Linzer Phönix Theater thematisiert 2026/27 Macht(missbrauch)

26.06.2026 • 14:16 Uhr
Linzer Phönix Theater thematisiert 2026/27 Macht(missbrauch)

Mit der Premiere von Albert Camus Stück “Caligula” aus dem Jahr 1938 startet das Theater Phönix in Linz am 24. September in die neue Spielsaison 2026/27. Damit taucht man schon tief in das Schwerpunktthema der neuen Spielzeit “Macht und Machtmissbrauch” ein. Dazu werde das Stück “Der kleine Diktator” für Publikum ab neun Jahren inhaltlich mit der Eröffnungsproduktion “verschnitten”, wie es in einem Pressetermin am Freitag in Linz hieß.

Mit Heinrich von Kleists “Der zerbrochene Krug” und einer Bearbeitung von Jane Austens “Stolz und Vorurteil” stehen zwei weitere Klassiker am Programm. Daneben widme man sich wieder Zeitgenössischem, “das uns sehr am Herzen liegt, das wollen wir fördern”, sagte Phönix-Leiterin Silke Dörner. So kommt etwa die österreichische Erstaufführung “Geheimnisse” von Sébastien Blanc ab April 2027 auf die Bühne, eine Komödie über Lüge und Wahrheit, gespielt von den beiden Ensemble-Mitgliedern Martin Brunnemann und Lukas Weiss.

Tyrann als moderner Charakter

Das Motto der neuen Spielzeit werde “Bewegung” heißen, das als ein ganz aktuelles aufgefasst wird. “Wir leben in bewegten Zeiten, haben aber das Gefühl, keinen Schritt vorwärtszukommen – politisch wie gesellschaftlich. Trotzdem sollen wir nicht in Trägheit verfallen”, umriss Dörner den Zugang. Und: “Der Spielplan ist insgesamt ein Plädoyer für die demokratische, offene Gesellschaft.”

Mit “Caligula” taucht das Publikum gleich zu Beginn in die Welt eines römischen Tyrannen ein, aus dem ein moderner Charakter entsteht, dessen politisches System seinem willkürlichen Handeln nicht Herr wird. Es gehe um Macht und wie man sich wehren soll, hieß es. Auf der Bühne wird das Ensemble mit zwei Gastschauspielern stehen, die Inszenierung verantwortet Nicolas Charaux mit einem Team aus weiteren neuen Kräften.

“Der kleine Diktator” in der Produktion des Figurentheater-Teams “Die Kurbel” greift das Thema des Machtmissbrauchs am Beispiel eines faschistoid gepolten Schachlehrers auf, der nicht lockerlässt, als seine Figuren rebellieren. Es werde kluges, komisches Objekttheater über autoritäre Tricks gezeigt – und darüber, warum Demokratie oft anstrengend, aber unverzichtbar sei, hieß es in den Unterlagen zur neuen Spielzeit. Am Ende stehe kein Moralappell, sondern eine Einladung zum Mitdenken. Das Stück soll sowohl Erwachsene als auch Kinder ab neun Jahren ansprechen.

Weiterhin Schäxpir-Kooperation und Todsünden-Reihe

Fortgesetzt werde die Kooperation mit dem Theaterfestival für junges Publikum Schäxpir, das von 24. Juni bis 3. Juli 2027 wieder in Linz auf dem Programm steht. Zur Premiere eines speziell dafür inszenierten neuen Stücks gab es noch keine Details, Florian Hackspiel werde Konzept und Inszenierung übernehmen und das vierköpfige Phönix-Schauspielerensemble leiten. Fortgeführt werde auch die in der letzten Saison gestartete Reihe der sieben Todsünden. Die bisher inszenierten vier Produktionen bleiben am Programm, neu hinzukommen werden die Aufführungen zu Trägheit, Zorn und Neid. Alle sieben Produktionen sollen auch einmal gemeinsam gesehen werden können.

Ebenso wiederaufgenommen wird am 24. Oktober 2026 das immersive Hörspiel “Times up – Tell me about it”. Am 13. September wird es auch im Rahmen des Ars Electronica Festivals gezeigt werden. Bewährt habe sich die Phönix-Volksbühne, die auch dieses Jahr wieder Menschen aus Linz und Umgebung einlädt, gemeinsam Theater zu machen.

Vermittlungsarbeit und Bildungsangebote

Mit prognostizierten 12.732 Besucherinnen und Besuchern sei man mit der vergangenen Spielzeit zufrieden, sagte Geschäftsführerin Olivia Schütz. 210 Vorstellungen wurden gespielt, 13 mussten krankheitsbedingt abgesagt werden. Immer wichtiger für das Theater werden die Vermittlungsarbeit und die Bildungsangebote. Neben Workshops für Schüler, Studierende und Lehrer habe man beispielsweise “Ein Tag im Theater” als Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich veranstaltet. Für die Produktion von “Die Nashörner” entwickelten Gymnasiasten des BRG Fadingerstraße Radiobeiträge für ein junges Publikum. Kooperationen wie diese sollen fortgeführt werden, so Schütz.

(S E R V I C E – Infos unter )