstwirtschaft, noch etwas Geduld brauchen.