Ihr Spielfilm soll zeigen, was für ein Potenzial in Vorarlberg schlummert

Felix Bereuter und Kevin Kriechhammer-Lorenz haben mit „Nicht so schnell“ ihren ersten Spielfilm abgedreht. Das Projekt soll zeigen, was mit einer Vorarlberger Crew möglich ist.
Der letzte Drehtag ist seit Freitag im Kasten. Sollte der Spielfilm „Nicht so schnell“ scheitern, bekräftigt Regisseur Felix Bereuter, ist es einzig und allein seine Schuld. Die Crew, da ist sich der 30-jährige Lochauer sicher, habe geliefert. Technisch müsse man sich nicht verstecken. Bildlich schon gar nicht.
„Krass, was wir geleistet haben“, zeigt sich Bereuter wenige Tage nach dem Abdreh stolz. Er klingt erschöpft, erleichtert und schon wieder unruhig. Der Stress sei weg, zugleich habe sich ein Loch aufgetan, wie es nach einer intensiven Produktion kaum anders sein kann. Nur dass es bei ihm nicht lange leer bleibt: Der Schnitt wartet und die nächsten Ideen drängen bereits.

Film nicht gleich Film
Mit seinem Mitarbeiter Kevin Kriechhammer-Lorenz (24) wagt Bereuter, Betreiber der Firma Berri Productions, den Sprung vom Werbefilm ins Spielfilmformat. Das klingt nach einer Frage der Länge, ist aber vor allem eine des Denkens. Im Werbefilm muss alles rasch funktionieren: Bild, Pointe, Oberfläche, Produkt. Ein Spielfilm hingegen verlangt Atem, runde Figuren und Zwischentöne, Szenen, die nicht nur gut aussehen, sondern über viele Minuten tragen. Der Regisseur hat diesen Unterschied am Set deutlich gespürt. Sein härtester Lerneffekt: „Das Bild ist bei weitem nicht das Wichtigste im Vergleich zur Story.“

Das demütige Duo nahm bewusst Anlauf für den Sprung ins künstlerische Neuland. Schon in kommerziellen Arbeiten versuchten sie, szenischer zu denken, kleine Geschichten einzubauen, über mehrere Videos hinweg einen roten Faden zu ziehen. Für einen größeren Kunden entstand eine Kampagne aus mehreren zusammenhängenden Clips. Im Kleinen war das eine Vorübung. Nun ging es nicht mehr um Sekunden, sondern um rund 95 Minuten Film, aufgeteilt in 79 Szenen, die mit einer Crew von knapp über 20 Personen in 20 langen Drehtagen festgehalten wurden.

Romantische Tragikomödie
„Nicht so schnell“ wird eine romantische Tragikomödie. Im Mittelpunkt steht ein alleinerziehender Vater (gespielt vom Dornbirner Schauspieler Julian Sark), etwas chaotisch, vom Leben nicht gerade geschont, der Halt sucht und langsam begreifen muss, dass es auch erlaubt sein kann, auf sich selbst zu schauen. Mehr soll über die Handlung vorerst nicht verraten werden. Interessanter ist im Moment ohnehin, was dieser Dreh über das Filmemachen in Vorarlberg erzählt.

Privates Geld
Mangels eines lokalen Filmstudios und angesichts der bescheidenen Rolle des Formats in der Landeskulturförderung überrascht die geringe Präsenz Vorarlbergs im österreichischen Film kaum. „Nicht so schnell“ wird zwar vom Land und einem nicht genannten Sponsor gefördert, der Löwenanteil der Kosten wird aber laut dem Duo von Berri Productions gestemmt. „Wenn das Geld am Ende weg ist, dann ist es weg“, so Bereuter. Die Summe sei hoch, für ihn bleibt es aber eine Investition ins eigene Können. Schließlich habe das ganze Team und jedes Mitglied für sich unglaublich viel gelernt. Zusätzlich soll das Projekt beweisen, dass ein Spielfilm aus Vorarlberg unter den richtigen Bedingungen tatsächlich entstehen kann.

Gerade weil kein großer Sender im Rücken steht, bleibt mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung. Niemand könne ihnen sagen, sie müssten das Skript in diese oder jene Richtung ändern. Gleichzeitig gebe es auch niemanden, der das Projekt automatisch durch den Betrieb trägt. Wenn der Film später eine Chance haben soll, müsse er sehr gut werden. Daran lässt der Lochauer keinen Zweifel.
Mit Vertrauen führen
So wurde das Drehbuch mehrfach überarbeitet, der erste Akt komplett neu geschrieben. Offiziell landete man bei Version zwölf, inoffiziell bei Version vierzehn. Manche Dialoge liefen im Spiel plötzlich mühelos, andere klangen auf einmal zu sehr nach geschriebenem Text. Dabei veränderte sich auch sein Blick auf Regie. Schließlich müsse nicht alles kontrolliert werden. Anfang und Ende einer Szene sollten zwar klar sein, der Weg dazwischen müsse sich aber entwickeln dürfen. Auch die Schauspielerinnen und Schauspieler sollten sich einbringen können, solange die Szene ihr Ziel behält. Gerade Hauptdarsteller Julian Sark habe die Figur mit eigener Energie gefüllt.

So spricht Kriechhammer-Lorenz von vielen Schultern, die das Projekt tragen. Bereuter und er gaben zwar die Richtung vor, mussten aber zugleich Verantwortung abgeben. Wer kein großes Budget hat, kann nicht jedes Problem mit Geld lösen. Stattdessen haben sie auf Menschen vertraut, die Entscheidungen treffen können.

Etwa Mira Zielbauer, die als Script-Supervisorin auf Anschlüsse, Kontinuität und die innere Logik der Szenen achtete. Die FH-Absolventin ist zwar im Werbefilm verankert, war hier aber das erste Mal in dieser Funktion tätig. Es freut sie, dass man ihr die Verantwortung zutraute und schwärmt vom verantwortungsvollen wie nahbaren Geist der Organisation. So kann sich die Deutsche an keinen Tag mit Überstunden erinnern, sehr wohl aber, dass ihre Meinung gefragt war.

Ein großer Teil der Crew kommt aus dem Filmwerk Vorarlberg, das seit 2011 als Zusammenschluss regionaler Filmschaffender besteht. Man kennt einander, hat bei kleineren Produktionen, Werbefilmen, Musikvideos oder anderen Projekten schon miteinander gearbeitet und weiß, wer unter Druck ruhig bleibt.

Premiere im Februar 2027
Im September beginnt der Schnitt, im November soll der Rohschnitt stehen. Premiere feiern soll „Nicht so schnell“ im Februar 2027. Dann wird sich zeigen, ob nicht nur ein Spielfilm, sondern auch ein guter, aus Vorarlberg kommen kann.